Herbolzheim Rundumblick auf Herbolzheim

Über voll besetzte Sitzreihen hat sich Bürgermeister Thomas Gedemer bei der Bürgerversammlung gefreut. Die angesprochenen Themen reichten von der Trinkwasserversorgung über Wohnraum bis hin zu Stadtmarketing und Jugendbeteiligung.

 

Herbolzheim. Das volle Tutschfeldener Bürgerhaus sei "ein Ausdruck an Interesse und Freude an der Kommunalpolitik", erklärte Gedemer. Neben ihm waren auch anwesend die Fraktionsvorsitzenden Cornelia Held (CDU), Doris Daute (SPD), Martin Bergmann (FWG) und Dieter Böcherer (Grüne) sowie die drei Amtsleiter, Gerhard Kalt (Kämmerer), Jürgen Rauer (Stadtbauamt) und Bruno Witt (Hauptamt). Gemeinsam arbeiteten sie in zweieinhalb Stunden eine Fülle an Themen ab, um einen Rundumblick über die allgemeine Lage Herbolzheims zu geben.

Hallenbedarfsplanung

Bis zum Ende dieses Jahres sollen zwei Büros ein Gesamt-Hallenkonzept für die Stadt und ihre Stadtteile erstellen. Dafür soll eine Projektgruppe aus Fraktionsvertretern, Verwaltung und (falls nötig) Spezialisten die drei Module Bestandsaufnahme, Bedarfsermittlung und kooperatives Planen begleiten. In das Konzept sollen auch die Anlagen für den Freiluftsport miteinfließen. Vor dem Konzeptstart bekommt die Breisgauhalle jedoch erst einmal im Sommer einen neuen Boden. Denn die Reparatur des aktuellen "Flickenteppichs", so Gedemer, koste im Jahr 5000 bis 6000 Euro und die Halle müsse in ihrer jetzigen Form nach noch vier Jahre überstehen.

Neues Feuerwehrgerätehaus

Das bestehende Feuerwehrhaus am Birkenweg ist in die Jahre gekommen, erklärte Rauer. Es wird mehr Platz für Equipment und auch für die immer größer werdenden Einsatzfahrzeuge benötigt. Als neuen Standort hat sich ein Grundstück von 4000 Quadratmetern an der Kanua-/Bugstraße als geeignet erwiesen. DRK, Feuerwehr, Gemeinderat und Verwaltung besichtigen aktuell ähnlich große Feuerwehrhäuser wie das geplante im Regierungsbezirk Freiburg, um sich Inspirationen zu holen.

Trinkwasserversorgung

Bislang habe die Stadt "viel Zeit, Geld und Energie" in die Trinkwasserversorgung gesteckt, erklärte Gedemer. Berücksichtigt man die Wasservorkommen, die Standorte ehemaliger Deponien, Natur- und Wasserschutzgebiete sowie die Entwicklungsgebiete der Ortsteile und des benachbarten Kenzingen, dann ist "der Standort Johanitterwald die beste der schlechten Lösungen", erklärt Gedemer. Aber auch bei dieser wäre eine zusätzliche Wässerung nötig, das Wasser müsste aufgrund des hohen Eisen- und Mangangehalts aufbereitet werden und über lange Strecken gepumpt werden. Deshalb schwebt Herbolzheims Bürgermeister eine ganz andere Lösung vor: ein interkommunales Ringwassersystem, bei dem umliegende Gemeinden sich gegenseitig absichern und versorgen. Das Umweltministerium kündigte an, ein entsprechendes Strukturgutachten fördern. Dieses ist die Grundlage für weitere Zuschüsse für bauliche Maßnahmen in Sachen Wasserversorgung.

Stadtmarketing

Wie präsentiert sich die Stadt Herbolzheim nach innen und nach außen? Um das herauszufinden, hatte der Gemeinderat in seiner Klausurtagung im März beschlossen, eine Agentur zu beauftragen. Die Agentur Tietge Publishing in Offenburg hat ein neues Modul für 10 000 Euro umgesetzt, eine Projektgruppe aus Mitgliedern des Gemeinderats, des Vereins Handel und Gewerbe und der Verwaltung wird sich zunächst mit dem Thema auseinandersetzen, bevor Vereine, Bürgerbewegungen und andere mit ins Boot geholt werden. Es gehe beim Stadtmarketing nicht nur um eine Förderung des Tourismus "und auch nicht um ein neues Logo", machte Gedemer deutlich. Vielmehr stehe im Fokus, wofür die Stadt Herbolzheim und ihre Ortsteile stehen, also inwiefern sich die Bürger mit ihrer Stadt identifizieren ­ und wo die Stadt in der Zukunft stehen wolle.

Mobilfunk

Mobilfunk-Abdeckung sei genau wie Breitbrandversorgung etwas, was in der heutigen Zeit erwartet werde, erklärte Gedemer. Für eine Abdeckung benötige man jedoch Sendemasten, die wiederum Strahlungen aussenden. Der Gemeinderat und die BI Sendemast seien deshalb im Gespräch, um nach Lösungen zu suchen. Allerdings sei von Seiten der Stadt baurechtlich nicht immer die Möglichkeit gegeben, unerwünschte Sendemasten zu verhindern. So sei etwa weder der von Vodafone geplante Sendemast im Turm der evangelischen Kirche noch der von der Telekom geplante auf dem Betriebsgelände der Eisenbahnanlage genehmigungspflichtig, hier könne man nur auf den Dialog mit den Anbietern hoffen. Mit Telefonica hingegen sei es gelungen, sich nach der Prüfung von neun Standorten auf einen Standort südlich der Bleiche zu einigen, der laut Experten einen guten Kompromiss zwischen Netzabdeckung und Strahlung verspreche.

Wohnen

Herbolzheim habe einen immensen Bedarf an Wohnungen. Jürgen Rauer zeigte anhand des Flächennutzungsplans, dass eine Entwicklung Herbolzheims nur noch nach Norden Richtung Ringsheim möglich sei: Der Bürgermeister erklärte, dass es ihm ein Anliegen sei von Wohn-Monokulturen wegzukommen, stattdessen strebe er eine Durchmischung der Generationen an, erklärte der Bürgermeister. Neben den neuen Baugebieten sollen auch in der Innenstadt weiter Wohnräume entwickelt werden, um den Flächenverbrauch einzudämmen. Das sei etwa durch den Wegzug des Feuerwehrgerätehauses möglich. Aktuell entwickle der Gemeinderat in Kooperation mit Badenova Vergabekriterien für die Baugebiete, um somit für ein transparenteres Verfahren zu sorgen.

Kindertagesstätten

Vor allem die Kernstadt benötige weitere Plätze in Kindertagesstätten, erklärte Gedemer. Da die Zuzüge in Herbolzheim größer seien als die Wegzüge werde sich das Problem in den kommenden Jahren noch verschärfen. Wie bereits berichtet sollen in der Kita Glühwürmchen und der Kita St. Marien in Bleichheim zum Sommer ingesamt 27 neue Plätze geschaffen werden. Langfristig soll jedoch ein Kita-Neubau auf dem Grundstück des Spielplatzes Grüne Siedlung für Entlastung sorgen.

Bürgerbeteiligung

Herbolzheim will eine stärkere Kinder- und Jugendbeteiligung. So hatte es unter anderem bereits eine Jugendumfrage, ein Jugendforum und einen Achtklässlertag gegeben. Aktuell strebe man die Bildung einer Gruppe von Jugendlichen mit festem Ansprechpartnern an, die auch Ideen in den Gemeinderat einbringt, erklärte Witt. Zudem ist ein erneutes Jugendforum geplant. Auch eine Anfrage auf Seniorenbeteiligung liege vor, so Gedemer.

Wer sich zu verschiedenen Themen engagieren will, konnte sich auf die Listen im Foyer eintragen: Bildung, Senioren, Handel und Gewerbe und Stadtbild standen dort etwa zur Auswahl. Zudem warb Gedemer für Kandidaturen bei der Kommunalwahl. Auch der angekündigte Ideenwettbewerb startete an diesem Abend.

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