Herbolzheim Perukreis muss sich neu finden

Kleines Dankeschön: Nach 25 Jahren hatte der Perukreis im Dezember 2018 seinen Stand auf dem Herbolzheimer Wochenmarkt aufgegeben (wir berichteten). Der Vorstand bedankte sich bei den langjährigen Verkäufern mit kleinen Präsenten. Viele der Verkäufer arbeiten jetzt im Eine-Welt-Laden im Bücherwurm. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Um zukunftsfähig zu bleiben, muss sich der Perukreis umorientieren. Nicht nur der Name, die gesamte Struktur sollte geändert werden und der Kreis auch für andere Aktionen und Vereine offen sein, so der Vorschlag, den das Steuerungsteam erarbeitet hat.

Herbolzheim. 102 Mitglieder hat der Perukreis aktuell, doch keiner will den aktuellen Vorsitzenden Andreas Marx in seinem Amt beerben. Er und seine Stellvertreterin und Schriftführerin, Doris Daute, haben sich auf der Hauptversammlung bereit erklärt, ihre Posten noch einmal übergangsweise für ein Jahr zu übernehmen (und hatten dafür auch die Mehrheit der Mitgliederstimmen gewonnen), doch dann soll wirklich Schluss sein.

Eine Steuerungsgruppe innerhalb des Perukreises hat deshalb zwei Möglichkeiten erarbeitet, um die Hürden sich in den Vorstand einzubringen, zu reduzieren. Zum einen eine Entlastung: Statt von oben her, soll der Perukreis von unten her koordiniert werden. Die Koordinatoren der aktuellen Projekte ("St. Lucia", "Gesichtermacher", "Pide-Café") sowie ein Koordinator für regelmäßige Veranstaltungen und ein Koordinator für bildungspolitische Arbeit und besondere Events sollen selbstständiger agieren. Sie berichten ihre Arbeiten den beratenden Beisitzern im Vorstand, die wiederum dem Vorstand berichten und zusammen mit diesem Beiträge für Amtsblatt, Homepage oder Mitgliederversammlungen erstellen. Der Vorstand selbst – weiterhin bestehend aus Vorsitzenden, Schriftführer und Kassenwart – bekommt damit eine administrative Funktion, er muss keine Projekte setzen. Seine Hauptarbeit bestünde aus drei Vorstands- und einer Hauptversammlung im Jahr.

Als zweite Möglichkeit sollten sich die Mitglieder mit der Frage auseinandersetzen, ob sie sich für andere Organisationen öffnen wollen. So könnte eine große Gemeinschaft entstehen, die verschiedene Herbolzheimer Hilfsorganisationen, wie etwa noch das DRK, Stadtrat oder Kirche unter einem Dach vereint und auch kurzfristige Projekte (auch von Nicht-Mitgliedern) durch diese Infrastruktur unterstützt.

Einstellung zum Ehrenamt hat sich verändert

Mit diesem Vorschlag soll der Tatsache Rechnung getragen werden, dass die Mitglieder des Perukreises inzwischen älter geworden sind und die gesellschaftliche Einstellung zum Ehrenamt sich geändert hat. Statt dauerhaftes Engagement wird inzwischen projektbezogener gedacht. Für eine solche Öffnung bedarf es aber auch eines anderen Namens, erklärte Pfarrer Oliver Wehrstein. Damit hatten die Mitglieder kaum ein Problem, sie gaben zu, dass nur wenige , die den Namen Perukreis zum ersten Mal hörten, ihn spontan mit einer Hilfsorganisation assozierten. Auch der Idee, sich mit anderen Organisationen gemeinsam zu organisieren, stand man größtenteils aufgeschlossen gegenüber, solange man innerhalb dieser Form mit den Projekten und als Perukreis weiter existieren könne.

Nötig für so einen Zusammenschluss wäre es, auf andere Organisationen zuzugehen, dann einen Infoabend für die Bürger zu machen und für ihr Engagement in der neuen Gruppe zu werben.

Bürgermeister Thomas Gedemer lobte die Idee und ermutigte die Mitglieder zu diesem kreativen Weg. "Das Thema, das hinter so einer breiten Herbolzheimer Hilfsorganisation stünde, ist globale Verantwortung, aktueller kann man nicht sein."

In den 29 Jahren seines Bestehens als Aktionskreises und elf Jahren als Verein hat der Perukreis 138 642,41 Euro in Projekte investiert, die Menschen in Peru und andernorts das Leben erheblich erleichtert haben, berichtete Rechnerin Annette Gäßler.

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