Herbolzheim Neue Anlaufstelle für Obdachlose

Rund 75 000 Euro hat die Sanierung des Gebäudes in der Stockfeldstraße 4 in Herbolzheim gekostet. Jetzt gibt es dort eine Wärmestube für Obdachlose geben. Foto: Sadowski Foto: Lahrer Zeitung

Nach nicht einmal einem Jahr ist sie fertig saniert: die Wärmestube für Obdachlose in Herbolzheim. Sie wurde am Freitag offiziell eröffnet. Ab dem 7. Dezember können Bedürftige sich samstags dort treffen und eine warme Mahlzeit zu sich nehmen.

Herbolzheim. Ursprünglich sollte das zweistöckige Gebäude in der Stockfeldstraße 4 eine Drei-Zimmerwohnung werden, erklärte Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer. In der Unterkunft sollten Bedürftige begleitet und langsam wieder ins "normale" Leben geführt werden. Jetzt ist dort im Obergeschoss innerhalb eines Jahres aber die Wärmestube "Anker" entstanden, in der Obdachlose sich begegnen und dabei eine warme Mahlzeit zu sich nehmen können.

Die Kapazitäten sind begrenzt

Mitinitiator Matthias Leser vom Herbolzheimer Ordnungsamt war bei der Eröffnung eine Sache besonders wichtig: "Uns geht es wirklich um den Bedarf der Obdachlosen in Herbolzheim." Zwar könnten auch Bedürftige aus den umliegenden Orten in den "Anker" kommen, doch vordergründig gelte das Angebot nur für die dortige Bevölkerung. Ansonsten sei der Bedarf einfach nicht zu bewältigen, mahnt er.

Prozentual gesehen habe Herbolzheim nämlich die höchste Anzahl an Obdachlosen im Landkreis, so Leser. In seiner Recherche habe er vor einem halben Jahr das Einzugsgebiet von Offenburg bis Waldkirch untersucht und analysiert. Das Ergebnis: Aktuell leben 47 Personen in fünf bis sieben Obdachlosenunterkünften in Herbolzheim und Ortsteilen.

Das Gebäude in der Stockfeldstraße ist in ein Erd- und ein Obergeschoss aufgeteilt. Im Erdgeschoss ist ein Büro für regelmäßige Obdachlosensprechstunden der Arbeitsgemeinschaft für Kinder- und Jugendhilfe (AGJ) neu eingerichtet worden. Dort finden immer mittwochs von 13.30 bis 15.30 Uhr Sprechstunden für Obdachlose statt. In diesen werden die Bedürftigen dann von der Beantragung unterschiedlicher Anträge bis hin zur Unterstützung bei der Wohnungssuche begleitet. Im Obergeschoss befindet sich die eigentliche Wärmestube.

Zunächst soll die Wärmestube an vier Samstagen im Dezember (7., 14., 21. und 28.) jeweils von 11 bis 16 Uhr geöffnet sein. Längerfristig denken die Verantwortlichen darüber nach, den "Anker" freitags und samstags zu öffnen sowie einen kleinen Unkostenbeitrag zu erheben. Mit diesem Obolus sollen die Betroffenen Schritt für Schritt wieder ins normale Leben geführt werden. Denn im Alltag muss man für eine Mahlzeit eben auch etwas bezahlen.

Die Leitung und Organisation der Wärmestube obliegt Peter Mielich und Claudia Toni von der Immanuel-Gemeinde Herbolzheim. "Ich habe viele schlimme Geschichte gehört", sagt Mielich. Er spricht dabei etwa von Schicksalschlägen, die die Betroffenen in zahlreichen Fällen aus der Bahn geworfen haben und Auslöser für die Obdachlosigkeit waren. Es sei also "viel Geduld" mit den Obdachlosen von Nöten.

Wie schnell der betroffene Personenkreis auch in harmlosen Situationen die Fassung verlieren kann, zeigen Ereignisse aus anderen Herbolzheimer Unterkünften.

Es gab schon einige unschöne Erfahrungen

So sei es vorgekommen, dass Obdachlose aus Wut Türen von Unterkünften demolierten, nur weil sie, unter Alkohol stehend, den Schlüssel nicht fanden. Vor solchen Szenarien sind auch die Verantwortlichen im "Anker" nicht gefeit. Man wolle "die paar Wenigen" aber nicht überbewerten, so Gedemer. Für ihn sei das Projekt eine Art "Fügung" gewesen. Viele Akteure hätten mitgeholfen, die Wärmestube möglich zu machen. Gedemer freute sich vor allem darüber, dass nicht immer die Stadt die Initiative ergreifen müsse, um Projekte auf die Beine zu stellen.

Wie groß die Wertschätzung auch in der Herbolzheimer Bevölkerung ist, zeigen zwei weitere positive Neuigkeiten: Der Kindergarten "Fliegenpilz" und sein Elternbeirat unterstützen die Wärmestube mit einer Spende. Zudem steuert auch die Theater-AG der Emil-Dörle-Schule mit den Eintrittsgeldern aus dem selbst geschriebenen Stück "Men in Red" eine finanzielle Unterstützung zu.

Innerhalb eines Jahres wurde die Wärmestube in der Stockfeldstraße 4 in Herbolzheim saniert. Neue elektrische Leitungen wurden verlegt, Treppenaufgänge geschaffen und Wände hochgezogen. Rund 75 000 Euro hat alles gekostet, so Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer. In Zusammenarbeit mit der Immanuelgemeinde Herbolzheim wurde der Aufbau geplant. Wenn Personen Interesse haben und ihre Hilfe anbieten möchten, können sie sich bei Matthias Leser unter Telefon 07643/91 77 29 oder bei Peter Mielich unter 0179/9 37 81 09 bei der Immanuel-Gemeinde melden.

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