Herbolzheim Mit guten und bösen Geistern unterwegs

Zum Jahresabschluss haben mehr als 110 Teilnehmer in Bleichheim eine Reise in die Gefahr unternommen: Sie begaben sich innerhalb der Rauhnächte auf dem Weg zur Kirnburg. Das sei ein nicht zu unterschätzendes Wagnis, seien in der Zeit vom 21. Dezember bis 6. Januar die Geister doch besonders aktiv und stark, warnte sie Tourenführer Thomas Reitzel. Als Vorsichtsmaßnahme gab es für die Erwachsenen (Kinder waren wohl weniger gefährdet) ein so genanntes "Breitband-Dämonikum" – einen nach einem Geheimrezept angesetzten Knoblauchschnaps. "Der hält alles fern – sogar die Frauen", meinte ein Teilnehmer, nachdem er das Wundermittel gekostet hatte.

Doch es war besser, vorbereitet zu sein – tönte aus einer Höhle doch beispielsweise Hundegebell, allerdings ohne dass selbiger zu sehen war. Dies sei das Tor zur Unterwelt, das der Höllenhund bewachte, doch gerade in den Raunächten entwischten ihm manche der Geister, gab Reitzel Auskunft. Elementare, Alpe, Perchten oder andere mit Pelz behangene überirdische Wesen – sie alle seien unterwegs und warteten auf ihre Opfer. Mit einigen Vorsichtsmaßnahmen könne man aber einige von ihnen beschwichtigen oder abwehren.

Doch nicht nur böse Geister seien aktiv, sondern auch gute wie Wichtel. So hatten Letztere etwa für die Kinder kleine Geschenke im Wald versteckt. Und auch oben auf der Kirnburg – die alle Teilnehmer geschützt durch duftendes Räucherwerk wohlbehalten erreichten – waren gute Geister am Werk gewesen und hatten Glühwein, Kinderpunsch und Kuchen vorbereitet.

Wofür die Rauhnächte übrigens bestens geeignet sind, ist wahrsagen – nicht nur mithilfe von Zinn- oder Wachsgießen. So steht jeder Tag in dieser Zeit für einen bestimmten Aspekt des Jahres – der 30. Dezember etwa für die Apfelernte. Scheint die Sonne wie im vergangenen Jahr, sei mit einer guten Ernte zu rechnen, sei es nebelig wie im Jahr davor mit einer schlechten. Gemäß des Wetters müsste es 2019 in Bleichheim also wieder eine gute Apfelernte geben, wenn auch keine überdurchschnittliche wie 2018. Bleibt nun nur noch abzuwarten, ob dies so in Erfüllung gehen wird. ­ Julia Göpfert

Weitere Bilder: www.lahrer-zeitung.de

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