Herbolzheim Kirnburg als Zeichen der Macht

Betram Jenisch sprach unter anderem über die Rolle der Kirnburg um 1219. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Herbolzheim (red/jg). Weit mehr als hundert Gäste wollten im Torhaus Betram Jenoischs Vortrag über "Der Neubau der Burg Kürnberg – Architektur und Geschichte im nördlichen Breisgau um 1200" hören. Unterstützung erhielt Jenisch bei seinem Vortrag von dem als Ritter gewandeten Hans-Jürgen van Akkeren und von Steffen Abd El Ghani und seinem Sohn, die mittelalterlichen Schwert- und Dolchkampf zeigten

Auf den ersten Blick erscheine die Urkunde von 1219, in der die Kirnburg erstmals erwähnt werde relativ langweilig, erklärt Jenisch seinem Publikum. In ihr reflektierte Rudolf I. von Üsenberg über Besitzrechte ­– und zwar "auf seiner Burg Kirnburg im Torhaus", wie es in der Urkunde heißt. Man müsse jedoch den Kontext berücksichtigen, denn: "1219 war im Breisgau der Teufel los!", erklärte Jenisch. Der Grund: Einer der mächtigsten Männer seiner Zeit, Herzog Berthold V. von Zähringen, war gestorben und hatte ein Machtvakuum hinterlassen. Die Herrscher steckten deshalb ihre Gebiete gegeneinander ab. Friedrich II. von Staufen hatte dies etwa im Vorjahr im März mit einer Urkunde getan, die er auf seiner Burg Mahlberg beurkundet hatte. Die Urkunde der Kirnburg könne somit als Abgrenzung gegen den Nachbarn betrachtet werden, mit Berufung auf das eigene Zeichen der Herrschaft: die Kirnburg. "Die Urkunde ist ein Reflex auf die bestehenden Herrschaftsverhältnisse. In einer hoch labilien Phase wird ein Herrschaftsgebiet abgesteckt und begründet", so Jenisch.

Klar sei, dass die Mauern der Kirnburg, deren Bau um 1200 begann, nicht aus einem Guss sind, erklärte Jenisch. Zudem seien die einzelnen Elemente nacheinander entstanden. Ältestes Element sei der Turm, der zur Entstehungszeit innovativ war. Jetzt ist von ihm nur noch der Sockel vorhanden ist, wie ein Vergleich zur 30 Jahre später erbauten Kastelburg in Waldkirch zeige. Auf dem Turm folgte die Schildmauer, die die eigentliche Burganlage vor Geschossen schützen sollte. Die Mauern der Kirnburg im Sockelgeschoss sind unterschiedlich stark. So sind auf der dem Feind zugewandte Seite wehrhafte Buckelquader zu sehen, während die anderen Seiten geglätteter sind.

Der Palas, der repräsentative Saalbau, in dem die Burgherren lebten, entstand etwa zur selben Zeit wie die Mauern. Wolf von Hürnheim, in dessen Besitz die Burg ab 1515 war baute diesen zeitgemäß um. Er verließ die Burg aber später wegen ihrer Renovierungsbedürftigkeit, bevor sie im 30-jährigen Krieg von Bernhard von Weimar zerstört wurde.

  • Bewertung
    0