Herbolzheim Kirchenburg im späten Mittelalter

Von Marcus Ande

 

Die Ausgrabungen bei der Kirche St. Alexius im Sommer ermöglichen einen Blick in die Vergangenheit der Stadt: Auf Grundlage der Grabungsergebnisse hat Hans-Jürgen van Akkeren eine dreidimensionale Rekon­­s­truktion des Kirchbergs im späten Mittelalter erstellt.

Herbolzheim. Da staunten die Besucher am vergangenen Donnerstagabend im Torhaus nicht schlecht: Am Ende eines gleichsam informativen wie unterhaltsamen Vortrags, der die Ergebnisse der archäologischen Ausgrabungen zum Inhalt hatte, bekamen sie eine dreidimensionale Rekonstruktion zu sehen, die zeigt, wie der Kirchberg vor 800 Jahren ausgesehen haben dürfte: die Kirche, in ähnlicher Ausrichtung wie die ab 1752 an selber Stelle gebaute größere Alexiuskirche, umgeben von Gebäuden wie Vogtssitz und Speichern, dies alles innerhalb einer rechteckigen Ummauerung, die von einem vier Meter tiefen Graben umschlossen war: eine Befestigungsanlage, eine Kirchenburg.

Der Archäologe Bertram Jenisch, beim Landesamt für Denkmalpflege für das Mittelalter und die Neuzeit zuständig, leitete im Sommer die Ausgrabungen und stellte auf Einladung des katholischen Bildungswerks nun die Ergebnisse vor – stilecht im mittelalterlichen Gewand. Herbolzheim, so seine historische Einordnung, liege heute im Breisgau, wurzele jedoch in der Ortenau. Deren Grenze sei im Mittelalter der Bleichbach gewesen, weshalb Herbolzheim nicht nur den südlichsten Zipfel der Ortenau gebildet habe, sondern auch des Herrschaftsbereichs des Straßburger Bischofs . Dort, an der Grenze zum Bistum Basel, ließ der Straßburger im 13. Jahrhundert eine Wehranlage errichten, hinter deren Mauern die Zehntabgaben und andere Kostbarkeiten sicher verwahrt werden konnten. Eine aufgefundene Münze aus massivem Gold, von Jenisch in die Zeit 1420 bis 1440 datiert, dürfte heute einem Wert von 20 000 Euro entsprechen.

Die Ausgrabungen im August waren nicht nur angesichts der Hitze eine Knochenarbeit, sondern auch sprichwörtlich, weil in den oberen Erdschichten die sterblichen Überreste von Bestatteten ans Tageslicht kamen – nach dem Neubau der Alexiuskirche war in deren Schatten ein Friedhof angelegt worden.

Die Fundstücke, von kleinen Keramikscherben bis zu einem 15 Meter langen Teilstück des Fundaments der Wehrmauer, haben dazu geführt, dass sich die Archäologen ein genaues Bild vom Kirchberg im späten Mittelalter machen können. "Neu ist, dass wir Dinge, die wir vorher wussten, jetzt erst richtig verstehen", sagte Jenisch. Etwa die Rückseite einer Gebäudereihe am Kirchberg, die nur von einem privaten Grundstück aus zu sehen ist: Dabei handelt es sich um ein 40 bis 50 Meter langes und zehn Meter hohes südliches Teilstück der Wehrmauer. Da die Häuser mit der Rückseite an die Mauer angebaut wurden, ist diese erhalten worden. Auch das älteste Gebäude in Herbolzheim (Hauptstraße 105) lehnt dort an der Mauer – und dies seit 1463 schon.

Dass nicht nur die Fachleute sich ein Bild vom Kirchberg im späten Mittelalter machen können, sondern jedermann, ist Hans-Jürgen van Akkeren zu verdanken. Der Mittelalter-Fan mit großer zeichnerischer und technischer Begabung, der unter anderem als Burgführer regelmäßig Besuchergruppen durch die Ruine Lich­ten­eck führt, hat in Zusammenarbeit mit Bertram Jenisch eine Rekonstruktion des Kirchbergs erstellt.

Der kurze Film, der auch einige Bilder der Ausgrabungen zeigt, hat den Vortragsabend am vergangenen Donnerstag gekrönt – und wird nach einer Überarbeitung und mit Ergänzungen ab März auf der Internetseite von Hans-Jürgen van Akkeren zu sehen sein: www.breisgau-burgen.de

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