Herbolzheim Katzen-Mama sucht neues Zuhause

Hannelore Eckmann hat in den vergangenen sieben Jahren von Lahr über Ettenheim bis Lörrach vielen Katzen zu einem neuen Zuhause verholfen. Nun sucht die 70-Jährige mit ihren 28 Katzen selbst ein neues Heim, denn ihr wurde gekündigt.

Herbolzheim-Broggingen. Ein Haus für sich und ihre Katzen zu finden, das sei bereits vor sechs Jahren keine leichte Aufgabe gewesen, berichtet Eckmann der Lahrer Zeitung. Um ein gemütliches Zuhause zu schaffen, habe sie damals ein Haus in Broggingen renoviert und katzengerecht eingerichtet. Bald müssen sie und ihre Samtpfoten raus.

"Manchmal wünschte ich, ich hätte diese Sache nie angefangen", erklärt Eckmann im Gespräch mit unserer Zeitung. Mit "dieser Sache" meint sie die Aufnahme und Vermittlung vieler Dutzend Katzen. Aktuell leben 28 Katzen und 30 Hühner bei ihr – geplant sei das so nicht gewesen, erklärt die gebürtige Freiburgerin.

Angefangen hat alles vor sieben Jahren, als sie schon in Broggingen wohnte, allerdings noch in einem anderen Haus. Ein Freiburger Tierschutzverein, bei dem sie Mitglied gewesen war, hatte ihr damals immer wieder Katzen vorbeigebracht – zur vorübergehenden Pflege, wie es hieß. Als die Zahl um die 60 angewachsen war, protestierte Eckmann und der Verein bot ihr an, die Katzen abzuholen und einschläfern zu lassen. Das wollte sie aber wiederum auch nicht.

Putzen gegangen, um Katzen durchzubringen

Also machte die ehemalige Köchin sich selbst an die Vermittlung, warb um Spenden, ging putzen, um die Katzen zu ernähren, und suchte nach einem großen Haus. Doch trotz ihrer viele Vermittlungen über all die Jahre, die ganze Ordner füllen, Katzen kamen immer nach: Da war die Auflösung einer Hortung von 24 Katzen in Altdorf, bei der sie um Hilfe gebeten wurde. Oder die kleinen Babykatzen in Reichenbach, die so verwahrlost waren, dass Würmer sie innerlich fast zerfressen hatten. In Erinnerung ist Eckmann auch die schöne Siamkatze, die nur zu Zuchtzwecken einsam in einem Raum gehalten und nach Erledigung ihrer Dienste ausgesetzt wurde. Genauso wie der Kater, der einst so schlimm verprügelt wurde, dass er auch nach drei Jahren keine Menschen an sich heranlässt.

Trotzdem, die Zeiten, in denen Eckmann Katzen aufgenommen hat, sind vorbei, wie sie sagt. Was ihr aktuell geblieben ist, sind vor allem die Senioren von zwölf bis 15 Jahren, die inzwischen zu alt für eine Vermittlung sind. Die mittlere Lebenserwartung einer Katze liegt bei 16 Jahren. Die Verbliebenen waren entweder zu traumatisiert oder wurden Eckmann wieder zurückgebracht, etwa weil die Person, der sie damals vermittelt wurden, gestorben war. "Mein Haus ist mittlerweile eine Art Gnadenhof für Katzen geworden", erklärt sie. Ein Gnadenhof, für den ihre gesamte Rente draufgeht. Denn gerade im Seniorenalter brauchen die Tiere oft teure Tierarztbesuche und die Spenden, die Eckmann früher bekommen hat, haben sich seit dem Ausbruch von Corona halbiert, sagt sie.

28 Katzen in einem Haus – da haben viele Vorurteile. Sie reichen von nicht artgerechter Haltung bis zu einer verdreckten Wohnung. Nichts davon sollte sich beim Besuch der LZ in Eckmanns Haus jedoch bestätigen – im Gegenteil. Jedes einzelne Zimmer des Hauses war blitzblank und tipp-topp aufgeräumt, von einigen Katzenhaaren einmal abgesehen. Jede der dort lebenden Katzen kann problemlos einen schönen Platz finden, hat Wasser und einen Kratzbaum zur Verfügung. Auch die Tiere selbst sind gepflegt, besitzen ein glänzendes Fell und befinden sich in gutem Zustand. Für kranke Tiere gibt es sogar einen Quarantäne-Raum. Kurzum: Das Haus ist ein Paradies für Katzen. Das belegen auch Überraschungsbesuche des Veterinäramts; die Behörden haben Eckmann durch die Bank gute Zeugnisse für ihre Haltung ausgestellt.

Seit sie dort eingezogen ist, habe sich das Haus gewandelt: Vorher sei es in keinem guten Zustand gewesen, berichtet Eckmann. Selbst ein Bad habe sie sich erst selbst eingerichtet. Eingezogen sei sie damals nur, weil die Vermieter ihr versichert hätten, dass sie bis an ihr Lebensende dort wohnen könnte. So stehe es auch in einer Eidesstattlichen Versicherung eines Dritten über die Vorkommnisse vor sechs Jahren, die nun bei Eckmanns Anwalt liegt.

Umzug im Umkreis von 100 Kilometern

Die Vermieter bestreiten gegenüber der LZ Eckmanns Darstellung. Ihr Einzug sei von Anfang an nur als Übergangslösung gedacht, die Räume durchaus bewohnbar gewesen. Zudem hätten sie selbst "einiges in das Haus investiert" und auch bei den Umbauarbeiten geholfen. Der Grund für die Kündigung seien andauernde Streitigkeiten rund um das Haus gewesen, erklären die Vermieter im Gespräch.

Eckmann hat einen Anwalt eingeschaltet und ist bereit, für sich und ihre Katzen zu kämpfen. Doch lieber wäre es ihr umzuziehen, denn: "Ich bin nun 70 Jahre alt, ich will einfach nur mit meinen Katzen in Frieden leben können." Deshalb sucht sie nun in einem Umkreis von bis zu 100 Kilometern ein anderes Haus zu einer bezahlbaren Miete.

Wer sich vorstellen kann, Hannelore Eckmann ein Haus zu vermieten, kann sich bei ihr unter Telefon 07643/­9 33 24 46 oder per E-Mail an katzenherberge@­gmx.net melden. Eindrücke von Eckmanns Katzenhof und seinen Bewohnern gibt es im Internet unter katzenhof.jimdofree.com. Spenden für die Katzen sind unter der IBAN DE 35 1001 0010 065 7 0591 04 möglich.

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