Herbolzheim Er zeichnet gegen die dunkle Zeit an

Seweryn Sadowski

Humor: Herbolzheimer Künstler Thorsten Trantow schafft witzige Karikaturen / Zielgruppe sind vor allem Kinder

Herbolzheim - Bunt, witzig und unterhaltsam kommen sie daher: die Zeichnungen vom Herbolzheimer Künstler Thorsten Trantow. Der Illustrator möchte gerade in Corona-Zeiten Menschen vom lästigen Alltag ablenken und Freude schenken.

Humor und Optmimismus mit Zeichnungen 

Thorsten Trantow ist Zeichner. Er ist einer, der mit seinen Illustrationen Menschen Optimismus und Humor schenken möchte. Seine Arbeit sei gerade in der aktuellen Zeit ein "Trostpflaster" für die Gesellschaft, erklärt der 45-Jährige im Gespräch mit der LZ. Seine Zeichnungen sind bunt, springen einem sofort ins Auge. Positive Stimmung ist da schon fast garantiert. Zu seiner Zielgruppe gehören vordergründig Kinder. Im Repertoire hat der Künstler ein Potpourri an Charakteren.

Da gibt es etwa "Kruschel". Das grüne Zeitungsmonster mit Schwanz, rosa Punkten und Basecap hilft im Alltag bei ganz gewöhnlichen Pro­blemen. Sei es etwa einem Schüler, der den Überblick über sein Ferienprogramm zu verlieren droht. Oder "Popel": Die laut Trantow erfolgreichste Serie der vergangenen 15 Jahre komme im Gegensatz zu Kruschel "frecher und erwachsener" daher. Da kann es dann auch schon mal passieren, dass Popels weggeworfenes Stöckchen versehentlich statt im Maul seines Hundes als Nase in einem Schneemann landet.

Derzeit mache Trantow seine kreative Arbeit sogar noch mehr Spaß als sonst. Denn: In Zeiten von Corona möchte er Menschen ablenken, ihnen einen anderen Alltag geben. Diese lechzen geradewegs nach einem Tapetenwechsel, bemerkt Trantow.

Als Freiberufler bereits Erfahrungen gesammelt

Der 45-Jährige kommt aus Herbolzheim. Seit er denken kann, zeichnet er gerne. Als Kind malt er. Später beschäftigt er sich mit Zeichnen. Dann spezialisiert er sich auf Illustrationen. "Das war immer schon eine Leidenschaft von mir", sagt Trantow. Er schlägt nach seiner Schulzeit zunächst aber einen etwas anderen Weg ein. Er lernt ein Handwerk, nur um wenig später an die Grafikdesignschule nach Lahr zu wechseln. Dort absolviert er die Ausbildung zum Grafikdesigner mit Schwerpunkt Illustration. Zu dem Zeitpunkt hat Trantow aber bereits viele praktische Erfahrungen im Kunstbereich gesammelt. In Verlagen und Zeitungen konnte er früh reinschnuppern. "Direkt nach der Schule bin ich dann mit Aufträgen durchgestartet", erklärt der 45-Jährige, der inzwischen als Freiberufler tätig ist. 2004 hat er sich selbstständig gemacht.

In seinem Atelier in Herbolzheim produziert er mittlerweile für verschiedene Kunden. Trantow, der sein Hobby zum Beruf machen konnte, liebt seine Freiheiten: "Ich erfinde Geschichten und schaffe kleine Welten." Politische Themen greife er zwar auf, möchte aber nicht damit unbedingt in Verbindung gebracht werden. Dem Herbolzheimer gehe es viel mehr um den Humor selbst. Gerade aktuell trage Humor einen "durch die dunkle Zeit", gibt Mut, beobachtet der 45-Jährige. Auch deshalb stellt er einen Teil seiner Werke kostenlos ins Netz, etwa auf seiner Homepage (www.trantow-atelier.de) oder seinem Instagram-Kanal (Name: trantowatelier). Damit schafft er auch interaktive Räume, wo er mit seinen Anhängern gerade während Corona in Kontakt treten kann. "Man will ja Feedback haben."

Beim Zeichnen selbst muss er auf einige Dinge aufpassen. Beispielsweise vor allem darauf, dass die Karikatur auch als solche erkennbar ist. "Wenn man zu lange nachdenken muss, ist der Witz vorbei", erklärt Trantow. Der Witz müsse gleich funktionieren. Und genau hier liege die Krux: Das Thema und die Pointe auf den Punkt bringen.

Humor sollte im Vordergrund stehen

"Man muss einen Mittelweg suchen", beschreibt der Künstler die Herausforderung. Sein Ziel sei nämlich, nicht nur eine Zielgruppe anzusprechen, sondern möglichst viele. Das bedeutet, das Thema sollte nicht zu kompliziert verpackt sein, auf der anderen Seite aber auch nicht zu plump. Zudem müsse der 45-Jährige noch auf eine ganz andere "heikle Kiste" aufpassen: Lehne er sich bei einem Thema zu sehr aus dem Fenster, biete er Kritikern sofort Angriffsfläche und werde in eine bestimmte Ecke gestellt. Bei Zeichnungen zur Corona-Pandemie sei ihm das bereits aufgefallen. "Nicht jeder hat den gleichen Geschmack", erklärt Trantow. Zudem nehmen die Leute die Karikatur gerne mal zu ernst, fassen sie falsch auf und fertig ist die negative Haltung. Trantow fordert daher: Leser sollen seine Werke humoristisch und mit Distanz sehen.

Wie lange er für seine Zeichnungen braucht, sei unterschiedlich. "Jede Karikatur ist anders", erklärt der Illustrator. Mal könne es ganz schnell gehen und "etwas Tolles ist gezeichnet". Ein anderes Mal verbringe er Stunden mit einer einzigen Zeichnung. Die Tagesform habe einen entscheidenden Einfluss auf seine Produktivität. So könne er beispielsweise nicht jeden Tag, ein schweres Thema behandeln. Sondern nach Lust und Laune und Aufträgen.

Letzterer Punkt könne ihn auch schon mal etwas skurrile Fantasiewelten schaffen. Wie etwa im Schulbuchbereich, wo Trantow in der Vergangenheit schon Schweinchen zeichnen musste, die sich als Zebra verkleidet haben. Eine schwierige Angelegenheit, wie der Künstler mit einem Schmunzeln verrät. Doch genau darin liegt der Reiz seiner täglichen Arbeit: Kleine Welten zu erschaffen und Menschen von ihren Alltagsproblemen abzulenken. Wenn er Fabelwesen aus Buchstaben und Zahlen erstellt, Schüler aber selbst darin noch Tiere erkennen, dann "ist das richtig spannend", erklärt der Herbolzheimer fasziniert.

Die Werkzeuge des Künstlers 

Der Herbolzheimer Illustrator Thorsten Trantow benutzt für seine Zeichnungen häufig noch ganz traditionell Tusche, Feder und Buntstifte. Pro Monat verbraucht er etwa zwei bis drei Bleistifte. Bei Papier sei der Bedarf größer, sagt er. In einem Monat könne da schon ein ganzer Bogen weg sein. Zudem arbeitet er je nach Bedarf mit einem Computer, wo er seine vorab händischen Zeichnungen einscannt und digital bearbeitet.