Herbolzheim "Die Krise wirkt wie ein Brennglas"

Schwieriges Jahr, aber mit positiven Seiten. Bei Isabella Vetter, Geschäftsführerin der Breisgauer Wein GmbH, war 2020 ein großes Durchhaltevermögen gefragt. Foto: Archivfoto: Bernhard Thürling

Emmendingen - Die Region Breisgau und deren Weine unter der Marke "Weinland Breisgau" bekannter zu machen, den Tourismus und den Weinabsatz zu stärken, hat sich die Breisgauer Wein GmbH auf die Fahnen geschrieben.

2016 als Zusammenschluss von 14 Kommunen und mehr als 30 Winzern, Weingüter und Winzergenossenschaften gegründet, geht die Arbeit weit über das bekannteste Projekt, das Breisgauer Weinfest in Emmendingen, hinaus. Isabella Vetter, seit 2019 Geschäftsführerin der Breisgauer Wein, blickt trotz der Pandemie auf ein gutes Jahr zurück.

Frau Vetter, was macht den Breisgauer Wein aus?

Für den Breisgau gibt es nicht die eine typische Sorte wie den Spätburgunder für den Kaiserstuhl oder den Gutedel für das Markgräflerland. Für den Breisgau ist die Vielfalt typisch, die des Terroirs, der Böden aus Muschelkalk, Granitverwitterungsgestein, Löß oder Buntsandstein und das Kleinklima der Täler. Die kühlen Winde in der Vorbergzone kommen der Aromatik der Breisgauer Weine zugute.

Ein Grauburgunder aus dem Breisgau ist leicht mineralisch, aber auch fruchtig, schmeckt ganz anders als einer vom Kaiserstuhl oder aus der Ortenau. Für jedes Rebstück gibt es die passende Sorte oder umgekehrt, die besten Wachstumsbedingungen für jede Rebe.

Für den Riesling ist es vielfach in Südbaden zu warm, an den Steilhängen in Buchholz mit der Nähe zum Schwarzwald aber entstehen auf Gneisverwitterungsböden wunderbare Weine.

Wofür steht eigentlich die Breisgauer Wein GmbH?

Die GmbH Wein wird nicht nur einmal im Jahr für das Weinfest der Breisgauer in Emmendingen tätig, sondern sieht die Werbung für den Breisgauer Wein mit einem gemeinsamen Logo als ihre Aufgabe, steht als Ansprechpartner für alle Fragen um den Breisgauer Wein zur Verfügung und ist Sprachrohr der Winzer.

Eine Studie zeigte 2012 dann doch überraschend, dass der Begriff "Breisgau", durch den SC Freiburg und den Wetterbericht deutschlandweit bekannter ist als etwa der Kaiserstuhl. Das können und wollen wir nutzen mit der Dachmarke Weinland Breisgau.

Wir sind immer noch eine sehr kleine Organisation mit vier Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, die alle nebenberuflich tätig sind. Auf unserer Website und mit unserer Werbung setzen wir auf Weintourismus, werden gern auch zum Ansprechpartner für Touristen.

Die in den vergangenen Jahren verstärkte Zusammenarbeit mit Hotels und Gaststätten wollen wir gemeinsam für die Region, die Winzer und anderen Einheimischen nutzen. Dort, wo Touristen die Busse und Bahnen sowie die Gaststätten nutzen, in den Geschäften einkaufen, bleiben diese dann auch für die Einheimischen erhalten.

Wie war das Weinjahr 2020 aus Ihrer Sicht?

Hinsichtlich der Vermarktung war es ein schwieriges Jahr, aber mit durchaus positiven Seiten. Die bisherigen Wege haben nicht funktioniert, der Verkauf musste über lange Zeit geschlossen bleiben, Weinproben beim Winzer waren nicht möglich.

Die Betriebe, die bereits online unterwegs waren, einen Weinshop hatten, haben damit ihren Absatz organisieren können. Ein verstärkter Absatz über den Lebensmitteleinzelhandel hat manchen Rückgang im Direktverkauf ausgeglichen, aber die Margen sind dabei geringer.

Der Wegfall von Veranstaltungen, auch der der Vereine, traf auch die Winzer. Aber es gab viele neuen Ideen, neue Wege. Dazu gehörten die Online-Weinproben, die sehr gut angenommen wurden. Die Kooperation mit der Gastronomie wurde verstärkt, etwa mit Essen und Wein zum Abholen oder sogar im Versand.

Zum Glück für die Winzer war das Jahr hinsichtlich der natürlichen Bedingungen für die Entwicklung der Reben einfach ideal. Es gab kerngesundes Lesegut und eine durchgängig hohe Qualität der gelesenen Trauben.

Dafür wirkte die Corona-Krise wie ein Brennglas, ließ die vorhandenen Probleme der Weinwirtschaft deutlich hervortreten. Manch kleiner Winzer wird, vor allem wenn es keinen Nachfolger gibt, aufgeben nach diesem Jahr.

Wo lagen in 2020 die Schwerpunkte der Arbeit der Breisgauer Wein?

Es war relativ schnell klar, dass das Weinfest 2020 ausfallen muss. Unser Ziel war es, dass den Menschen das Weinfest in Emmendingen in Erinnerung bleibt. Daraus wurde die Idee des Weinfests im Lokal entwickelt.

So gab es im August in verschiedenen Gaststätten in Emmendingen Proben mehrerer Breisgauer Winzer wie beim Weinfest. Vor allem die geführten Weinproben, bei denen die Weine kompetent erklärt wurden, kamen gut an.

Ein Schwerpunkt unserer Veranstaltungsplanung war zudem eine Weinpräsentation im Palais Wunderlich in Lahr. Der Ort spielt für den Breisgauer Wein eine besondere Rolle als Brückenschlag zwischen dem Norden und den Süden des Breisgaus.

Auch in den Köpfen vieler Weinfreunde ist nicht immer klar, dass der Wein-Breisgau, anders als der politische Breisgau, über 60 Kilometer vom Norden der Dreisam in Freiburg bis nach Oberschopfheim reicht.

Auch wenn wir 2020 absagen mussten, so ist schon alles einmal durchgespielt und diese Veranstaltung im Palais Wunderlich wird nachgeholt werden. Obendrein konnte unser Auftritt in den sozialen Medien 2020 ganz entschieden weiterentwickelt werden.   Die Fragen stellte Jutta Thürling.

Für Entdecker

Eine Entdecker-Weinprobe wird es laut Isabella Vetter, Geschäftsführerin der Breisgauer Wein, in der Zukunft geben. Eine Karte für vier Weinproben kann bei allen Tourist-Informationen im Weinland Breisgau für zehn Euro erworben werden. Beim individuellen Besuch eines oder mehrerer Winzer kann dann nach Wahl probiert werden, ohne das Gefühl, nach dem Probieren zum Verkauf verpflichtet zu sein.

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