Herbolzheim "Auf einmal empfinden Schüler wieder Spaß am Lernen"

Wollen Schülern zeigen, dass Lernen in den Ferien Spaß macht (von links): Lehrerin Linda Vogel, Jugendbeauftragte Lisa Nold, Bürgermeister Thomas Gedemer und Rosemarie Sigler. Foto: Göpfert Foto: Lahrer Zeitung

Herbolzheim. "Lernen in den Ferien": Was Schüler anderswo normalerweise mit Schrecken erfüllt, ist in Herbolzheim ein Erfolgsrezept. "Die Kiwanis-Ferienschule hat sich in Herbolzheim inzwischen als Marke etabliert", stellt Herbolzheims Bürgermeister Thomas Gedemer fest.

72 Schüler hatten sich dieses Jahr für die erste und 48 Schüler für die zweite Woche angemeldet – etwas mehr als im Vorjahr. Ein paar wenige kamen in der ersten Woche noch zusätzlich spontan ohne Anmeldung vorbei oder hatten die erste mit der zweiten Woche verwechselt, "aber auch die haben wir untergebracht", konstatiert Herbolzheims Jugendbeauftragte Lisa Nold zufrieden. Sie hat die Ferienschule dieses Jahr das erste Mal geleitet, konnte sich dabei aber auch auf die langjährige Erfahrung ihrer Vorgängerin Rosemarie Sigler verlassen, die sie unterstützt hat. Insgesamt 13 Lernshops in der ersten und 10 Lernshops in der zweiten Woche wurden angeboten, in denen die Schüler in kleinen Gruppen verpassten Lernstoff in Deutsch, Englisch oder Mathematik nachholten.

Die Motivation war bei Lehrern und Schülern gleichermaßen hoch: "Es ist ein schöner Kontrast nach dem normalen Schuljahr. Auf einmal erlebt man, wie die Schüler wieder Enthusiasmus empfinden, wieder Spaß am Fach und am Lernen haben", erklärt Milena Harney, die an der Uni in Freiburg studiert hat und trotz ihres Referendariats die Ferienschule im Fach Deutsch weiter unterstützt.

"Durch die lockere Atmosphäre gehen die Kinder ganz anders an den Stoff heran und können alle Fragen klären. Oft hapert es nur an kleinen Stellen", bestätigt auch Linda Vogel, die dabei half, Lücken im Fach Mathe zu schließen.

Zum wiederholten Male mit dabei war auch Eva-Maria Barth, die ihr erstes Staatsexamen für Grundschul-Lehramt gerade abgeschlossen hat und in der Ferienschule Sechstklässlern in Mathe auf die Sprünge half. "Bei ihnen liegt das Problem oft darin, dass viele noch Lücken aus der Grundschule mitbringen", hat sie die Erfahrung gemacht. Die Heterogenität zwischen den Kindern in der Grundschule sei sehr groß. Oft täten sich gerade die späteren Kinder der Werkrealschule schwer, bei dem Stoff mitzukommen und schleppten diese Lücken dann mit in die weiterführende Schule, wo sie größer würden. Um dem entgegenzuwirken, sei die Ferienschule ungeheuer wichtig. "Wenn man Grundsätzliches nochmals durchnimmt, klären sich die Lücken im Sechstklass-Stoff oft ebenfalls – und plötzlich läuft es dann und man kann auch schwierige Themen angehen", weiß sie.

Das Erfolgsrezept der Ferienschule liege in den kleinen Gruppen, ist sich Shalom Daza sicher, der bereits seit vielen Jahren dort Englisch unterrichtet: "Wenn man auf die Einzelnen gezielt zugeht, öffnen sich auch die schwierigen Kinder und sind wieder beriet, mehr Lernstoff aufzunehmen. So kann man in wenigen Tagen große Erfolge verzeichnen, einfach, weil man individuell auf die Schüler eingehen kann."

Neben dem Lernen kam in der Ferienschule aber auch die Gemeinschaft nicht zu kurz: Nach dem von der Firma ebm pabst gesponserten gemeinsamen Mittagessen konnten sich die Schüler in den Workshops austoben. Besonders beliebt waren wie immer Ball-Spiele, aber auch das dieses Jahr erstmals angebotene "Rhythmus und Bodypercussion" kam gut an, berichtet Nold.

Um die Finanzierung der Kiwanis-Ferienschule hatte sich maßgeblich der verstorbene Jürgen Henninger gekümmert, indem er dafür einmal jährlich ein Golfturnier in Tutschfelden ausgerichtet hatte. Bereits im Mai hatte er angekündigt, sich davon zurückzuziehen. Die Finanzierung der Ferienschule ist aber dank der Reserven aus diesem Turnier zunächst noch gesichert, wie Rosemarie Sigler versicherte. Es gelte nun ein neues Projekt zur Finanzierung zu finden.

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