Firma lässt Triumphbogen glänzen An Pariser Kunstprojekt beteiligt

Die Herbolzheimer Firma "Rowo" hat das Material für den Triumphbogen mit einer Aluminiumbeschichtung versehen. Foto: Fotos: Siefert

Kultur: Herbolzheimer Firma beschichtet Stoff für Christos Verhüllung des Triumphbogens

Herbolzheim/Paris - Bereits im Jahr 1995 hat das Herbolzheimer Unternehmen "Rowo Coating" den international bekannten Künstler Christo und dessen Frau Jeanne-Claude bei der Verhüllung des Reichstags in Berlin unterstützt. Auch in diesem Jahr war die im Bereich der Vakuumbeschichtung spezialisierte Firma bei der Umsetzung von Christos Verhüllungsprojekt am Pariser Triumphbogen mit dabei.

Herr Siefert, wie war es für Sie und Ihr Team nach der Erfahrung 1995 erneut an einem Kunstwerk von Christo mitzuwirken?

Wir haben uns sehr gefreut, wieder dabei zu sein. Es ist natürlich ein spektakuläres Projekt, so einen Auftrag bekommt man nicht alle Tage.

Als was für eine Menschen haben Sie Christo kennengelernt?

Als einen sehr willensstarken. Er hat klare Vorstellungen gehabt, die er auch immer durchgesetzt hat. Vom Auftreten her war er eher ein bescheidener Mensch, ohne große Star-Allüren.

Worum handelt es sich bei den Beschichtungsarbeiten, die Sie an den Stoffen für den Triumphbogen vorgenommen haben?

Wir haben von der Firma Setex, das ist der Gewebehersteller, etwa 50 Stoffrollen erhalten. Diese waren 1,50 Meter breit und etwa 450 Meter lang. Diese Rollen haben wir in unserer Beschichtungsanlage auf einer Seite mit einer Aluminiumschicht versehen. In erster Linie ging es darum dem Gewebe Glanz zu verleihen. Damals bei der Verhüllung des Reichstagsgebäudes handelte es sich um graues Stoffgewebe. Beim Triumphbogen war das Gewebe blau eingefärbt. Wie der Stoff im Auge des Betrachters wirkt, ist abhängig vom Einfall der Sonnenstrahlung. Wenn die Sonne scheint, dann glänzt der Stoff auf intensive Art. Bei Bewölkung tritt dann die blaue Farbe eher hervor. Durch die Beschichtung ist die Stoffoberfläche von der Haptik her sehr glatt.

Wann haben Sie den Auftrag für das Projekt in Paris erhalten?

Das war im März 2020. Wir waren natürlich schon vorher, im Jahr 2019, in Kontakt mit Christo. Damals haben wir verschiedene Probebeschichtungen mit unterschiedlich eingefärbten Geweben angefertigt. Diese Exemplare habe ich dann auch an Christo nach New York geschickt. Er hat dann das Muster, das ihm am besten gefallen hat, ausgewählt. Die Auswahl konnte er zum Glück noch vor seinem Tod treffen.

Wie lief die Zusammenarbeit mit Christo?

Bei dem Reichstagsprojekt hatte unsere Firma persönlichen Kontakt zu Christo. Wir haben ihn bei einer Ausstellung in München im Jahr 1994 kennengelernt. Christo und Jeanne Claude waren damals auch bei uns in Herbolzheim und haben sich die Beschichtung angeschaut. Beim Triumphbogenprojekt hatten wir keinen persönlichen Kontakt zu Christo. Das lief dann zum Schluss alles über Christos Neffen, den Künstler Wladimir Jawaschew. Ihn habe ich dieses Jahr in Paris auch persönlich kennengelernt. Es war sehr schade, dass Christo die Umsetzung seines Projektes nicht mehr erleben konnte.

Die Maße der Stoffrollen sind riesig. Wie haben Sie das Material verarbeitet?

Wir haben eine Beschichtungsanlage. Das ist ein großes Vakuumgefäß. Da wird die Rolle eingehängt und es wird ein Vakuum erzeugt. Das Gewebematerial wird von der Rolle abgewickelt und zu einer Beschichtungsstation geführt. Nach der Beschichtung wird das Material dann wieder aufgewickelt. Zum Schluss eines Durchgangs wird die Anlage mit Luft geflutet, dann kann man sie öffnen und die beschichtete Rolle herausnehmen. Eine Rolle beansprucht etwa zwei Stunden Arbeit. Eine andere Firma hat dann die Stoffbahnen zusammengenäht.

Was stellte bei den Christo-Projekten eine besondere Herausforderungen für Sie dar?

Damals beim Reichstags-Projekt in Berlin waren es mehr als dreimal so viele Rollen wie jetzt, die wir beschichten mussten. Das war schon eine Herausforderung in der geforderten Zeit, pünktlich abzuliefern. Beim Projekt am Triumphbogen war der Druck nicht ganz so groß, da es weniger Rollen waren. Außerdem wurde das Projekt pandemiebedingt verschoben, dadurch hatten wir ausreichend Zeit unsere Aufgaben zu erledigen.

Wie war es nach Paris zu reisen und den von Ihnen beschichteten Stoff auf dem Triumphbogen zu sehen?

Das war natürlich ein ganz toller Eindruck. Es waren sehr viele Leute dort, die begeistert von dem Anblick waren. Es war ein schönes Gefühl an diesem Kunstwerk mit beteiligt gewesen zu sein. 

Das Interview führte Annika Schubert

Das Künstlerehepaar Christo und Jeanne-Claude wurde ab den 1960er Jahren vor allem durch gemeinsam realisierte spektakuläre Verhüllungsprojekte bekannt. Ihre Projekte errichteten der Bulgare und die in Marokko geborene Jeanne-Claude in Ländern auf dem ganzen Globus.

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