Herbolzheim Alte Mauer entdeckt

Ein dickes Ding: 80 Zentimeter stark ist das Fundament der mittelalterlichen Wehrmauer. Hier staunen Pfarrer Stefan Meisert (links) und Bertram Jenisch (Landesamt für Denkmalpflege), hinter dem ein elf Meter langes Teilstück verläuft. Foto: Ande Foto: Lahrer Zeitung

Von Marcus Ande

Herbolzheim. Auf dem Kirchberg stand einst eine Kirchenburg mit einer fast meterdicken Befestigungsmauer: Den Nachweis der spätmittelalterlichen Anlage haben archäologische Ausgrabungen in den vergangenen Tagen erbracht.

Seit dem 6. Juli ist das Landesamt für Denkmalpflege im Bereich des zukünftigen katholischen Gemeindesaals mit den Ausgrabungen beschäftigt. Bertram Jenisch vom Landesamt für Denkmalpflege, als Herbolzheimer und von Berufs wegen mit der Geschichte der Stadt vertraut, fand bereits vor einigen Jahren Hinweise auf eine Wehrmauer.

"Dimension der Freiburger Stadtmauer"

Auf der gegenüberliegenden Seite des Kirchbergs steht das Haus Nummer 105, das älteste erhaltene Gebäude Herbolzheims, dessen Rückwand im Baujahr 1463 an eine damals bereits bestehende zehn Meter hohe Mauer angefügt wurde, wie Jenisch vor Jahren entdeckte. "Das ist die Dimension der Freiburger Stadtmauer." Ihm war klar, dass solch eine Befestigung nur einen Sinn ergeben kann, wenn die Schutzmauer rund um den Kirchberg gebaut worden war. Seine Vermutung: Ungefähr 50 Meter gegenüber, auf der Nordseite des Kirchbergs beim Pfarrhaus, könnte die Mauer des alten Friedhofs auch ein Teil der Befestigungsanlage sein. Diese Annahme sollte sich zwar als Irrtum erweisen, aber sie führte dennoch zu einem Fund: Bei einem Baggerschnitt im Mai stieß man wenige Meter von der Friedhofsmauer entfernt auf Mauerreste.

Bevor im nächsten Jahr die Arbeiten zum neuen Pfarrsaal beginnen, rückte das Landesamt für Denkmalpflege zu einer "baubegleitenden Rettungsgrabung" an, die von der katholischen Pfarrgemeinde St. Alexius und ehrenamtlichen Mitarbeitern unterstützt wird. Neben dem Fundament der spätmittelalterlichen Befestigungsanlage sind im Bereich des alten Friedhofs Überreste von Verstorbenen oder auch Sargnägel ans Tageslicht gekommen sowie in den tieferen Schichten bei den Mauerresten auch Keramikscherben etwa von Kochgefäßen, die Jenisch ins frühe zwölfte Jahrhundert datiert.

Kirchbergfest mit fachkundiger Führung

Wer sich für die Ausgrabung interessiert, kann sich am Sonntag, 19. Juli, beim Kirchbergfest einen unmittelbaren Eindruck verschaffen. Nach dem Gottesdienst, der um 10.30 Uhr beginnt, bietet Bertram Jenisch eine fachkudige Führung an und erläutert die archäologischen Befunde auf dem Platz des zukünftigen Gemeindesaals.         u Seite 8

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