Verkauf nach Insolvenz 162 BBS-Stellen gehen verloren

Der insolvente Felgenproduzent BBS – hier das Werk in Schiltach-Hinterlehengericht – wird von der KW-Automotive-Gruppe übernommen. Foto: Wegner

Übernahme abgeschlossen: Der insolvente Felgenhersteller BBS hat seit Dienstag, 1. Juni, einen neuen Eigentümer. Laut einer Pressemitteilung werden an den beiden Standorten Herbolzheim und Schiltach 162 Stellen wegfallen.

Herbolzheim/Schiltach - BBS wird von der KW-Automotive-Gruppe übernommen, wie Insolvenzverwalter, Thomas Oberle von der Rechtsanwaltskanzlei Schilling, Zutt und Anschütz, mitteilt. Der Investor verbinde den Kauf mit der Neuausrichtung des Unternehmens. Künftig werde sich die BBS auf den Bereich Aftermarket und die Produktion sowie den Vertrieb exklusiver Räder konzentrieren.

Folgenlos bleibt die neuerliche BBS-Pleite nicht. Mit dem Verkauf ist der Abbau von 162 der insgesamt 470 Arbeitsplätzen an den beiden Standorten Schiltach und Herbolzheim verbunden. Die betroffenen Mitarbeiter hatten die Möglichkeit, für sieben Monate in eine Transfergesellschaft zu wechseln. "Wir haben harte Monate mit unzähligen Gesprächen und Verhandlungen hinter uns", so Oberle. "Auch wenn die Interessen von Arbeitnehmern und Investoren nicht vollständig deckungsgleich sind, ist es uns gemeinsam gelungen, mit dem Gesamtpaket aus Transfergesellschaft, Sozialplan und der Neuausrichtung für die Gesamtheit der Mitarbeiter sowie für die BBS als Unternehmen eine positive Lösung zu erreichen." Der Fortbestand der BBS sei nur möglich gewesen, weil mit dem Insolvenzverfahren grundlegende Restrukturierungen des Geschäftsbetriebes einhergingen, heißt es in der Mitteilung weiter. Man sei "davon überzeugt, dass die BBS in der neuen Konstellation zukunftsfähig aufgestellt ist".

Der Traditions-Felgenhersteller BBS hatte im Juli 2020 zum dritten Mal Insolvenz anmelden müssen. Als Gründe nannte das 1970 in Schiltach gegründete Unternehmen den Wegfall von zugesagten Zahlungen und die Corona-Krise. Die Produktion lief weiter.

Die erste Insolvenz gab es im Jahr 2007, was auf den stark gestiegenen Aluminiumpreis zurückgeführt wurde. Drei Jahre später folgte die nächste Pleite. Damals wurde die Firma aufgespaltet. Der Sektor "BBS Motorsport" und der Schmiederad-Bereich "BBS Washi Wheels" gingen an eine japanische Unternehmensgruppe, die ihren Firmensitz mit zugehöriger Fertigungsstätte nach Haslach verlagert. Dort sind rund 40 Mitarbeiter beschäftigt.

Bereits im Dezember hatten Insolvenzverwalter Oberle und sein Team (siehe Info) mit der KW-Automotive-Gruppe, einem nach eigenen Angaben auf hochwertige Autotuningprodukte und Fahrzeugveredelung spezialisierten Unternehmen, einen Vertrag geschlossen.

Das für BBS zuständige Insolvenz- und Restrukturierungsteam der Kanzlei Schilling, Zutt und Anschütz hat bereits einige Erfahrung im Automotive-Bereich. Bereits im Jahr 2011 war Thomas Oberle als Insolvenzverwalter der Vorgängergesellschaft BBS International GmbH tätig. Sein Kollege Marc-Philippe Hornung war unter anderem als Insolvenzverwalter der Gießerei Albbruck GmbH sowie als Sachwalter der Galvanoform GmbH in Lahr in zwei weiteren Zulieferer-Insolvenzen tätig.

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