Helmut Dolds Dixiequartett Jazzklassiker mit urkomischen Texten

Endrik Baublies
Helmut Dolds Dixiequartett bei seinem ausverkauften Konzert im Stiftsschaffneikeller (von links): Ernst Klos, Berthold Klein, Wolfgang Mörike und Helmut Dold Quelle: Unbekannt

Es war gelungener Abend mit Dixieland, New-Orleans-Jazz und urkomischen deutschen Texten: Dafür sorgte Helmut Dolds Dixiequartett, das auf Einladung des Kulturkreises im Stiftsschaffneikeller aufgetreten ist.

Exakt 66 Besucher genossen das Konzert am Freitagabend im Stiftsschaffneikeller, der damit aufgrund der Corona-Bedingungen ausverkauft war. Das Quartett um den Trompeter, Sänger und Entertainer Helmut Dold ist ein seit Jahrzehnten eingespieltes Team. Die Klassiker beherrschen die vier Musiker souverän. Die Stücke waren – im Wortsinn – astrein. Die Harmonien gerade zwischen der Trompete und dem Saxofon beziehungsweise der Klarinette waren so sauber, wie es gerade zum Genre des Dixieland gehört.

Jeder der vier Musiker hatte seine Soloeinlage. Da zeigte sich die Qualität der einzelnen Musiker. Besonderheiten waren die Soloeinlagen am Kontrabass mit Bogen und die Virtuosität des Banjospielers. Was mit der elektrischen Gitarre zum Standard gehören mag, war mit dem Banjo schon eine eher selten gehörte Ausnahme. Dold und Klos standen dem in nichts nach.

Zu den Stücken gehörte "At the Jazz Band Ball", das erste Jazzstück, das anno 1917 – allerdings in Chicago – auf Schellack gepresst wurde. Die Stücke aus den USA waren eine Hommage an Musiker wie Louis "Satchmo" Armstrong, Bix Beiderbecke und Sidney Bechet, der nach 1945 in Paris Erfolge hatte. Klassiker wie "All of me" gehörten bei dem mehr als zweistündigen Auftritt genauso dazu wie "Oh, Lady be good" von Georg Gershwin oder "Am I blue" von Billie Holiday.

Helmut Dold verzichtete – angesichts der phänomenalen Stimme der Billie Holiday – bei "Am I blue" allerdings auf den Gesangspart. Wie seine Trompete die Melodie der Sängerin intonierte, zeigte seine Klasse als Musiker.

Ein Gag, der von den Gästen besonders honoriert wurde, waren deutsche Klassiker des Jazz. Das Quartett hatte sich für Stücke entschieden, deren Texte irgendwo zwischen haarsträubendem Unsinn und gerade noch gesellschaftsfähig angesiedelt waren. "Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten" aus den 1920er-Jahren schildert, wie besagte Tante Paula mittels einer Diät aus Tomaten von "Kugelrund auf 100 Pfund" abnahm. "Whispering" war 1920 der ersten Millionen-Seller der neuen Musikrichtung. Laut Dold haben Größen wie Louis Armstrong und Tommy Dorsey oder sogar Miles Davis (noch im Jahr 1951) "Whispering" eingespielt.

Es gibt aber auch eine deutsche Version des Titels mit dem vielsagenden Text: "Lass mich dein Badewasser schlürfen". Das Lied gehörte bei dem Konzert sicher zu den so gerade noch gesellschaftsfähigen Stücken.

Mit "Bye Bye Blues" war das Konzert zu Ende. Es gab natürlich Zugaben. So trällerte Dold ungerührt "Ganz Kuhbach träumt von der Liebe", nachdem er in der ersten Strophe Paris das Vorrecht eingeräumt hatte. Der gelungene Abend war nach "Oh, when the Saints" zu Ende. Mit diesem – ursprünglichen – Gospel war gut zu erkennen, wo der Jazz im Süden der USA seine Wurzeln hat.

Zum Quartett gehören neben Helmut Dold (Trompete, Flügelhorn, Gesang) Ernst Klos (Klarinette, Saxofon), Berthold Klein (Banjo, Gitarre) und Wolfgang Mörike (Kontrabass). Dold moderierte den Abend und erzählte zwischen den einzelnen Stücken einiges Wissenswertes über die Ursprünge des Jazz in New Orleans.

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