Heiligenzell "Unverblümt zum Affen machen"

Mit vollem Körpereinsatz auf der Bühne – das Männerballett mit Trainerin (von links): Franz Huber, Daniela Pabst-Geppert, Roland Schneider, Leo Feist und Bernhard Seitel. Foto: Bohnert-Seidel

Nach 22 Jahren als Trainerin des Männerballetts nimmt Daniela Pabst-Geppert nach dieser Saison ihren Hut. Beim Sikifa-Ball des Heiligenzeller Kirchenchors im St. Josefshaus treten ihre Schützlinge am morgigen Freitag ab 20 Uhr auf.

 

Heiligenzell. "Der Gerold kommt nicht. Er hat sich das Bein gebrochen", bemerkt Franz Huber. Im Raum kommt der Verdacht auf, dass er sich die Verletzungen absichtlich zugefügt haben könnte. "Wahrscheinlich sitzt er zuhause und weint", meint jedoch Roland Schneider. Immerhin ist Gerold Kadenbach dienstältester Tänzer des Heiligenzeller Männerballetts beim legendären Sikifa-Ball. Gemeinsam mit Franz Huber, Leo Feist, Bernhard Seitel und Roland Schneider tritt jetzt statt eines Quintetts nur noch ein Quartett an.

Wenn die vier Herren gemeinsam mit ihrer Ballettlehrerin Pabst-Geppert die Bühne betreten, dann ist eine große Präsenz erkennbar. Nach Gerold Kadenbach, der sich dummerweise das Bein gebrochen hat, ist Leo Feist der Tänzer mit jahrzehntelanger Erfahrung. "Einmal gefragt und es gibt kein Entrinnen", meint Feist. "Wer beim Männerballett mitmacht, muss schon besonders gestrickt sein", bemerkt Pabst-Geppert.

Sie war bisher 22 Jahre lang Choreografin, Vortänzerin und vor allem Trainerin. 22 Jahre war ihr Anruf im Januar gesetzt. "Keiner hat sich getraut, etwas anders als Ja zu sagen", bemerkt Schneider augenzwinkernd. Als Mitfünfziger ist er das Küken in der Männerrunde. Jedes Jahr bleibt das Titelthema bis zum Auftritt ein Geheimnis. In Erinnerung ruft sich das Quartett durch Aufführungen wie "die Fischerin vom Bodensee", "Zwei kleine Italiener" oder "Dschingis Khan".

Während sich Huber und Seitel mit Pabst-Geppert in die "Tänzer-Rente" verabschieden und schnell noch die nahende 70 als Begründung anbringen, würden sich Feist und Schneider gern wieder auf jemand Neues einstellen.

Daniela Pabst-Geppert bleibt als Büttenrednerin

Als Frau in der Bütt bleibt Pabst-Geppert dem Geschehen in Heiligenzell allerdings treu. Trotzdem bleibt es dabei – das Männerballett ist einer der sehnsüchtig erwarteten Beiträge beim Ball. "Männerballett – das ist immer live, man weiß nie, wie es ausgeht", kommentiert Schneider lachend. "Dreht sich einer jetzt rechts oder links herum?", das sei manchmal die große Frage des Abends. Und natürlich liegt der humoristische Beitrag in der Spontaneität und Ernsthaftigkeit, mit der die vier Männer ihre Choreografie in den Raum werfen.

"Ja, man kann sich einmal auch unverblümt zum Affen machen", lacht Roland Schneider. Läuft einer neben der Spur, sprich neben der Choreografie, sei dies wiederum eine neue Darstellung. Weil das Publikum jedes Jahr eine Wiederholung fordere, werfe auch diese wieder ein neues Bild.

Wer einmal gemeinsam im Männerballett getanzt habe, verspüre mit seinen Kollegen quasi eine Blutsbrüderschaft, wie bei Winnetou und Old Shatterhand. Mal schauen, was die Fasnacht bereit hält, das Männerballett am Freitagabend gilt als gesetzt.

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