Hausacher Leselenz Wasserfeste Autoren und tiefsinnige Verse

Wetterfest mussten nicht nur die Zuhörer, sondern auch die Autoren sein. Martin Knuth wurde bei seiner Lesung zunächst von Melanie Axmann beschirmt. Foto: Störr

Hausach - Das Publikum des Hausacher Leselenzes hat sich in diesem Jahr als wetterfest erwiesen. Bei der Lesung auf dem Klosterplatz war der Regenschirm ein wichtiges Utensil, auch die Autoren standen vor Herausforderungen.

Leselenz-Kurator José Oliver verwies zunächst auf die Besonderheit des Veranstaltungsortes, auf dem bis Mitte der 1980er-Jahre die letzte Strohhut-Fabrik gestanden habe. Der Vater habe dort als Hutmacher gearbeitet und immer wenn er auf dem Platz stehe, würden Bilder der Erinnerung wach.

Mit Ralf Schönfelder begrüßte er den Geschäftsführer des Thüringer Literaturbüros. Seit vielen Jahren verbinde das Literaturfest auf der Burg Ranis und den Hausacher Leselenz eine enge Freundschaft. Als Moderator erklärte Schönfelder zunächst das Stipendium "Raniser Debüt", mit dem die Erstveröffentlichung junger Autoren gefördert wird.

Im vergangenen Jahr bekam Martin Knuth die Unterstützung für sein Erstlingswerk "Zwischenhalt Erde" als Sammlung von Kurzgeschichten zugesprochen. Die Geschichten würden oft ganz einfach beginnen und sich im Verlauf in soziale Experimente verwandeln. Der Autor blicke nicht ohne Sorgen auf die Menschen in seinem Umfeld. "Martin Knuth ist einer der sonnigeren Menschen, denen man im Regen begegnen kann", leitete er dann zur Lesung über.

Der Autor stellte zunächst seine Heimatstadt Görlitz vor, die als östlichste Stadt Deutschlands noch in den 1990er-Jahren durch die Neiße getrennt deutsch/polnisch und über eine Brücke verbunden gewesen sei. In diesem Umfeld spielte auch seine Geschichte von Michael, der illegale Grenzgänger aufspürt und Akadi, der als Flüchtling über den Fluss will. Natürlich verriet Knuth den Ausgang der Geschichte nicht, sondern lud zum Lesen seines Buchs ein.

Die zweite Lesung gehörte Isabella Krainer, die in Deutschland erst einmal bei einer Preisverleihung gelesen hatte – und dabei nur einen Satz. Denn ihre Stärke liegt in der Kürze, wie Moderator Robert Renk zu Beginn erklärte und bei der Vorstellung des Gedichtbands "Vom Kaputtgehen" äußerst unterhaltsam deutlich wurde. In einer Art poetischer Biografie servierte die Österreicherin Lyrik "von der Wiege bis zur Bahre", wie sie es selbst nannte. So las sie beispielsweise: "Erziehung – dem Stöckchen beizubringen, den Hund zu holen – hätte gleich viel gebracht."

Dass sie sich seit langen Jahren auch politisch engagiert, wurde bei tiefsinnigen Versen deutlich: "Meine Straße – mein Block – mein Hof. Anschläge wurden ihr beigebracht, tippen konnte sie schon." Aber auch "Selbst-Ort-Gedanken" stellte sie an und erklärte lesend: "›Ich‹ ist ein Ort, an den ich gehe, wenn ich bleibe, wer ich bin." Gewürzt mit viel Humor und guter Laune wurden gesellschaftliche Abgründe spielerisch aufgezeigt, gängige Klischees zerstört und Kalendersprüche gegen den Strich gebürstet. Am Ende blieb der große Applaus für die Autorin und ihr Debüt.

Von 14 bis 21.30 Uhr fand der "Markt der W:Orte" in der Hausacher Innenstadt statt. Vom Klosterplatz über den Mostmaierhof bis zu, Stadthallenpark lasen nationale und internationale Schriftsteller.

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