Hausach Wikinger-Geschichte zum Anfassen

Die "Küchenzeile" von "Villsvin Af Svear" mit tollem Blick über Hausach: Dort zeigte die Gruppe selbst gedrechselte Schalen und Schüsseln. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Historisch belegt ist eine Durchreise oder ein Aufenthalt der Wikinger in Hausach nicht. Möglich sein könnte es allerdings schon, denn die legendären Krieger haben ihren Fußabdruck in ganz Europa bis nach Byzanz und Sizilien hinterlassen.

 

Hausach . Wer mehr über die Nordmänner wissen will, ist bei der Gruppe "Villsvin Af Svear" in Hausach richtig. Am Wochenende haben sie bei ihrem bereits dritten Lager auf der Burg Einblick in die Lebensweise und den Familienalltag der Wikinger im Frühmittelalter gewährt.

Immer wieder begrüßte am Samstag und Sonntag Christian Schätzle, "Jarl", der Anführer, Gäste, denen zufällig beim Spaziergang die A-Zelte mit typischen Schnitzereien am First auffielen. Andere folgten gezielt der Einladung, das Lager zu besuchen. Freudig begrüßt wurde die Freudenstädter "Dunkelwaldsippe", die den Aufstieg zur Burg samt Kinderwagen bewältigt hatte.

Die eigene Gründung: Die Hausacher Gruppe wurde von Schätzle, Roland Wöhrle und Sebastian Unsinn gegründet. Weitere Anhänger schlossen sich seither an. "Etliche von uns wirkten bei den Burg-Erleben-Sonntagen mit, aber wir wollten zeitlich früher ansetzen", erzählt Schätzle von den Anfängen.

Viel sei über das spätere ritterliche Leben bekannt, sehr viel weniger über das frühe Mittelalter. Die Entdeckerlust und oft als "wilde Horden" bezeichneten nordischen Stämme faszinieren die Gruppe mit ihrer Handwerkskunst und Lebensweise. "Villsvin Af Svear" will mit den Lagern Geschichte zum Anfassen in Szene setzen.

Malerische Namensgebung: Die Blütezeit der Wikinger wird datiert vom späten 8. Jahrhundert bis hin zum Beginn des 12. Jahrhunderts. Die Plünderungen von Hamburg und Paris 845 sind historisch belegt. Harald Blauzahn wird im Jahr 958 König von Dänemark und 954 wird Erich I. Blutaxt als König in York vertrieben und getötet. Die aus heutiger Sicht malerische Namensgebung der Wikinger inspirierten auch die "Villsvin"-Mitglieder dazu, sich nordische Namen zu geben. So heißt Schätzle als Nordmann "Harrek" und seine Wikingerfrau "Gunda".

Die Jarlsfrau schnitzt an der Klemmbank einen Rohbogen, während Waffenmeister Wöhrle die Kampfgeräte Axt, Speer und vieles mehr einem interessierten Besucher erklärt, der in Motorradkluft den Weg zur Burg gefunden hat. Realistische Duelle: Mit Kampfhelmen und Kettenbrünnen messen sich die Krieger im Wettkampf und scheuen sich auch nicht vor blauen Flecken. Es wird laut Schätzle im "Vollkontakt" duelliert. Die Kampfweisen der Wikinger und deren Umgang mit Speer, Axt, Schwert und Schild werden ebenso realistisch wie unterhaltsam demonstriert.

Die A-Zelte offenbaren neugierigen Blicken ein Interieur aus wärmenden Schaff- und Rentierfellen und die "Küchenzeile" zeigt selbst gedrechselte Schalen und Schüsseln. Zum großen Lager im September erwarten die Hausacher laut Schätzle Sippenschwestern aus der ganzen Region (siehe Info).

Im September plant die Gruppe ein weitaus größeres Lager auf der Hausacher Burg mit Gästen aus Freudenstadt, Nordrach und Wolfach. Auch beim großen Hornberger Mittelalterfest 2019 in Hornberg möchte sich "Villsvin Af Svear" präsentieren.

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