Hausach Wenn "Fellini" ewig braucht

Nach der Lesung herrschte großer Andrang auf Tamina Kallert (links), die Bücher signierte und Autogramme gab. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Die Reisejournalistin Tamina Kallert moderiert seit 15 Jahren das WDR-Fernsehmagazin "Wunderschön" und das Städtereisenformat "2 für 300". Auf Einladung der Mediathek kam sie am Donnerstag nach Hausach und erzählte von ihrer Arbeit.

Hausach. Mit dabei hatte Kallert ihr Buch "Mit kleinem Gepäck", in das viele ihrer bei den Reisen gewonnenen Einsichten geflossen sind. "Es geht um Geschichten hinter den Geschichten", stellte Kallert den Band vor, dessen Kernstück von der Begegnung mit Menschen handle.

"Keine Reise ist wie die andere und auch das Filmteam wechselt", stellte die Moderatorin fest. Es werde viel Zeit miteinander verbracht und die Charaktere seien oft sehr unterschiedlich. "Die einen legen Wert auf einen guten Umgangston, bei anderen geht es schon mal hemdsärmelig zu", plauderte Kallert aus dem Nähkästchen. Bei pingeligen Regisseuren höre sie schon mal ein "unser Fellini braucht ja wieder ewig" und so mancher Drehtag sei sehr anstrengend.

Ihre erste Fernsehaufnahme des Reisejournals "Wunderschön" auf Sylt wird Kallert wohl nie vergessen. "Wir brauchten zwei Stunden, um die Anfangsszene zu drehen und das bei klirrender Kälte", erinnerte sie sich. Gut eingepackt saß sie in einer offenen Kutsche und fühlte sich erst mal wie eine Prinzessin. Das verflüchtigte sich allerdings schnell, nachdem mal die Düne nicht im Bild war, mal eine Person ins Bild lief oder der Ton nicht stimmte. Nach zwei Stunden musste die rote Nase der Moderatorin von der Maskenbildnerin "restauriert" werden und die Anmoderation "Liebe Zuschauer, herzlich willkommen auf Sylt" noch immer fröhlich von den Lippen kommen.

Eine Reportage über Kapstadt in Südafrika sollte nicht nur den Tafelberg und andere touristische Sehenswürdigkeiten, sondern auch die Slums zeigen. "Ich fand das toll, entwickelte aber sehr ambivalente Berührungsängste", entsann sich die Reisejournalistin. Sie habe einiges über sich gelernt, zum Beispiel wie überfrachtet sie von Klischees und Vorurteilen war. Aber: nach einer außergewöhnlichen Begegnung mit einer Medizinfrau gewann sie auch die Erkenntnis, dass Begegnung Verbindung schafft und alle Menschen unabhängig von Rasse und Herkunft gleich sind. "Gerade in einer Zeit, wo viel Angst vor dem Fremden herrscht, ist es sehr wichtig zu erkennen, dass uns alle viel mehr verbindet als trennt", unterstrich Kallert. Der Schuh darf ihrer Ansicht nach auch mal drücken, denn das schärfe die Wahrnehmung und fördere Kreativität.

Das letzte Kapitel ihres Buchs, aus dem sie zwischen ihren Erzählungen querbeet einige Passagen las, ist dem Heimkommen gewidmet. Ihr Lebensmodell sei nur möglich, weil Ehemann und Mutter mitsamt einem großen familiären Netzwerk sie unterstützen und ihr dieses Leben "gönnen".

Mit großem Beifall zeigte das Publikum in der voll besetzten Mediathek seine Begeisterung.

Tamina Kallert ist in Freiburg geboren und lebt dort mit ihrer Familie. Nach dem Abitur studierte sie Anglistik und Geschichte in Freiburg und Köln. Seit Januar 2004 moderiert sie das 90-minütige WDR-Reisemagazin "Wunderschön"

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