Hausach Wasser bietet Stoff für Erzählungen

Sagenhaftes Kinzigtal: Hier soll sich einst das "Wäldermaidli" verteidigt haben. Foto: Stangenberg Foto: Schwarzwälder Bote

Das Wasser hat im Leben der Menschen – nicht nur im Kinzig-, Wolf- und Gutachtal – schon immer eine große Rolle gespielt. "Ohne Wasser ist menschliches Leben nicht denkbar", berichtet der Offenburger Sagenexperte und Autor Willi Keller.

Mittleres Kinzigtal. Städte und Dörfer entstanden an Bächen und Flüssen. Wasser ernährt die Menschen mit Fischen, trägt Schiffe und Flöße und treibt Mühlen an. So auch an der Gutach, Wolfach und der Kinzig

Gleichzeitig hat das Element auch seine Schattenseiten: Hochaktuelle Themen wie Hochwasser und Dürren werden in Sagen immer wieder thematisiert. Solche Naturkatastrophen haben die Menschen früher als Strafe Gottes empfunden, so Keller. Kinzig: Um die Kinzig ranken sich mehrere Sagen, die oftmals für einen der Protagonisten tragisch im Wasser enden. Die Sage um das "Geistermädchen" handelt von einem gespenstischem "Schwarzwälder Mägdlein", das einst auf der Landstraße bei den "Hagenbücher Höfen" auftauchte.

Ein betrunkener Flößer, der kurz vor Mitternacht aus einem Gasthaus in Hausach nach Wolfach gehen wollte, glaubte nicht an das Geistermädchen. Bei den Hagenbücher Höfen angekommen, lachte der Trunkenbold und rief: "Wäldermaidli, komm heran, dass ich dich zusammenhauen kann!" Sofort stand das Gespenst vor ihm, packte den Flößer am Kragen und warf ihn in die Kinzig. Das Mädchen verschwand. Ihr Herausforderer hatte Glück im Unglück: Ein Flößer rettete ihn vor dem Ertrinken.  Wolf: Hochmut, Betrug und Arroganz sind Themen, die in der Sage vom "Zierlegeist" auftauchen. Die Geschichte spielt auf dem Zierlehof in Oberwolfach und schließt die traditionsreiche Flößerei auf der Wolf mit ein. Da der Fluss am Hof einen scharfen Bogen machte, hatte sein Besitzer, der "Zierlebauer", Ausblick auf das Holz, das an seinem Grundstück vorbeigeflößt wurde.

Der "Zierlebauer" war im Ort sehr unbeliebt. Er galt als "gottloser Mensch", der stets über den Durst trank und Familienväter zum Spielen verleitete. Als es mit seinem Hof wirtschaftlich bergab ging, stahl der Zierlebauer des Nachts das Holz, das am Ufer der Wolf trieb. Damit niemand sein Treiben aufdeckte, vermummte er sich und erschreckte die Menschen, die im Dunkeln an der Wolf spazierten. Bald sprachen die Oberwolfacher vom "Zierlegeist". Als sich dieser eines Nachts am festgefahrenen Floß des Simonswellebauers zu schaffen machen wollte, wurde er von Holzstämmen eingeklemmt und starb. "Im Grab fand der Zierlebauer keine Ruhe und geisterte wie zu Lebzeiten". Ein späterer Hofbesitzer ließ schließlich das "Zierlekreuz" errichten. Und von da an war Ruhe. Gutach:  Tragisch, brutal und herzzerreißend ist die Entstehungsgeschichte der Gutach: Ihre scheinbare Namensgeberin ist der Sage nach die schöne und stolze Fürstin Gutta von Triberg, die auf einem Felsenschloss im tiefen Wald lebte und ein Herz aus Stein hatte. Einmal traf sie auf einen jungen Jäger, der sich auf der Stelle in die wunderschöne Fürstin verliebte.

Als er sie um ihre Hand bat, willigte die Fürstin ein, stellte aber die grausame Aufgabe, er müsse von einem Zacken des Schlossfelsens auf einen entfernten Felsen und wieder zurück springen. Der Jäger wagte den Sprung. Als er jedoch zu seiner Angebeteten zurückspringen wollte, blendete ihn die Sonne. "Er stürzte und sein Körper zerschmetterte in der Tiefe." In ihrem Kummer verfluchte seine Mutter die Fürstin: "Werde zu Stein und weine ewig über deine Freveltaten!"

Ehe Fürstin Gutta wusste, wie ihr geschah, stürzte ihr Schloss ein. Augenblicklich wurde die schöne Frau in einen Felsen verwandelt. Aus dessen Gestein rann Wasser, das sich zu einem Wildbach entwickelte, der über die Felsen donnernd in die Tiefe der Schlucht stürzten. So benetzen Guttas Tränen, die die Triberger Wasserfälle symbolisieren, die Stelle, an der der Jäger in den Tod stürzte.

Im Rahmen der Schwabo-Sommerserie "Unser Wasser im Kinzigtal" beschäftigt unsere Redaktion sich mit Fragestellungen rund um den Einfluss, den die Kinzig, die Wasserversorgung und die Trockenheit auf das Leben im Tal haben. In 13 Teilen, die jeweils samstags und mittwochs erscheinen, beleuchten wir verschiedene Aspekte des Lebens mit (oder ohne) das Wasser.

  • Bewertung
    0