Hausach Unterwegs mit dem "Gülleraumschiff"

Thomas Kölblin und Bernhard Kohmann mit ihrem neuen Gülletankanhänger mit Schleppschu-TechnikFoto: Dorn Foto: Schwarzwälder Bote

Seit kurzer Zeit sind die beiden Hausacher Landwirte Thomas Kölblin vom Ramsteinerhof und Bernhard Kohmann vom Unteren Hof stolze Besitzer eines futuristisch aussehenden Gülletank-Anhängers.

Hausach. Behutsam lenkt Thomas Kölblin vom Hausacher Ramsteinerhof seinen Schlepper und den neuen Vakuum-Tankanhänger um eine enge Hofecke im Hausacher Einbach. Auf der Wiese angekommen fährt er die beiden Ausleger mit den Schleppschuhen aus und diese falten sich auf ihre volle Breite von zwölf Metern aus. Ein weiterer Fingerzug an der hydraulischen Steuerung senkt die insgesamt 48 Schleppschuhe auf Höhe der Grasnarbe, mit 25 Kilogramm Anpressdruck schneiden die Schleppschuhe im Abstand von 25 Zentimetern kleine Furchen in den Boden.

In diese Furchen wird dann auf Knopfdruck die Gülle gepresst, mehr Bodennähe bzw. weniger Luftkontakt geht nicht. Wo bei konventioneller Ausbringung die Gülle aus je nach Bauart einem halben oder einem ganzen Meter Höhe durch die Luft verwirbelt wird, kommt in dem neuen System die Gülle mit der Luft nicht mehr in Kontakt. Auch aus diesem Grund wird die bodennahe Gülleausbringung im Dauergrünland EU-weit vor dem Hintergrund der zu hohen Nitrat- und Ammoniakbelastung ab 2025 zur Pflicht.

Thomas Kölblin und sein Kollege Bernhard Kohmann vom Unteren Hof im Frohnbach wollten so lange nicht mehr warten. Ein dreiviertel Jahr betrug die Lieferzeit für den Tankanhänger aus österreichischer Produktion. Der Schleppschuh-Ausleger stammt von einem niederländischen Hersteller, zusätzlich haben Kohmann und Kölblin noch eine Saugrüssel anbauen lassen. Dieser bietet die Möglichkeit, ein konventionelles Güllefass neben den Anhänger zu stellen und aus diesem die Gülle umzupumpen. Von der bodennahen Ausbringung versprechen sich die beiden Landwirte auch einen deutlich geringeren Stickstoffverlust.

"Die Größe unserer Grünlandflächen ist auf unsere Tieranzahl abgestimmt", so Kohmann, und jeder Stickstoffverlust durch Verwirbelung oder Auswaschung sei letztlich dann auch ein wirtschaftlicher Verlust. Der größte Vorteil der bodennahen Ausbringung sei aber die Entkopplung von den in den trockenen Sommern immer enger werdenden Zeitfenstern für die Gülle-Ausbringung. Bisher mussten zwei Bedingungen erfüllt sein, die Wiesen mussten relativ frisch gemäht sein und die Wettervorhersage Niederschläge anzeigen. Mit der bodennahen Ausbringung muss die Wiese nicht mehr stoppelkurz sein, die Gülle kommt direkt ins Erdreich und verschmutzt so das längere Gras nicht. Regen bleibt somit der einzige Bestimmungsfaktor, was deutlich Zeitdruck von den Landwirten nimmt.

Bauartbedingt ist der neue Anhänger für Steillagen nicht geeignet, beträgt seine Gesamtmasse mit vollem Gülletank doch stolze 18 Tonnen. In manchen Bereichen wird das vertraute Bild – vorn ein Traktor, der ein Güllefass zieht, hinten spritzt die Gülle Bogen heraus – auch weiterhin erhalten bleiben. Etwa 100 000 Euro haben die beiden Landwirte für den Anhänger ausgegeben, 20 Prozent davon mit einem Förderprogramm bezuschusst. "Für mich ist die Landwirtschaft damit ein Stück weit runder geworden", greift Kohmann sein Berufsmotto als Landwirt am Ende wieder auf.

Und auch die Geruchsbelästigung hat deutlich abgenommen. Kohmann hat das "Gülleraumschiff" Anfang dieser Woche auf seinen gepachteten Wiesenflächen im Kirnbachbachtal eingeweiht. Wo sich mit dem alten System noch tagelang der Geruch im Tal hielt, ist jetzt kaum noch etwas davon zu bemerken.

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