Hausach Unruhige Zeiten bei Tekfor

Geschäftsführung und Betriebsrat von Tekfor in Hausach widersprechen Befürchtungen aus Mitarbeiterkreisen, dass die Dreherei komplett nach Rumänien verlagert werden könnte. Foto: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Nach personellem Wechsel an der Spitze des Hausacher Automobilzulieferers Tekfor äußern Mitarbeiter Sorgen, dass Teile der Produktion ins Ausland abwandern könnten. Die Tekfor-Geschäftsführung widerspricht dem allerdings sehr deutlich.

Hausach. Nach mehr als 20 Jahren hat Tekfor-Werksleiter Jörg Stoffels bereits Anfang April das Unternehmen verlassen. Frank Schartmann nahm als neuer Werksleiter seine Stelle ein. Gleichzeitig gab das Unternehmen bekannt, dass Teile der Produktion nach Rumänien verlegt werden. "Wir verlagern die Produktion von vergleichsweise lohnkostenintensiven, einfachen Standardteilen nach Rumänien, wo wir seit Ende 2020 dafür einen neuen Standort aufgebaut haben. So schaffen wir neue Kapazitäten für E-Mobility-Komponenten in Hausach", argumentiert Johann Ecker als CEO der Tekfor-Gruppe seinerzeit. Beim Umstieg auf Elektroantriebe in der Autobranche solle der Standort Hausach für Tekfor eine zentrale Rolle spielen.

Die Freistellung des bisherigen Werksleiters Stoffels wurde in diesem Zusammenhang vom Unternehmen nicht explizit erwähnt. Doch derartige Umstellungen sind in der Wirtschaft nicht selten mit einem Wechsel an der Spitze verbunden.

Im Werk wird offenbar über die Auslagerung der Dreherei spekuliert.

In Belegschaftskreisen wird nach Informationen unserer Redaktion die Sorge geäußert, dass es Überlegungen geben könnte, die Hausacher Dreherei einst komplett zu verlagern, etwa nach Rumänien, was den Verlust von hunderten Arbeitsplätzen bedeuten würde. Doch da scheint nichts dran zu sein: Dem Gerücht einer Komplett-Verlagerung der Dreherei widersprechen sowohl die Geschäftsführung als auch der Tekfor-Betriebsrat. Die Nachfrage des Schwarzwälder Boten, ob es in dieser Hinsicht Pläne gebe, verneinte Sebastian Brunner von der Unternehmenskommunikation und auch Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Breig sagt zur Dreherei: "Sie wird nicht verlagert, das habe ich mir noch einmal bestätigen lassen."

Weshalb Werksleiter Jörg Stoffels ging, bleibt unklar.

Im Werk kursiert laut einem anonymen Schreiben angeblich die Vermutung, dass der frühere Werkleiter Stoffels freigestellt wurde und habe gehen müssen, weil er gegen eine mögliche Verlagerung der Dreherei gewesen sein könnte. Stoffels lebt auch privat in Hausach. "Das ist schlicht und einfach falsch", kommentiert Brunner diese Behauptung, gibt aber keine weitere offizielle Begründung für den Weggang Stoffels. Der frühere Werksleiter lehnte auf Nachfrage unserer Redaktion ab, über sein Ausscheiden öffentlich zu sprechen. "Kein Kommentar", hieß es am Freitag auf Schwabo-Nachfrage. Dass Stoffels freigestellt wurde, stimme jedoch.

Gehen viele langjährige Mitarbeiter?

Aus Belegschaftskreisen ist auch zu vernehmen, dass angeblich eine ganze Reihe von altgedienten Mitarbeitern gegangen sei – oder gehen musste. Es kursiert dazu eine Liste ohne Namen, aber mit angeblichen Funktionen und Zugehörigkeitsdauern. Diese Liste liegt unserer Redaktion vor. Auch diesem Gerücht widerspricht Tefkor-Sprecher Brunner deutlich: "Die aufgeführten ›Abgänge‹ erstrecken sich über einen Zeitraum von mehr als zehn Jahren und stehen in keinem Zusammenhang. Soweit wir das nachvollziehen konnten, waren die Gründe für das Ausscheiden individuell." Brunner betont: "Grundsätzlich bleibt festzustellen, dass der Betrieb in Hausach und Tekfor eine äußerst niedrige Fluktuation von Mitarbeitern aufweist."

Erst Kurzarbeit, dann wieder Überstunden?

Offenbar, so zeigt es ein Foto, hing im Unternehmen auch ein anonymer Aushang, in dem Mitarbeiter über ein heftiges Hin und Her zwischen Kurzarbeit und Vollgas in der Produktion klagen. Betriebsratsvorsitzender Wolfgang Breig bestätigt die Aussagen grundsätzlich und erklärt: "Wir sind ja froh, dass es so gekommen ist und wir die Kundenanfragen bedienen konnten."

"Als Zulieferer der internationalen Automobilindustrie sind wir von der Konjunktur in diesem Bereich abhängig", führt Firmensprecher Brunner aus. "Bedingt durch die Corona-Krise mussten die Automobilhersteller im letzten Jahr Werke phasenweise schließen. Dies strahlte auch auf unseren Betrieb aus und veranlasste uns ebenfalls, Kurzarbeit zu nutzen, um Personalmaßnahmen zu vermeiden." Durch die von der Bundesregierung beschlossene Mehrwertsteuerreduzierung habe der Verkauf von Autos aber zugenommen. Das bedeutete laut Firma kurzfristig stark steigende Produktabrufe durch Kunden, so dass in der Produktion entsprechende Sonderschichten gefahren werden mussten.

Das Betriebsklima bei Tekfor soll nicht gut sein.

Aus mehreren Quellen ist zu hören und zu lesen, dass das Betriebsklima in bei Tekfor in Hausach derzeit nicht das beste sei. Auch der anonyme Firmenaushang hatte das zum Thema. "So schlecht, wie sie dort dargestellt ist, ist die Stimmung nicht", relativiert das der Betriebsratsvorsitzende Wolfgang Breig. Aber er gibt zu, dass die Corona-Pandemie nicht spurlos am Betriebsklima vorübergegangen sei. Er verstehe, dass die bevorstehenden Herausforderungen bezüglich beispielsweise der Digitalisierung Unbehagen auslösen können. "Aber wir müssen uns dem im Kollektiv stellen", ist er überzeugt.

Die Gewerkschaft wünscht sich mehr Kontakt: Tekfor ist nicht tarifgebunden. Der Kontakt zwischen Mitarbeitern und der IG Metall beschränkt sich laut Gewerkschaftssekretärin Nevin Akar eher auf vereinzelte Anrufer, die rechtliche Fragen haben. Kontakt bestehe vor allem über den Betriebsrat, aber "wir würden uns da etwas mehr wünschen", deutet Akar an. Eine Zunahme der Anfragen von Tekfor-Mitarbeitern habe sie in der jüngsten Zeit aber nicht beobachten können.

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