Hausach "Täglich gibt es Neues zu entdecken"

Die Hausacher Schüler nach einer Meditation in einem buddhistischen Tempel Foto: Glöckler Foto: Schwarzwälder Bote

Hausach (red/cr). Der Thailandaufenthalt der Schülergruppe aus dem Kinzigtal neigt sich dem Ende zu. Einige der Jugendlichen und der Begleitlehrer Reinhardt Bäder fassen in einem Interview ihre Erlebnisse und Eindrücke zusammen.

Genießt du deinen Austausch?

Fiona Dorn (10a aus Kirnbach): Ja sehr, jeden Tag gibt es etwas Neues zu entdecken, da die Kultur total anders ist als in Deutschland, zum Beispiel der Umgang der Kinder mit den Erwachsenen. Die Jungen sollen den Alten gegenüber respektvoll und höflich sein. Alles wie beispielsweise der Verkehr ist auf den ersten Blick ein bisschen chaotisch. Aber alles fügt sich und funktioniert.

Was habt ihr heute Vormittag erlebt?

Jana Fritsch (10a aus Wolfach): Wir besuchten das Amphawa Chaipattananurak Conservation-Projekt. Wir haben gelernt, wie man Zucker aus der Kokospalme herstellt und danach durften wir aus den Blättern der Kokospalme Fische und Vögel basteln.

Findest du den Austausch sinnvoll?

Jana: Ja, weil man etwas ganz anderes kennen lernt – eine andere Kultur und eine andere Landschaft. Besonders gut finde ich, dass man das sieht, was man als Tourist nicht sehen würde. Alles ist ein bisschen anders. Die Zimmer haben Klimaanlagen, in der Küche ist ein Gasherd, es gibt keine Schränke, alles steht offen auf dem Boden, gegessen wird mit Löffel und Gabel, Messer werden nur zum Kochen benutzt.

Was hat dich bisher am meisten überrascht?

Hannah Jehle (10a aus Wolfach): Als wir nach Hause gefahren sind, haben meine Gasteltern das Auto nicht in der Garage geparkt, sondern im Wohnzimmer. Ich dachte in der Schule ist es viel strenger aber das Gegenteil ist der Fall. Gestern Nachmittag sind wir einfach im Klassenzimmer gesessen und haben über Boxen Musik gehört. Es fand kein Unterricht statt, manche haben Hausaufgaben gemacht, jemand hat Gitarre gespielt.

Was hast du heute Nachmittag gemacht?

Marco Schmidtke (11a aus Halbmeil): Ich war im Laem. Wir haben eine Tour gemacht, bei der uns erklärt wurde, wie Abwasser auf natürliche Weise gereinigt wird. Das Projekt wurde von König Bhumibol, Rama der IX initiiert. Was mich begeistert hat, ist, dass man in Thailand in vielen Bereichen Deutschland voraus ist, obwohl man das beim ersten Eindruck nicht denkt, zum Beispiel bei der Wasserreinigung. Es gibt überall in den Zügen und vor den Geschäften Prioritätsplätze für Schwangere, Ältere, Mönche, Kranke oder Behinderte.

Was nimmst du von Thailand nach Deutschland mit?

Maybritt Moser (11d aus Schnellingen): Man kann auch ohne strenge Regeln problemlos zusammenleben. Auf der Straße hält sich niemand an Regeln, aber man wird vorgelassen, wenn man irgendwo abbiegen will. Alles ist sehr eng, aber jeder macht Platz, wenn man ihn braucht. Man nimmt aufeinander Rücksicht. Meine Gastmutter schimpft nicht mit ihren Kindern und sagt nie direkt, was sie will, aber die Kinder merken genau, wenn sie etwas falsch machen. Die Thais sind glücklicher, gelassener und schneller zufrieden als die Deutschen.

Herr Bäder, welche Erwartungen hatten Sie an den Austausch?

Bäder: Was das Gastland bietet, war ich relativ frei, weil ich weiß, dass in anderen Kulturen Dinge ganz anders laufen und da möchte ich ganz bewusst von den "deutschen" Erwartungen Abstand nehmen. Erwartungen habe ich gehabt, was das Verhalten unserer Schüler angeht: Nämlich, dass sie offen für diese ganz andere Kultur sind, dass sie sich in das ganz neue Schulsystem einfügen und dass sie neugierig und interessiert sind an dem, was auf sie zukommt.

Haben die Schüler diese Erwartungen erfüllt?

Bäder: Zum allergrößten Teil ja. Sie haben eine unglaubliche Flexibilität und Offenheit gezeigt, wenn es um gemeinsame Aktionen ging, wie zum Beispiel beim thailändischen Tanzen, beim Umgang mit neuen Regeln wie dem Tragen der Schuluniform, mit Verhältnissen in der Wohnung der Gasteltern, bei denen es in zwei Fällen keine Dusche gab. Bei manchen Besichtigungen hatte ich auf mehr Interesse und Begeisterung gehofft.

Was nehmen Sie persönlich von der Reise mit?

Bäder: Dass es wichtig für junge Menschen ist, nicht nur als Touristen eine solch fremde Kultur kennenzulernen, sondern auch das neue Land mit der familiären Anbindung zu erleben. Überraschend für mich war in Bezug auf das Schulleben , wie weit die Digitalisierung im Klassenzimmer vorangeschritten war.

Sowohl die Satrininonthaburischule in Bangkok als auch das Robert-Gerwig-Gymnaisum in Hausach sind sogenannte Pasch-Schulen. Pasch (Partnerschulen der Zukunft) ist eine Initiative des Auswärtigen Amts, die Begegnungen von Schülern verschiedener Kulturkreise unterstützt.

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