Hausach Suchtberatung hat eine neue Adresse

Viele Jahre haben die Beratungen der Fachstelle Sucht im Trauzimmer des Rathauses stattgefunden. Am 1. August hat die Außenstelle die neuen Räume im katholischen Pfarrheim bezogen.

 

Hausach. Der Raum im Hausacher Pfarrhaus ist freundlich, aber zurückhaltend eingerichtet. In der Ecke des hellen Büros befindet sich eine gemütliche Sitzecke. Auf den gepolsterten roten Stühlen finden die Beratungen statt. "Wir haben lange nach geeigneten Räumen gesucht", erklärt Martha Ohnemus-Wolf im Gespräch mit dem Schwabo. Sie ist Leiterin der Fachstelle Sucht in Offenburg und vertritt gerade in der Außenstelle Kinzigtal Andreas Birkenberger.

Als Pfarrer Christoph Nobs nach Hausach kam, sei es plötzlich ganz schnell gegangen. "Er hat sehr zeitnah signalisiert, dass ein Interesse daran bestehe, die sozialen Dienste im Pfarrhaus zu bündeln", erklärt sie. Der Fachstelle steht dort ein Raum zur Verfügung – Toilette und Küche werden gemeinsam mit der Sozialstation der Caritas genutzt, die dort ebenfalls einzieht. "Ich denke, das ist eine gute Kombination", befindet Ohnemus-Wolf. Am ersten August habe der Umzug stattgefunden, sogar einen Großteil des Mobiliars habe die Hausacher Pfarrgemeinde zur Verfügung gestellt.

38 Jahre lang war die Fachstelle im Hausacher Rathaus untergebracht, teilte sich das Trauzimmer mit anderen Stellen. "Wir waren natürlich dankbar, dass wir die Möglichkeit dort hatten", sagt Ohnemus-Wolf rückblickend. Aber im Rathaus lag der Wartebereich direkt vor dem Sitzungszimmer – das habe gegen die Anonymität gesprochen, die den Klienten besonders wichtig ist. Nun, in den neuen Räumen, sei es diskreter, erzählt sie mit Blick auf den Wartebereich vor dem Büro. "Auch die erste Beratung hat schon in den neuen Räumen stattgefunden", so Ohnemus-Wolf.

82 Betreuungen habe die Außenstelle im vergangenen Jahr verzeichnet – von einigen Gesprächsterminen bis hin zu einem Jahr ambulante Reha. Beraten werden hauptsächlich Betroffene, aber auch Angehörige oder Arbeitgeber.

82 Betreuungen im vergangenen Jahr

Der Schwerpunkt liege dabei auf Alkohol-, Medikamenten- und Glücksspielsucht. Die Außenstelle in Hausach decke mit den Beratungen das gesamte Kinzigtal ab, so Ohnemus-Wolf.

Die Beratungsgespräche seien der Anfang. Der Betroffene brauche gute Gründe, um aus der Sucht herauskommen zu wollen. "Oft zeigt sich, dass sie an einem Punkt angelangt sind, an dem sie merken, dass es so nicht weitergehen kann", erklärt sie. In der Regel kommen die Betroffenen selbst, manchmal in Begleitung. Oftmals sei der Auslöser auch ein Hinweis vom Hausarzt. Dann werde gemeinsam geschaut, welche Angebote für den Klienten infrage kommen – zum Beispiel eine ambulante Betreuung oder das neue Programm "Weniger Alkohol – mehr Gesundheit".

Aber auch Angehörigenwerde den Sprechstunden geholfen. Ohnemus-Wolf möchte allerdings nicht von "Co-Abhänigkeit" sprechen. "Sie tun alles, um dem Betroffenen zu helfen", sagt sie. Es gelte, die Angehörigen zu stärken und ihnen zu vermitteln, dass sie in dieser Belastungssituation auch für sich selbst sorgen müssten. "Für sie braucht es ein ähnliches Netz an Hilfe und Beratungen wie für die Betroffenen selbst." Je länger sie die Folgen der Sucht abmilderten, desto länger brauche es, bis ein Betroffener einsieht, dass er Hilfe braucht. Immerhin sei Alkoholkonsum in der Gesellschaft allgegenwärtig und hochakzeptiert.

Die Hausacher Außenstelle der Fachstelle Sucht ist nun in der Klosterstraße 21 zu finden. Beratungstermine können unter der Telefonnummer 0781/9193480 oder per E-Mail an fs-offenburg@bw-lv.de vereinbart werden. Eine Sprechstunde ohne Voranmeldung findet donnerstags von 16 bis 17 Uhr in Hausach statt.

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