Hausach Stadtbegehung mit Hindernissen

Bürgermeister Wolfgang Hermann lässt sich von Cornelia Isenmann zeigen, wo im Städtle Stolperfallen für Blinde und Sehbehinderte Menschen lauern. An der Fußgängerampel habe sich schon einiges getan – unter anderem sei die Schaltzeit verlängert worden. Foto: Beule Foto: Schwarzwälder Bote

Wer sieht, kann sich wohl kaum vorstellen, welche Stolperfallen im Städtle für blinde oder Sehbehinderte Menschen lauern. Bei einer Stadtbegehung zeigte Cornelia Isenmann, wo es bereits Verbesserungen gegeben hat und wo es noch immer hakt.

 

Hausach. In der jüngsten Gemeinderatssitzung hat die sehbehinderte Isenmann um eine weitere Stadtbegehung gebeten. Gemeinsam mit Ordnungsamtsleiter Harald Bollweber und Ratsmitglied Konrad Schmid ließ sich Bürgermeister Wolfgang Hermann nun zeigen, wo es im Städtle noch hakt und wo es seit der letzten Begehung im August 2015 schon Verbesserungen gegeben hat. Der Rundgang begann am Rathaus.

  Sparkasse: Dort hat es bereits eine Verbesserung gegeben. Die Abdeckung über dem Bächle ist breiter geworden. "Das ist jetzt gut geregelt", erklärte Isenmann. Ebenso ein paar hundert Meter weiter am Brunnen, wo die Abdeckung ebenfalls verbreitert wurde.

  "Triangel": Hier stören Isenmann die schrägen Stangen des Vordachs. "Wer mit dem Stock tastet, stößt sich möglicherweise den Kopf", erklärte sie. Auch Hermann sieht das Problem. Allerdings sei es ihm wichtig, weiterhin die Gastronomie dort zu ermöglichen – und das gehe an dieser Stelle nur auf dem Gehweg. Vielleicht seien Sonnenschirme eine gute Lösung, schlug Bollweber vor. Auf jeden Fall wolle er mit der Wirtin sprechen, um eine Lösung zu finden, die für beide Seiten zufriedenstellend ist.

  Entlang der Hauptstraße: Isenmann wies auf eine Straßenlaterne hin, die mittig auf dem Bürgersteig steht. Solche Dinge könnten unter Umständen nicht verändert werden. "Das sind gewachsene Strukturen", sagte er. Wenn eine der Laternen versetzt würde, könnte es sein, dass auch andere entlang der Straße versetzt werden müssten, um ein einheitliches Stadtbild zu erhalten. Auf dem Gehweg geparkte Roller und Fahrräder seien dagegen ein wirkliches Problem. "Dadurch wird der Gehweg zur Engstelle", sagte Hermann. Sie sollten so abgestellt werden, dass sie den Weg nicht blockieren.

  Eiscafé Venezia: Die Bestuhlung vor dem Eiscafé hatte Isenmann schon bei der vergangenen Stadtbegehung bemängelt. Aus ihrer Sicht habe sich an der Situation nichts geändert. Zwischen den Tischen, den beiden Bänken und den Blumenkübeln sei für sie mit ihrem Bollerwagen einfach kein Durchkommen. "Wir weisen unsere Gäste natürlich darauf hin, dass sie die Tische nicht verschieben und auf andere Rücksicht nehmen sollen", erklärte Damiano Colle, der das Eiscafé mit seiner Frau Annett betreibt.

Die Anordnung der Tische und Stühle sei im Vorfeld mit der Stadt abgesprochen und genehmigt worden. Die beiden Kübel und die Bänke seien als Abgrenzung gedacht – einerseits zur Straße, aber auch zu den Parkplätzen. "Wir haben darauf geachtet, dass auch Kinderwagen und Rollstuhlfahrer durchkommen", sagte Colle auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten. Und die hätten bisher keine Probleme gehabt. "Vielleicht könnte man an dieser Stelle schmalere Edelstahlpoller aufstellen, sodass der Weg insgesamt breiter wird", schlug Hermann vor.

 Kinzigdamm: Dort sei die Beleuchtung nicht ausreichend, so Isenmann. Da die Leuchtkörper ohnehin demnächst ausgetauscht und auf LED-Beleuchtung umgestellt werden (wir berichteten), "sollten wir erst mal abwarten, wie hell die Beleuchtung dann ist", schlug Hermann vor.   Zurück zum Rathaus: Unter den Arkaden sieht Isenmann beim NKD-Markt wieder eine Engstelle. Die Auslagekörbe seien zu breit, so Isenmann. Die alten Körbe seien schmaler gewesen, erklärte die Verkäuferin. Doch leider gebe es nur noch diese. Er würde sich da schon etwas einfallen lassen, versprach Bollweber. An den Stufen zum Kanal wolle er prüfen, ob der Bauhof ein Geländer montieren kann, so der Ordnungsamtsleiter.

 Ausgangspunkt: Auf dem Weg zurück zum Ausgangspunkt hat Isenmann noch ein Anliegen. Sie hatte einen Langstock und eine Augenbinde mitgebracht. Bollweber ließ sich die Augen verbinden und suchte sich von der Lindenstraße aus seinen Weg bis zur Fußgängerampel am Rathaus. Eine spannende Erfahrung, sagte er.

"Wir gehen die Punkte an, die wir besprochen haben", versprach Hermann anschließend. Es müsse aber für alle Seiten zufriedenstellend sein, betonte er.

Der Weiße Langstock ist ein Blindenstock und hilft Menschen, die blind oder sehbehindert sind, sicher, selbstständig und effektiv mobil und orientiert zu sein. Er ist in Deutschland ein Verkehrsschutzzeichen sowie ein optisches Erkennungsmerkmal, das Sehenden signalisiert, Rücksicht zu nehmen.

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