Hausach Rewe kauft Grundstücke beim Bahnhof

Der neue Rewe-Markt beim Hausacher Bahnhof soll einen Parkplatz mit 85 Stellplätzen in einer Breite von 2,75 Metern erhalten. Foto: Störr

Hausach - Bei zwei Gegenstimmen hat sich der Hausacher Gemeinderat für die Ansiedlung eines Rewe-Markts auf dem Bahnhofsareal ausgesprochen. Vorausgegangen war eine Präsentation durch Projektierer Joachim Feyerer von der Balinger Firma Compact.

 

Der Sitzungssaal platzte am Montag fast aus den Nähten, das Interesse der Hausacher war enorm. Seit Jahren bewegt die Gemeinde die Frage nach der Grundversorgung der Bevölkerung durch einen Lebensmittel-Vollversorger.

"Es geht nicht um Rewe oder Edeka"

Bürgermeister Wolfgang Hermann umriss zu Beginn: "Es geht der Verwaltung nicht um Rewe oder Edeka. Es geht darum, dass Rewe Grundstücke erwerben wollte, um einen Lebensmittelmarkt zu errichten. Gleichzeitig hat Edeka für den Standort West einen Mietvertrag über 15 Jahre unterschrieben. Die fußnahe Versorgung des Senioren-Zentrums und Hausach West ist durch den Vertrag gewährleistet. Heute geht es darum: Was machen wir mit dem Antrag von Rewe?"

Feyrer verwies auf die nichtöffentliche Sitzung vor fünf Wochen, als dem Gremium die Planung vorgestellt wurde. Am jetzigen Standort sei keine Weitervermietung zustande gekommen, man habe sich auf die Suche nach einer Alternative begeben. "Man kann als Vermieter nicht nur die Miete aus einem Gebäude ziehen", machte es Feyrer kurz.

"Seit 14 Tagen ist nun der Kauf der beiden Grundstücke gegenüber dem Bahnhof notariell beurkundet", erklärte der Projektierer. Man wolle mit Nachhaltigkeit dokumentieren, dass in Hausach ein Vollsortimenter etabliert werden soll. Studien würden belegen, dass in diesem Bereich viel Geld in Richtung Haslach und Wolfach abfließen würde.

Bürgermeister Hermann war wichtig, dass das baurechtliche Verfahren erst mit Gremiums-Beschluss eingeleitet wird und die anschließende Visualisierung lediglich einen Entwurf darstelle. Dass die Modelleisenbahn aus wirtschaftlichen Gründen den Standort 2019 aufgebe, fand er schade; allerdings werde in Gesprächen ausgelotet, ob sie künftig vielleicht in kleinerer Form an einem anderen Standort betrieben werde.

Kleine Betriebe könnten unter zwei Vollsortiment-Märkten leiden

Gemeinderätin Brigitte Salzmann (SPD) erkundigte sich nach dem regionalen Bäcker, der im neuen Rewe-Markt angesiedelt werden soll. Seitens des Unternehmens wurde erklärt, dass "der stärkste Bäcker der Gegend, der die Investitionen für den Backstand aufbringt", den Zuschlag erhalte. Franz-Josef Wölfle (Grüne) sah mit einer Erweiterung von Verkaufsflächen die Unterstützung des Verdrängungs-Wettbewerbs kleiner Betriebe, das könne er nicht unterstützen.

Ganz anders dagegen Thomas Waldenspuhl (CDU), der es einen Glücksfall nannte, dass der Standort gefunden worden sei. "Es ist nicht einfach – und wir machen es uns nicht einfach", betonte er. Bürgermeister Hermann warf die Frage auf: "Was machen wir, wenn Edeka den Vertrag - warum auch immer - nicht einhält? Würde Rewe den Markt übergangsweise weiter betreiben?" Das Unternehmen befand: Nur wenn die Rahmenbedingungen stimmen und der erhebliche Investitionsstau ein Stück weit bereinigt werde. Der Standort werde nicht ohne Grund aufgegeben, grundsätzlich sei man aber bereit, auch einen zweiten Standort zu betreiben.

Als SPD-Fraktionssprecherin verlas Salzmann eine Erklärung und wollte diese auch protokolliert wissen. Die Konzeption und Präsentation der Rewe-Planung habe die Fraktion uneingeschränkt überzeugt, doch auch Hausach West benötige weiterhin eine wohnortnahe Lebensmittelversorgung.

Für die Freien Wähler verlas Stefan Armbruster: "Der gravierende Nachteil am Standort West ist das vorliegende Konzept von Edeka, das nicht überzeugt, weil sich das Vorhaben auf zwei Häuser erstreckt." Am Bahnhof werde ein vorhandener Standort verwendet, es müssten keine grünen Wiesen versiegelt werden.

Wie Joachim Feyrer dem Gremium erklärte, soll der neue Rewe-Markt beim Hausacher Bahnhof einen Parkplatz mit 85 Stellplätzen in einer Breite von 2,75 Metern erhalten. In dem dreigeschossigen Gebäude soll mit viel Tageslicht gearbeitet werden. Im Untergeschoss wird sich das Lager befinden, ebenerdig soll auf 1500 Quadratmetern der Verkauf stattfinden und vorgelagert ein regionaler Bäcker seine Ware anbieten, im Obergeschoss werden Sozialräume angesiedelt.  

Zum Vergleich: Der Markt in Hausach West verfügt über knapp 1000 Quadratmeter Verkaufsfläche, der Markt in Haslach über 1700 Quadratmeter. Die zeitliche Umsetzung hängt am Bebauungsplanverfahren, optimistisch sei eine Genehmigung in sieben Monaten. Die reine Bauzeit wird mit sieben Monaten veranschlagt, Ziel wäre eine Eröffnung des neuen Markts Weihnachten 2019.

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