Hausach Preis als Krönung des Leselenzes

José F.A. Oliver (von links), Doris Sistiaga-Thumm, Hartmut Märtin, Ulrike Wörner und Ulrike Tippmann begrüßen die Wahl Finn-Ole Heinrichs zum ersten Preisträger des Leselenz-Literaturpreises. Foto: Reinhard

Finn-Ole Heinrich ist der Preisträger des neuen Leselenz-Preises der Thumm-Stiftung für Junge Literatur. Die Auszeichnung wird anlässlich des 20-jährigen Bestehens des Festivals erstmals vergeben.

Hausach. "Wir wollten zum 20. Geburtstag etwas ganz Besonderes und einen Leselenz-Literaturpreis zu vergeben war schon immer ein Traum von mir", erklärte Kurator José F. A. Oliver bei einem Pressegespräch, in dessen Verlauf der Gewinner der Auszeichnung bekannt gegeben wurde. Er ist mit 5000 Euro dotiert und wird von der Thumm-Stiftung für ein Gesamtwerk vergeben.

Deren Vorsitzende Doris Sistiaga-Thumm, informierte über die Stiftung. Ihr verstorbener Mann Gerhard Thumm hatte deren Gründung testamentarisch verfügt. "Er hat Chemie und Pharmazie studiert, und war selbstständiger Apotheker", erzählte Sistiaga-Thumm. "Aber er hat viel gelesen, auch selber geschrieben und sich viel mit Sprache auseinandergesetzt." Als Liebhaber der Lyrik habe er beispielsweise ein poetisches Herbarium verfasst, von dem er in einer selbst herausgegebenen Apotheken-Zeitschrift immer wieder Teile veröffentlichte. Da es ihm wichtig gewesen sei, dass Literatur an sich und der Nachwuchs gefördert werden, verfügte er die Gründung der Thumm-Stiftung. Auf die Frage, warum sie gerade den Leselenz mit einer Auszeichnung fördern will, erklärte sie: "Ich habe überlegt, wo ich eine derartige Auszeichnung sinnvoll einbringen kann. Ich habe José Oliver angerufen und ihn gefragt, ob er eine Idde hatt. Und die hatte er". es folgten zahlreiche Gespräche sowie ein Besuch des Leselenzes im vergangenen Jahr. "Und jetzt bin ich mit vollem Herzen dabei", so Sistiaga-Thumm.

Laut Oliver ist der Leselenz-Preis erst einmal als Pilotprojekt für eine Dauer von drei Jahren und soll für das bis dato veröffentlichte Gesamtwerk vergeben werden. "Danach wird man sehen, wie sich das weiterentwickelt", sagte er, betonte aber auch die Hoffnung auf eine langfristige Kooperation. Die Auszeichnung soll bei der Eröffnungsveranstaltung des Leselenzes vergeben werden.

Wer ihn entgegen nehmen wird, gab die stellvertretende Festival-Leiterin Ulrike Wörner bekannt. "Der Preisträger ist einer der außergewöhnlichsten Jungliteraten: Finn-Ole Heinrich", verkündete sie. Dessen Werke wie "Frerk, du Zwerg" und "Maulina Schmitt" seien nicht nur toll geschrieben, sondern auch wunderschön illustriert. "›Wenn man über alles lacht, dann ändert sich doch nichts‹", zitierte sie aus einem seiner Werke und ergänzte: "Das kann als Motto für sein Werk gesehen werden, für seine Bücher, die ihren Lesern – ob jung oder alt – etwas zumuten."

Dass Heinrich eigentlich Regie studiert und auch viele Filme gedreht habe, merke der Leser am szenenartigen, lebendigen Schreibstil. "Er ist aber auch deshalb ein außergewöhnlicher Literat, weil er sich nicht den pädagogischen Zeigefinger braucht, sondern andere Wege nutzt, um seine Moral dem Leser nahe zu bringen", lobte Wörner weiter. Heinrich, der sich laut Oliver sehr über diese Auszeichnung freue, werde die Reihe "Kinderleicht und lesejung" im Rahmen des Literaturfestivals eröffnen.

Ulrike Tippmann als Vorsitzende des Fördervereins lobte die Jury. Oliver, Wörner und Sistiaga-Thumm hätten eine "hervorragende Wahl getroffen". "Ich finde es großartig, dass der Preis dem Leselenz sozusagen das I-Tüpfelchen aufsetzt", sagte sie.

Kulturamtsleiter Hartmut Märtin erinnerte daran, dass die Stadt Hausach Oliver vor zehn Jahren für den Kulturamtspreis vorgeschlagen hatte. "Jetzt sind wir soweit, dass wir selber einen Preis vergeben können", freute er sich. Ich bin gespannt, was in den kommenden 20 Jahren noch alles passiert."

Der erste Leselenz-Preis wird am Freitag, 7. Juli, in der Stadthalle vergeben. Die Auszeichnung wird von einem Kulturprogramm begleitet.

Zur Person

Finn-Ole Heinrich, geboren 1982, wuchs in Cuxhaven auf. Er studierte in Hannover Filmregie. Als Autor debütierte er mit 23 Jahren mit dem Erzählband "die taschen voll wasser". Sein erster Roman ist "Räuberhände" aus dem Jahr 2007. Das Werk ist mittlerweile Abiturthema in Hamburg. Sein Kinderroman "Frerk, du Zwerg" erschien 2011 und wurde als Musiktheater 2012 aufgeführt. Bekannt ist außerdem seine Trilogie "Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt". Heinrich wurde mehrfach ausgezeichnet. Er lebt in Hamburg, Kiel und Südfrankreich.