Hausach Oberste Regel: Die "Tortilla" ist heilig

Charlotte Auel einer Taquería mit einem Teller "Taco al Pastor". Das ist der typische Taco aus Puebla – mit Maistortilla, Zwiebeln, Koreander und Ananas. Foto: Privat Foto: Schwarzwälder Bote

Die Hausacherin Charlotte Auel ist seit August vergangenen Jahres in Mexiko und arbeitet dort als Freiwillige des Roten Kreuzes im Casa del Àngeles in Puebla. Im achten Teil ihres Auslandstagebuchs berichtet sie über das mexikanische Essen.

Hausach/Puebla. Die Vielfalt an Köstlichkeiten, auf die die Mexikaner sehr stolz sind, ist enorm. Doch zunächst ein paar allgemeine Grundregeln. Erstens: Vorsicht mit der Schärfe! Denn "scharf" wird in Mexiko anders definiert als in Deutschland. Wenn ein Mexikaner warnt, das Essen sei ein bisschen scharf, ist es mit allerhöchster Vorsicht zu probieren. Oft ist es zum Glück nur die "Salsa", die dem Essen seine Schärfe verleiht.

Zweitens: Kein Leitungswasser trinken. Das Leitungswasser unterliegt keinen strengen Kontrollen, weshalb fast alle Mexikaner aus sogenannten "gárrafones" (große, runde, mit Trinkwasser gefüllte Plastikbehälter) trinken. In unserer Wohngemeinschaft bestellen wir das Wasser über den Nachrichtendienst WhatsApp. Nach kurzem Warten kriegen wir zwei "gárrafones" mit je zehn Litern für insgesamt 30 Pesos (1,30 Euro) auf einem kleinen Handkarren geliefert. Die letzte und wichtigste Regel: Die "Tortilla" ist in Mexiko heilig. Unter Tortilla versteht man hier, anders als in Spanien, einen Maisfladen, der als Beilage zu fast allem verspeist wird. Den Mexikanern ist ihre Tortilla so wichtig, wie den Deutschen ihr Brot.

Eines meiner Lieblingsgerichte sind "Enfrijoladas". Das sind mit Hühnchen oder Schwein gefüllte Tortilla, die mit einer Soße aus "frijoles" (Bohnen) übergossen und mit Käse bestreut werden.

Nationalgericht Tacos

Ein weiterer Höhepunkt sind "Tamales". Hierbei wird ein mit Schweineschmalz vermischter Maisteig auf ein Mais- oder Bananenblatt gestrichen. Danach wird eine Füllung aus Fleisch, Salsa und anderem hinzugefügt. Das Blatt wird zusammengefaltet, mit einer Schnur gesichert und etwa eine Stunde lang gegart. Und das Resultat ist köstlich.

Als wir Freiwillige in Mexiko ankamen, fielen uns sofort die dönerähnlichen Fleischspieße auf, die es fast an jeder Ecke gibt. Dieses Fleisch dient für das wohl wichtigste Nationalgericht, die Tacos. Das sind mit Fleisch gefüllte Tortillas. Für weitere Zutaten gibt es keine Grenzen: rote oder grüne Salsa, Avocado, "Crema" (vergleichbar mit saurer Sahne), Zwiebeln, Ananas, Käse und so weiter.

Mexiko besitzt eine ausgeprägte Essenskultur auf der Straße. Es gibt viele kleine Stände, die köstliche und günstige Mahlzeiten anbieten. Das Essen auf der Straße macht es den europäischen Mägen nicht gerade einfach, sorgt aber für eine ausgelassene Atmosphäre.

Obst und Gemüse

Die Märkte bieten nicht nur Möglichkeit zum Essen, sondern auch zum Einkaufen von frischem Obst und Gemüse. Meine Favoriten sind Mangos und Avocados. Den frischen Mangos kann man die Schale mit der Hand abziehen. Noch dazu sind sie, genauso wie die Avoacados, viel reifer und saftiger als jene, die man in deutschen Supermärkten findet.

Ich muss zugeben, dass ich deutsches Essen vermisse. Vor allem Brot, aber auch mein Lieblingsgericht "Chili con carne" (deutsch: Chili mit Fleisch). Vor meinem internationalen Freiwilligendienst dachte ich, dieses Gericht sei in jedem mexikanischen Restaurant zu finden. Das war eine falsche Vorstellung (siehe Info). Andersherum werde ich nach meiner Rückkehr sicherlich einige mexikanische Gerichte vermissen. Vor allem dann, wenn ich in deutschen Supermärkten die teuren, aber von der Qualität her längst nicht so guten Avocados und Mangos sehen werde.

"Chili con carne" ist ein scharfes Gericht aus Fleisch und Chilischoten. Es ist typisch für die sogenannte Tex-Mex-Küche, ein in den USA entwickelter Kochstil, der Gerichte aus dem US-Bundesstaat Texas und dem Norden Mexikos kombiniert.