Hausach Nicht wegschauen, wenn Tiere leiden

Auch wenn Corona 2020 vieles gestoppt hat: Der Tierschutz musste natürlich trotzdem weitergehen. Dabei hat die Pandemie einiges durcheinandergewirbelt.

Mittleres Kinzigtal. Helfer, die zur Risikogruppe gehören und deswegen wegfallen, erschwerte Abgabebedingungen: Der Tierschutzverein Kinzigtal in Hausach berichtet von einem schwierigen Jahr. Trotzdem habe man 2020 einige positive Erfolge verzeichnen können, schreibt Kassiererin Luisa Lutz auf Anfrage unserer Zeitung.

Bevölkerung soll auf Probleme aufmerksam gemacht werden

"Dazu gehören das erfolgreiche Crowdfunding, um die Beschriftung des Tierheim-Autos sowie zwei großer Schilder zu finanzieren", schreibt Lutz. Mit diesen soll die Bevölkerung besser auf den Verein aufmerksam gemacht werden, damit die Tiere schneller ein neues Zuhause finden. Und natürlich auch, um bei Problemen schneller helfen zu können.

"Außerdem wurden auch im Jahr 2020 einige kleine Babykatzen gefunden, die in keinem guten Zustand waren. Durch die intensive Pflege unserer Tierheimleitung konnten diese heranwachsen und schließlich ein tolles Zuhause finden", informiert Lutz.

Dank einiger aufmerksamer Mitbürger hat der Verein zudem auch in diesem Jahr einige herrenlose Katzen kastriert und somit deren ungeplante Vermehrung eingedämmt. Entlaufene Hunde wurden ihren Besitzern zurückgebracht. Aber auch einige Einschläferungen musste der Verein 2020 verzeichnen.

Dass am Tierheim Vieles umgebaut wird, ist kein Geheimnis. "Gegen Ende des Jahres konnten die Bauarbeiten für die neue Quarantäne- und Krankenstation vollendet werden", schreibt Lutz.

"Auch für das Jahr 2021 wollen wir uns weiter verbessern und hoffen dabei auf die Unterstützung und das Verständnis unserer Mitbürger", blickt die Kassiererin in die Zukunft. Der Verein sei dankbar für die Aufmerksamkeit der Kinzigtäler, die über gefundene Tiere informiert haben. Und besonders für die Helfer, "auf die auch in so schweren Zeiten immer Verlass ist". Der Verein hoffe, dass 2021 wieder "normaler" werde und die Vereinsarbeit damit wieder leichter wird.

Vergiftete Katzen in Hornberg sorgen für Entsetzen

Auch der Tierschutzverein Hornberg/Gutach hat auf das vergangene Jahr zurückgeblickt. 28 Hofkatzen und 13 Kater wurden dort kastriert.

Hofkatzen sind oft halbwild, krank und nicht leicht zu fangen, berichtet der Verein. Oft fahren die Mitglieder mehrere Male zu den Höfen bis alle Tiere gefangen sind. 14 Kitten wurden vermittelt, acht von ihnen monatelang von den Mitgliedern gesund gepflegt. Sieben Jungtiere waren so krank, dass sie gestorben sind oder vom Tierarzt erlöst werden mussten. Zehn erwachsene Katzen fanden ein Zuhause, vier gefundene Katzen mussten aufgrund von Verletzungen oder Krankheiten eingeschläfert werden.

Schlimm war die Vergiftung von zwölf Katzen im Rubersbach in Hornberg, von denen fünf nicht überlebten (wir berichteten). Zwei tote Katzen wurden in einem Plastikeimer gefunden. In diesem Fall und dem von präparierten Hundeködern in Hausach, schaltete sich die Tierschutzorganisation PETA ein und setzte zusammen mit Bürgern erfolglos eine Belohnung zur Ergreifung der Täter aus.

In zwei Fällen wurden nach einem Umzug Tiere einfach zurückgelassen. Einmal waren es 13 Katzen, die nun vom benachbarten Landwirt mit Trockenfutter gefüttert werden. Für das Nassfutter sorgen Mitglieder des Vereins. Im zweiten Fall wurde monatelang ein Aquarium mit Fischen sich selbst überlassen. Überlebt haben nur 13 Goldfische, die restlichen Fische starben in der braunen Brühe qualvoll. Die Goldfische haben einen Pflegeplatz bekommen.

Zudem wurden in Hornberg fünf ausgesetzte Kaninchen eingefangen. Animal SOS Hofstetten übernahm die Tiere und vermittelte sie.

Dramatisch war der Fall eines Hundes, der nach einem Autounfall in Gutach entlaufen war. Der Verein stellte tagelang Futterstellen auf und der Hund fand wieder nach Hause. Zwei weitere entlaufene Hunde wurden ihren Besitzern unverletzt übergeben. Die Besitzer von zwei entlaufenen Katzen wurden ausfindig gemacht. Von einem Hund fehlt noch jede Spur.

Auch um Vögel kümmerte sich der Verein: eine verletzte Elster, zwei zugeflogene Wellensittiche, eine flugunfähige Taube und ein verirrter Kanarienvogel. Alle haben überlebt und konnten in Freiheit entlassen werden oder haben Plätze bekommen. Dann war da noch der entflohene Adler in Hornberg, der von der Tochter eines Vereinsmitglieds gesichtet wurde. Der Besitzer wurde informiert und der Adler konnte abgeholt werden (wir berichteten).

Gerufen wurde der Verein auch zu Eseln, Pferden und Ponys. Bei Einigen lies die Pflege sehr zu wünschen übrig, aber Gespräche mit den Besitzern waren erfolgreich und die Missstände wurden behoben. Dazu kamen unzählige Fahrten zum Tierarzt um Tiere behandeln zu lassen. Die Tierarztkosten betrugen im Jahr 2020 mehr als 9000 Euro. Der Appell des Vereins an alle Katzenbesitzer lautet nach wie vor: "Bitte lassen sie ihre Tiere kastrieren um das Leid zu beenden. Setzen Sie Ihre Tiere nicht aus oder überlassen sie ihrem Schicksal. Und schauen Sie nicht weg, wenn ein Tier leidet."

Bekanntlich hat der Tierschutzverein die Betreuungsverträge mit den Gemeinden gekündigt. Zum aktuellen Sachstand schreibt Luisa Lutz, dass voraussichtlich Anfang Februar Verhandlungen aufgenommen werden sollen – sofern Corona dies nicht verzögert. "Bis dahin sind wir auch wie bisher für die Gemeinden zuständig", schreibt sie.

  • Bewertung
    4