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Hausach Im Dialog das Gemeinsame aufzeigen

Hans-Michael Uhl will die Tür für den Dialog der Konfessionen und Religionen öffnen. Foto: Kluckert

Katholiken, Juden, Muslime – darunter Aleviten, Schiiten und Suniten – gemeinsam in einem evangelischen Gottesdienst: Das ist bisher einzigartig im Kinzigtal. Dabei soll das Gemeinsame und Besondere der Religionen und Konfessionen erfahrbar gemacht werden.

 

Hausach. Eingeladen haben die evangelische Kirche Hausach und Gutach im Rahmen der zahlreichen Veranstaltungen zum Lutherjahr. "… da ist Freiheit: Zum Dialog der Religionen" lautet der schlichte Titel dieser doch recht ungewöhnlichen Begegnung am Sonntag, 17. September, ab 18 Uhr. Initiator des Abendgottesdienstes ist der Hausacher Pfarrer Hans-Michael Uhl. Für ihn ist die Zeit reif, auch den dunklen Teil der Reformationsgeschichte in den Fokus zu rücken; die unbarmherzige Haltung Luthers gegenüber allen, die anders dachten und glaubten als er, Katholiken, Baptisten und vor allem auch Juden und Muslime. "Es waren auch Luthers harte Worte, die zu unbarmherziger Verfolgung, zu Gewalt und Krieg zwischen Menschen unterschiedlichen Glaubens führten", so der Pfarrer. "In jungen Jahren wurde Luther dieser Dialog verweigert, in späteren Jahren hat er ihn verweigert."

Aktive Toleranz leben

Mit dem Gottesdienst möchte Uhl dazu auffordern, mit ihm aktive Toleranz zu leben – jenseits der Sonntagspredigten und Fensterreden Es ist nicht selbstverständlich, dass Juden und Muslime zusammenkommen, dass sich Aleviten und Suniten begegnen, die zwar beide der islamischen Religion zugehören, aber ihren Glauben sehr unterschiedlich praktizieren. So tragen die alevitischen Frauen im Gegensatz zu den sunitischen kein Kopftuch und der Tanz spielt in ihrem Gottesdienst eine große Rolle.

Gäste gestalten mit

Und wie werden nun die unterschiedlichen Gruppen in den Gottesdienst konkret mit einbezogen? Katholiken beten das gemeinsame christliche Glaubensbekenntnis. Frauen aus den jüdischen Gemeinden in Freiburg und Emmendingen lesen Psalmen und der kleine Chor der muslimischen Gemeinde Haslach singt das Gotteslob. Auch der Chor unter der Leitung von Reinhard Bäder und der Organist Friedhelm Bals tragen zur musikalischen Gestaltung bei. "Wir feiern am Sonntagabend einen evangelischen Gottesdienst, in dem Gäste anderer Konfessionen und Religionen Elemente gestalten", so Uhl.

"Wir suchen auf lokaler und regionaler Ebene seit gut zehn Jahren den Dialog mit anderen Konfessionen und Religionen. Da reicht es irgendwann nicht mehr aus, verglichen mit dem Umgang mit dem Nachbarn mal freundlich zu grüßen oder am Gartenzaun höflich Freundlichkeiten auszutauschen. Wir müssen sie auch in unser Wohnzimmer einladen. Und das Wohnzimmer der Gemeinde ist die Kirche, ist der Gottesdienst", so Uhl. Der Dialog müsse aber auf freiwilliger Ebene geschehen, denn einen Druck zur Toleranz dürfe es nicht geben.

Einladung zum Zuhören

Dem Pfarrer ist klar, dass nicht jeder in seiner Gemeinde diesen Gottesdienst gutheißt. Jedoch warnt er davor, diese Menschen wegen ihrer kritischen oder ablehnenden Haltung zu maßregeln oder stigmatisieren. "Aber ich lade alle ein zu kommen und zu schauen, was wir sagen und machen", ruft er zu einer Teilnahme am Gottesdienst auf. "Im Anschluss daran besteht im Gemeindezentrum bei einem Umtrunk die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen, Fragen zu stellen oder auch seine Bedenken oder Sorgen zu äußern."

Persönliche These

Uhl formuliert seine persönliche These zur Reformation wie folgt: "Wir müssen den Mut haben, mit Luther gegen Luther zu argumentieren. So wie er es getan hat, braucht es den Mut, inspiriert durch das Evangelium, gute alte Traditionen aufzugeben". Nur so sei Ökumene möglich und die Frauenordination denkbar gewesen, nur so werde auch die gleichgeschlechtliche Partnerschaft akzeptabel und sei der interreligiöse Dialog zu verantworten.

"Auch was in der Zeit der Reformation noch nicht denkbar war, darf heute als evangelisch gelten", unterstreicht der Pfarrer.

INFO

"Schau mich an"

Im Evangelischen Gemeindehaus kann nach dem Gottesdienst die Ausstellung "Schau mich an" betrachtet werden. Sie zeigt Schwarz-Weiß-Bilder der Fotografin Ingrid Vielsack von Menschen unterschiedlicher Kultur und Religion, die zwischen 1945 und 2016 geflohen sind und in Deutschland Asyl gefunden haben. Die Ausstellung zeigt nach Vielsacks Aussagen keine schrecklichen Bilder, keine weinenden Kinder oder Männer und Frauen am Rande ihrer physischen und psychischen Kraft. Es sind vielmehr Menschen, die bei uns in der Region angekommen sind.

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