Hausach "Hebel bei den Umsätzen ansetzen"

Das Kinzigtalbad soll den derzeitigen Planungen nach Ende des Jahres bis Anfang 2020 fertig gestellt sein. Archivfoto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Ein Defizit in Höhe von 1,75 Millionen Euro hat das Stegermatt-Bad in Offenburg in seinem ersten Jahr eingefahren. Das wirft bei manchen wohl Frage auf, ob es beim Kinzigtalbad ähnlich laufen könnte. Das Büro Kannewischer hat bei beiden Bädern das Betriebskonzept erstellt.

Hausach. Fast 40 Millionen Euro hat das Schwimmbad in Offenburg gekostet, das vor zwei Jahren in Betrieb genommen wurde. 14 Monate nach der Eröffnung hatten mehr als 300 000 Gäste das Bad besucht; ein Drittel mehr als erwartet. Das schlug sich allerdings nicht auf die Betriebskostendefizit nieder: Laut einer Machbarkeitsstudie aus dem Jahr 2010 sollte dieses jährlich bei 700 000 Euro liegen. 2018 war es aber mit 1,75 Millionen Euro sehr viel höher als erwartet.

Beauftragtes Büro: Die Entwicklung in Offenburg wird so manchen Kinzigtäler aufhorchen lassen: Sowohl für das Stegermatt- als auch für das Kinzigtalbad wurde das Schweizer Büro Kannewischer beauftragt, ein Betriebskonzept zu erstellen. Stefan Studer hatte es 2013 dem Gemeinderat vorgestellt. Kannewischer bezeichnet sich auf seiner Internetseite selbst als "Dienstleister für die Bäder- und Wellnessbranche", berät zum Bau von Schwimmbädern und betreibt diese auch. Defizitärer Betrieb: Dass Bäderbetriebe defizitär laufen, sei normal und dass das Defizit im ersten Jahr höher ausfalle, sei ebenfalls nicht unüblich, erklärt Stefan Studer auf Anfrage des Schwabo. Die Berechnungen bezögen sich immer auf ein Normaljahr und die ersten zwölf Monate liefe in einem Schwimmbad eben nicht alles schon normal. "Da geht erst einmal noch alles drunter und drüber und der Betrieb muss sich erst einmal einpendeln", erklärt er.

Stellschrauben: Verschiedene Stellschrauben müssten gedreht werden, um den Betrieb zu optimieren. Gerade in der Hinsicht, dass die Kosten, besonders beim Personal, in der Regel steigen, müsse dann meistens auf der Verbraucherseite etwas eingespart werden. "Man kann den Betrieben nur raten, den Gürtel eng zu schnallen und den Hebel vermehrt auf der Einnahmeseite anzusetzen. Für uns ist es ein Dauerauftrag zu schauen, wo man noch etwas reduzieren kann."

In der Regel gelinge das in den Folgejahren, meistens nach etwa 36 Monaten. Handle man nicht, tue sich die "Defizit-Schere" auf: Dann wächst die Kostenseite über die Einnahmen hinaus. Grund dafür sind vor allem die Personal- sowie die Energiekosten, die jährlich steigen. Situation in Hausach: Wie hoch das Defizit in Hausach ausfalle, ließe sich nicht voraussagen, so Studer. Stand 2016 liegt es bei 550 000 Euro. Die Situation in Offenburg und im Kinzigtal sei aber nicht vergleichbar.

"Das Stegermattbad ist deutlich größer und es gab bei ihm nach der Machbarkeitsstudie noch einige Änderungen, die im Plan eingearbeitet wurden", zählt er auf. Das Hausacher Bad sei im Vergleich relativ klein – es soll 11,1 Millionen Euro kosten – und es gebe nicht so viel Spielraum beim Personal. Da die Besucherfrequenz im Kinzigtal eher gering ist, könnte es eine Option ein, auf der Umsatzseite über die Preise zu arbeiten.

Eintrittspreise: Dass die Öffentlichkeit das als problematisch empfinden könnte, ist ihm klar. "Bäder werden seit Jahren stark subventioniert, werden deshalb oft als öffentliche Aufgabe sowie wirtschaftliches Unternehmen angesehen und stehen dann oft in der Kritik, wenn sie Defizite einfahren", weiß Studer. Er verweist in diesem Zusammenhang auf den Nutzen des Schwimmbads. "Wenn wir uns etwas Schönes leisten, sollten wir auch bereit sein, einen vernünftigen Preis zu zahlen", fasst Studer zusammen.

Das sagt der Bürgermeister: Die Eintrittspreise werden laut Hausachs Bürgermeister Wolfgang Hermann frühestens in der kommenden Zweckverbandssitzung nach der Sommerpause Thema sein. Wie viel ein Besuch im Kinzigtalbad genau kosten wird, kann er jetzt noch nichts sagen. Auf jeden Fall würden aber die schlechten Erfahrungen, die das Stegermatt-Bad mit dem Zwei-Stunden-Preis gemacht hat, in die Entscheidung mit einfließen. "Da waren viele schnell wieder draußen", sagt Hermann.

Generell täten sich beim Kinzigtalbad so langsam Fakten auf, berichtet Hermann. "Das Personal liegt leicht höher als berechnet, aber da sind wir noch am Sondieren, ob man da noch was drehen kann – ob zum Beispiel das Kassenpersonal rund um die Uhr anwesend sein muss oder zu besucherschwachen Zeiten auch ein Automat ausreicht", führt der Bürgermeister aus. Energiekosten: Eine weitere Stellschraube seien die Energiekosten. Hier gebe es die meisten Unwägbarkeiten. "Da wissen wir erst Bescheid, wenn wir in Betrieb gehen", so Hermann. Über ein Blockheizkraftwerk und einen Tiefbrunnen versuchen die Verantwortlichen aber schon einmal, Kosten einzusparen. Da die jüngste Berechnung des Defizits vier Jahre alt ist, möchte er auf jeden Fall noch eine angepasste Kalkulation in Auftrag geben.

Aber der Bürgermeister geht davon aus, dass die bisherigen Planänderungen, zum Beispiel im Sauna- und Kleinkinderbereich, keinen Einfluss auf die Betriebskosten haben. "Ich bin immer noch zuversichtlich, dass sich das in einen erträglichen Rahmen bewegen wird", so Hermann abshcließend.

Das Kinzigtalbad ist ein interkommunales Projekt, das den jüngsten Berechnungen nach 11,1 Millionen Euro kosten soll. Es wird In Hausach auf dem Areal realisiert, auf dem bisher das Hausacher Hallen- und Freibad stand. Das Kinzigtalbad ist als Ganzjahresbad geplant. Während die Kinzigtäler Gemeinden die Kosten für dieses zusammen stemmen, übernimmt die Stadt Hausach das Freibad komplett. In den ersten Berechnungen war für das Kinzigtalbad von 9,5 Millionen Euro Kosten die Rede. Im Mai 2016 gab der damalige Bürgermeister von Hausach, Manfred Wöhrle, bekannt, dass diese auf 12,3 Millionen Euro steigen. Nachdem der zuständige Architekt Gunnar Lehmann dem Gemeinderat angepasste, günstigere Pläne vorlegte, entschieden sich das Gremium und der Zweckverband für eine Variante für 11,1 Millionen Euro.