Hausach Frieden ist mehr als "blauer Dunst"

Was ist Frieden? Wie ist er zu erreichen? Und was bedeutet der für jeden persönlich? Mit solchen Fragen haben sich Schüler des RGG befasst und damit sogar einen Preis gewonnen.

Hausach. Zusammen mit ihrem Religionslehrer Hans-Michael Uhl hatten sich die 21 Schüler der elften Klasse des Robert-Gerwig-Gymnasiums mit dem komplexen Thema "Frieden" befasst und damit den zweiten Preis beim Ulli-Thiel-Friedenspreis 2021 gewonnen.

Nachdem Uhl ihnen grundlegende Handreichungen an Arbeitsweisen mitgegeben hatte, ließ er die Schüler in kleinen Gruppen und "an der langen Leine" selbst ausarbeiten und sie darüber nachdenken, wie heute Wege zu Gerechtigkeit und Frieden gefunden werden können. Anfangs im Homeschooling, dann im Wechselunterricht, stets aber coronakonform. Die Schüler zeigten sich äußerst kreativ: Sie führten Interviews, erstellten Collagen, Logos, stellten Videos zusammen oder Hörtexte.

"Wir hatten die spontane Idee, Videos mit Gewalt zu zeigen und eine kontrastierenden Text über Frieden darüber zu legen", berichtet beispielsweise Luca. Eine andere Gruppe habe etwas länger gebraucht, bis sie sich für ein Konzept entschieden hatte. Schließlich interviewten sie einen Berufssoldaten und ein Mitglied einer Friedensbewegung und stellten ihnen die gleichen Fragen, wie Johanna berichtet. "Es war sehr interessant, das miteinander zu vergleichen", sagt sie.

Durch das selbstständige Arbeiten und die damit verbundene Organisationsarbeit in den Gruppen habe er ein anderen Blickwinkel auf Frieden bekommen, meint Till, und auch Julia meint, dass sie ein neues Verständnis dafür bekommen habe. Ihre grundlegende Erkenntnis: "Frieden fängt bei einem selbst an."

"Es war mir wichtig, konkret zu zeigen, dass Frieden etwas ist, was man machen kann und nicht einfach nur ›blauer Dunst‹ ist", betont Uhl. Überrascht habe ihn die Bandbreite der Ergebnisse, die die Schüler zeigten. "Mit vielem hatte ich nicht gerechnet. Auch wie ›fertig‹ die Beiträge schon waren, war erstaunlich", so der Lehrer.

Die Arbeit lohnte sich dann doppelt. Nicht nur, dass die Schüler für sich selbst Erkenntnisse gewannen: Nachdem sie ihre Beiträge für den wettbewerb um den "Ulli-Thiel-Friedenspreis" eingereicht hatten, erhielten sie bald darauf die Nachricht, dass ihnen der zweite Preis zugesprochen worden war. Michèlle Schwarz und Johanna Harter waren bei einem Empfang im coronabedingt kleinen Kreis im evangelischen Oberkirchenrat stellvertretend für die Klasse dabei. Mit einem Grußwort von Arun Gandhi, dem Enkel Mahatma Gandhis, und einer Laudatio des Landesbischofs der evangelischen Landeskirche in Baden Jochen Cornelius-Bundschuh wurde den Preisträgern der zweiten Auflage des von Landeskirche und Kultusministerium ausgeschriebenen Schülerwettbewerbs Urkunde und Preisgeld zugesprochen. Die Arbeit der Schüler wurde mit einem Preisgeld von 350 Euro belohnt. Die beiden Schülerinnen bedankten sich im Namen ihrer Klasse und erklärten, dass sie an dem Thema weiterarbeiten werde und im Herbst im Rahmen einer öffentlichen Veranstaltung von ihrer Arbeit berichten und für das werben möchte, wofür der Namensgeber des Wettbewerbs, Ulli Thiel, zeitlebens eingetreten ist: Frieden schaffen ohne Waffen.

Wofür die Schüler das Preisgeld verwenden wollen, haben sie noch nicht entschieden.

Ulli Thiel ( 1943 bis 2014) war ein deutscher Pädagoge. Bekannt geworden ist er als pazifistischer Friedensaktivist und Ideengeber der Friedensbewegung. Er arbeitete bis zu seiner Pensionierung 2007 als Sonderschullehrer für hörgeschädigte und sprachbehinderte Kinder in Karlsruhe. Thiel war ab 1968 in der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen aktiv. In den 1970er- und 1980er-Jahren war er mit seiner Frau Sonnhild nebenberuflich Landesgeschäftsführer der DFG-VK Baden-Württemberg. Bekannt wurde Thiel durch seine Prägung des Slogans der Friedensbewegung "Frieden schaffen ohne Waffen".

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