Hausach Formation "Insalata Musicale" sagt Adieu

Filmreifer Gig zum Genderwahn á la "Insalata Musicale": bei dem Stück "Wilderinnen" kamen Hirschgeweih und Geigenbogen als Flinte zum Einsatz mit spektakulärem "Abschuss" von Imke Diepen. Foto: Jehle

Hausach - Nach 25 Jahren sagt die Formation "Insalata Musicale" Adieu - am Freitag sind die fünf Frauen ein letztes Mal in Hausach aufgetreten. Der Erlös des Konzertabends von mehr als tausend Euro kommt dem diakonischen "Café Angelo" zugute.

 

Schon weit vor Beginn des Konzerts mussten aufgrund des großen Andrangs zusätzliche Stühle auf den Vorplatz des Gemeindehauses aufgestellt werden.

Wohlweislich verkündete Gitarristin Veronika Rauch-Klingmann erst gegen Ende des Auftritts den Abschied für immer: "Bevor unser Durchschnittsalter ganz durch die Decke geht, machen wir Schluss." Schelmisch spielte sie auf die immer größer werdenden Notenblätter an und dass die Stücke jedes Jahr eine Note tiefer gesungen werden müssen.

Der Abgesang indes war nur kurz und viel Zeit für die kollektiv geäußerte Betrübnis des Publikums ließ das Quintett nicht zu. Mit dem südamerikanischen Gute-Laune-Macher "Un poquito cantas" (ein wenig singen) forderte Rauch-Klingmann auf, mitzumachen und die Gäste sangen gerne mit.

Ein Streifzug durch viele Jahre Kleinkunst

Zuvor hatte die Gruppe einen Streifzug durch 25 Jahre Kleinkunst unternommen. Das "Alibilied", La Pastorella, fehlte nicht, um dem italienischen Namen der Formation gerecht zu werden. Wie angekündigt, bot der bunte musikalische Salat im ersten Teil mit eher herben Ingredienzien schwer verdauliche Kost. Schonungslos wurden in der "Hexenhammer"- Ballade von Walter Moßmann die Verbrechen an Frauen über Jahrhunderte hinweg an den Pranger gestellt.

Anschließend griff die dramaturgisch als Trilogie angelegte Darbietung die von der Geschichtsschreibung links liegen gelassene Freiheitskämpferin Emma Herwegh auf, die in der Märzrevolution von 1848/1849 aktiv war. Das Wiener "Fabriklied", das die Arbeitsbedingungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts brandmarkte, beschloss den Dreiteiler.

Die Gruppe beließ es nicht bei dem Blick auf die Vergangenheit, sondern forderte humanitäre Handlungsweise angesichts der Flüchtlingsströme. Eine klare Ansage gab es hinsichtlich der "braunen Suppe", die nicht gelöffelt werden sollte. Die Verse "Die Mehrheit sind wir, wir waren nur zu leise / wir stehen endlich auf und sagen Nein" wurden mit begeistertem Applaus quittiert.

Im rund zweieinhalbstündigen Programm gab es auch viele Stücke, die das Leben und die Liebe feierten. Klezmer wie "Scheyn bin ich" und die schwäbische Psychotherapie bei enttäuschter Liebe in der Ballade "Wiesedal" waren einfach genial.

Die filmreife Nummer zum Genderwahn "Wilderinnen" mit spektakulärem "Abschuss" von Imke Diepen gehörte mit zu den Höhepunkten des Abends. Auch als "Insalata Musicale" nach mehreren Zugaben den Saal mit Nachthäubchen und Laternen längst verlassen hatten, sang das Publikum immer noch das "Sandwiible" von René Egles.

Brunhilde Kriele, Suse Baudermann, Imke Diepen, Claudia Ramsteiner und Veronika Rauch-Klingmann haben die Formation "Insalata Musicale" gebildet.

Jede Frau spielt mehrere Instrumente, die im Lauf eines Konzerts unterschiedlich eingesetzt werden. Dazu gehören unter anderem Quer- und Blockflöten sowie Dudelsack, Kontrabass, Akkordeon, Geige, Waschbrett und Gitarre. Das Ensemble wurde vor 25 Jahren auf Initiative von Brunhilde Kriele ins Leben gerufen. Über die Jahre haben auch andere Musikerinnen mitgewirkt.

So richtig in die Hose gegangen sei keiner der zahlreichen Auftritte, sagte Kriele auf Nachfrage des Schwarzwälder Boten. Höhepunkte könne sie aber auch nicht benennen, weil es einfach insgesamt "a guete Zitt" war.

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