Hausach "Fledermäuse sind faszinierende Tiere"

Der Wintermorgen ist neblig-frostig. Ausgestattet mit einer gestiefelten Kanalarbeiter-Hose aus Gummi, Helm sowie Stirn- und Taschenlampe kann es für Alfred Winski nun nur wärmer werden. Denn in den zwei ehemaligen Bergbau-Stollen, in denen der promovierte Biologe ein- bis zweimal im Jahr mit seinem Kollegen Martin Boschert das Fledermaus-Monitoring für die Stadt Hausach macht, liegt die Temperatur konstant bei neun Grad Celsius.

"Die Fledermaus ist europarechtlich streng geschützt", betont Winski. Daher bedarf es auch einer Ausnahmegenehmigung, um in die geschlossenen und mit Fledermausgängen versehenen Hausacher Stollen und Keller zu gehen. Die Eingänge zu diesen zwei der vielen ehemaligen Bergbaugänge (siehe Artikel unten) in Hausach sind mit speziellen Fledermaustoren vor Eindringlingen gesichert. Zu groß wäre die Gefahr, dass die in ihrem Winterschlaf hängenden Tiere gestört oder gar abgestreift werden, was ihren sicheren Tod bedeuten würde.

Doch dank der Hausacher Ausgleichsmaßnahme sind diese zwei Stollen ein fledermausfreundliches Winterquartier geworden. 70 000 Punkte verbucht die Stadt auf ihrem Ökokonto, weil sie vor sechs Jahren diese Schutzräume geschaffen hat. 25 Jahre beträgt die Laufzeit der Maßnahme. Wie viele der streng geschützten Tiere beispielsweise in diesem Winter die lehmig-feuchten Wände für ihren Winterschlaf nutzen, ist jedoch schwer zu sagen. Gleiches gilt für die Gesamtzahl der Fledermäuse, die im Hausacher Bereich heimisch sind.

Doch nicht nur für die Fledermaus oder den ebenso geschützten Feuersalamander sind die Stollen ein Rückzugsort. Schon im Eingangsbereich spannen Spinnen in den unterschiedlichsten Webarten ihre Netze. Eine "Schwarzer Schnegel" genannte Schnecke ist in eine Felsspalte gekrochen, zeigt den hellen Streifen auf ihrem schwarzen Leib. Sogar Schmetterlinge haben die Biologen in den Hausacher Stollen schon entdeckt.

"Eine Kaulquappe", ruft Winski und zeigt vor sich auf die Wasseroberfläche. Er steht nur wenige Meter hinter dem Stolleneingang auf einer Betonmauer. Bis dorthin wurde das unterirdische Sickerwasser aufgestaut – als Brandweiher für die umliegenden Höfe. Ab hier jedoch wird Winski fürs Monitoring im gefluteten Stollengang seine gestiefelten Kanalarbeiter-Hosen brauchen.

Im Wasser bewegt er sich vorsichtig vorwärts. Bald steht ihm dieses bis zur Hüfte. Seine freie Hand sucht Halt an der lehmig-nassen Wand. Im Schein von Stirn- und Taschenlampe tastet er sich vor. Sein Blick ist nach oben gerichtet, denn er sucht die Wände nach den mehrere Zentimeter großen Fledermäusen ab, die dort hängend ihren Winterschlaf halten könnten. Doch meist schillert Winski im Lichtkegel nur das nasse Gestein, manchmal auch Katzengold, entgegen. Im Dunkeln jenseits des Lampenscheins mischt sich der Hall der aufklatschenden Wassertropfen mit den Geräuschen seiner Schritte im kalten Wasser. Ohne Fund tritt er den Rückzug an.

Mehr Glück haben die Biologen im anderen Stollen, den Hausach für die Fledermäuse verschlossen hat: Sechs Meter hinter dem Tor hängt die Erste – eine Langohr. In 46 Metern Tiefe machen sie den dritten Fledermausfund dieses Tages. Die einzelnen Tiere klassifizieren sie und dokumentieren den Fundort fotografisch. In welcher Tiefe des Stollens sich die Fledermäuse ihren Ruheplatz gesucht haben, messen Winski und Boschert mit einem Laserpointer aus.

"Es sind faszinierende Tiere", da sind sich Winski und Boschert einig. Langohren, Bartfledermäuse, große Mausohren und Wasserfledermäuse haben sie in den Stollen in den vergangen Jahren bereits gesichtet. Boschert meint erfreut: "Die Stollen werden von den Fledermäusen angenommen und sind so ein Beitrag zu ihrem Schutz." Arwen Möller