Hausach Finanzieller Neubeginn mit 40 Mark

Im Hausacher Stadtarchiv sind die Auszahllisten erhalten. Foto: Hensle Foto: Schwarzwälder Bote

Es war absehbar: Nachdem das Deutsche Reich unter Hitlers Führung 1945 den Krieg verloren hatte, war auch der künstlich hochgehaltene Wert der Reichsmark (RM) nicht zu halten. Im Sommer 1948 wurde die Deutsche Mark (DM) ausgegeben.

 

Hausach. Zwar wurde der Krieg nicht wie im Ersten Weltkrieg ganz offen über Kriegsanleihen finanziert, sondern über ein komplexes System verdeckter Staatskredite. Dieser auch als "geräuschlose Kriegsfinanzierung" bezeichneter Sachverhalt überdeckte auf Dauer jedoch nicht, dass auch der Zweite Weltkrieg auf Pump finanziert worden war.

Das dämmerte wohl vielen – insbesondere jenen, die schon die Inflation von 1922/23 infolge des verlorenen Ersten Weltkriegs erlebten hatten. Gegen diese Stimmung richtete sich ein früher Erlass des von der Besatzungsmacht eingesetzten neuen Landrats Seydel an die Bürgermeister des Landkreises Wolfach. In der Anordnung vom 1. August 1945 heißt es, es "dürfen in keinem Falle Beamte oder Angestellte schriftlich oder mündlich der Befürchtung Ausdruck verleihen, dass der Wert der Mark oder der Staatspapiere des ehemaligen Reiches in Frage gestellt sei". Selbstredend konnte ein solcher Maulkorb-Erlass nicht darüber hinweg täuschen, dass eine Geldentwertung unausweichlich war. Noch hielten die Dämme dank weiter bestehender umfassender Bewirtschaftungsmaßnahmen und Preisvorgaben. Aber die Zeichen mehrten sich.

Zeichen mehren sich

Eingedenk der katastrophalen Folgen der Hyperinflation von 1923 sollte die Geldentwertung diesmal sozusagen "kontrolliert" erfolgen.

Im Sommer 1948, vor 70 Jahren, war es soweit. In einer "vertraulichen" Mitteilung vom 16. Juni 1948 an die Bürgermeisterämter (Kartenstellen) des Kreises Wolfach hieß es: "Bei der Durchführung der Währungsreform haben die Ernährungsämter und die Kartenstellen der Gemeinden beim Umtausch der festen Kopfquoten mitzuwirken." In einem Merkblatt dazu wurde erläutert: "Kopfquote. Einreicher zahlt alte RM 60,- ein, erhält neue DM 40,-. Rest zu einem späteren Zeitpunkt."

So geschah es am 20. Juni 1948. Aufgrund einer fernmündlichen Durchsage des Landrats wurde die Umtauschaktion bis zum 21. Juni, 16 Uhr, verlängert. Weiter hieß es in der Durchsage: "Um 18 Uhr ist das restliche Neugeld und das Altgeld, das sich zusammen in dem hierfür vorhandenen von der Gemeinde plombierten Sack befindet, abzuholen." Pro Kopf konnten 60 RM eingezahlt werden, ausgegeben wurden pro Kopf nur 40 DM.

Listen im Archiv erhalten

Die Auszahlungslisten hierüber haben sich sämtlich im Stadtarchiv Hausach erhalten und dokumentieren so den finanziellen Neubeginn. Die zweite Rate des Kopfbetrages – also die restlichen 20 DM – wurden zwischen dem 5. und 30. September gutgeschrieben oder, falls kein Konto vorhanden, wiederum auf den Kartenstellen ausbezahlt.

Auch an eine besondere Gruppe wurde gedacht, die so genannten Dänemarkflüchtlinge. Diese Heimatvertriebenen saßen zunächst in Lagern in Dänemark fest und wurden 1948/49 über Westdeutschland verteilt. Einige dieser Dänemarkflüchtlinge hatte es auch nach Hausach und Einbach verschlagen. Diese konnten neben dem Erhalt der Kopfquote noch Altgeldguthaben auch nach der Währungsreform umtauschen, allerdings nur im Verhältnis 100 zu 6,5. So verlieben etwa dem Flüchtling Erich P. von seinen 615 RM keine 100 DM. Neben der 40-DM-Kopfpauschale eine bescheidene Zugabe für den Start in seiner ihm zugewiesenen neuen Heimat.

Mit der erfolgten Währungsreform wurden die allgemeinen Bewirtschaftungsmaßnahmen Stück für Stück aufgehoben. Die Schaufenster füllten sich mit den Dingen des täglichen Bedarfs. Der Tausch- und Schwarzhandel erübrigte sich, die Hamsterfahrten zu den Bauernhöfen gingen zurück. Aber dass die Einführung der DM eine solche Erfolgsgeschichte werden sollte, die über ein halbes Jahrhundert anhielt, konnte damals niemand ahnen.

Der Autor und Historiker Michael Hensle arbeitet derzeit das Stadtarchiv Hausach auf. Seit Anfang des vergangenen Jahres ist er fest bei der Stadt angestellt.

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