Hausach Eigenwillige, moderne Klangkulissen

Die Dorfkirche, die wieder einmal gut gefüllt war, bot die perfekte Akustik für das Konzert, Foto: Reinhard Foto: Schwarzwälder Bote

Die Reihen in der Dorfkirche sind wieder einmal gut gefüllt gewesen, als der gemischte Chor Liederkranz Hausach zum Konzert geladen hatte. Aufgeführt wurde das Requiem von John Rutter in der kleinen Besetzung.

Hausach. "Kleine Besetzung" bedeutet: für Chor und ein Instrumentalensemble. Dieses bestand aus Annika Schmider an der Querflöte, Yonghua Su an der Oboe, Marei Roos am Cello, Matthias Billharz am Glockenspiel, Werner Gisler an den Pauken, Dorothee Hecking-Neu an der Harfe und Manuel Klingenmeier an der Orgel. Die Leitung des Abends übernahm Niklas Schmieder, als Solistin war Judith Wernet geladen.

Als Einleitung spielte Klingenmeier eine schwungvolle Toccata, ebenfalls komponiert von Rutter. Bereits diese Eröffnung ließ erahnen, dass die Instrumentalisten sich hervorragend auf den Abend vorbereitet hatten. Der Organist glänzte mit einer grandiosen Darbietung. Die schwierigen Passagen, in welchen die Harmonien bisweilen zu verschwimmen scheinen, meisterte er ohne erkennbare Fehlgriffe.

Nach dem Orgelstück erklangen dann auch Flöte, Oboe, Cello und Harfe. Das Instrumentalensemble legte eine beeindruckende Professionalität an den Tag, die musikalische Begleitung für den Chor war tadellos.

Gespielt wurden drei geistliche Lieder aus der Feder Rutters. Dem englischen Komponisten wurde in diesem Jahr der Preis der Europäischen Kirchenmusik verliehen. Mit dieser Auszeichnung werden von der Stadt Schwäbisch Gmünd seit 1999 jährlich Interpreten und Komponisten geehrt, die sich im Bereich der geistlichen Musik besonders hervorheben.

Nach diesen drei Liedern folgte ein reines Instrumentalstück, bei welchem die Harfenistin Hecking-Neu ihr Können unter Beweis stellen durfte. Nachdem Schmider sie insbesondere in seiner kurzen Begrüßungsrede bereits angekündigt hatte, enttäuschte Hecking-Neu nicht.

Bei der Aufführung einer Sonate in f-Moll des italienischen Komponisten Giuseppe Domenico Scarlatti zeigte sich die ungemeine Fingerfertigkeit der Harfenistin und die fast transzendent scheinenden Töne des wunderschön gefertigten Instruments füllten die Dorfkirche mit ihrem warmen Klang.

Im Anschluss an diese beeindruckende Darbietung folgte der Hauptteil des Abends. Das Requiem, erstmals aufgeführt im Jahr 1985 in den USA, von Rutter zeichnet sich durch ein starkes Abweichen von traditioneller und herkömmlicher Kirchenmusik aus. Moderne Stilmittel mischen sich in die religiöse Thematik. Die Komposition ist komplex, anspruchsvoll und zeugt von immensem Können.

Bald hallten die bisweilen eigenwilligen Klangkulissen von den Wänden der Dorfkirche wider. Wernet bestach als Solistin durch ihre klare und kräftige Stimme in zweien der sieben Lieder des Requiems. Nun wurden auch die Pauken besetzt und im vierten Stück, dem Sanctus, welches für die Liturgie der Totenmesse für Helmut Kohl im Dom zu Speyer ausgewählt wurde, spielte das gesamte Instrumentalensemble. Danach zog sich Matthias Billharz vom Glockenspiel zurück und reihte sich wieder im Chor ein.

Nach dem "Lux aeterna", dem siebten und letzten Stück des Requiems, bedankte sich das Publikum mit lang anhaltendem Applaus bei den Sängern und den Instrumentalisten.

Als Zugabe wurde das zweite Stück des Abends noch einmal wiederholt und anschließend verließen der Chor und die Musiker unter Beifall die Dorfkirche.

John Rutter, geboren 1945, ist ein englischer Komponist und Chorleiter. Rutter studierte am Clare College in Cambridge Musik und war von 1975 bis 1979 dessen Musikdirektor. 1981 gründete er die Cambridge Singers, die er seither leitet, einen professionellen Kammerchor. Rutter gilt gegenwärtig als einer der bedeutendsten und populärsten Komponisten von Chor- und Kirchenmusik. Musikalisch kann er der Postmoderne zugeordnet werden.

  • Bewertung
    0