Hausach Duplo-Steine für den Hermann-Turm

Jetzt hat sie ein Ende, die schöne, und für Bürgermeister Wolfgang Hermann freie, Zeit. Am Dienstagabend haben die Narren ihm den Rathausschlüssel zurückgegeben.

Hausach. Hatte Hermann am Schmutzigen Donnerstag noch einen schicken Frack und Zylinder getragen, erschien er am Dienstag in legerer Aufmachung – und zwar in einem schwarzen Anzug mit weißen Sternen.

Sport mit den Burgfrauen

Zwar sollte am nächsten Tag, dem Aschermittwoch, alles vorbei sein, aber in den Narren war noch jede Menge Leben, das die Burgfrauen geschickt hervorzukitzeln wussten. In Sportkleidung ermunterten sie die Anwesenden "jetzt brauchen wir etwas Bewegung" und tatsächlich dauerte es nicht lange, bis alle bei den Aerobic-Übungen mitmachten, so dass der ganze Sitzungssaal bebte.

Nachdem sich alle sportlich betätigt hatten, ergriff Elfemess-Obmann Thomas "Stötzi" Stötzel das Wort. Am Schmutzigen sei über viele tolle Projekte gesprochen worden, die aber allesamt von den Hausacher Narren geklaut worden seien. "Die Seilbahn zur Burg wäre schon längst gebaut, hätte man ihnen das nur zugetraut", erklärte Stötzel und auch ein Hafen für U-Boote wäre schon umgesetzt worden, wenn es nach den Narren gegangen wäre. Kulturell mache aber niemand der Stadt unter der Burg was vor.

"Wir brauchen keine Philharmonie, unser Niveau erreichen die nie", meinte Stötzel und fügte hinzu: "Ein Festspielhaus, ich weiß nicht, was das soll, wir finden unsere Spättle-Aufführung toll." Sorgen machte er sich darüber, dass der neue Burgis das "hart verdiente Geld" der Narren für seine ambitionierten Bauprojekte wie den 1248 Meter hohen Hermann-Turm verprassen würde. Stötzel empfahl: "Da legst du besser selbst das Fundament" und überreichte im Namen der Zunft ein Bild, dass Hermann dabei zeigt, wie er eine Mauer zieht. Für den Bau des Turmes bekam er ein paar Duplo-Steine geschenkt. "Du wirst jetzt erst einmal die Fasent verdaue, bevor du weiter tust Türmle baue", empfahl Stötzel dem Bürgermeister noch, dann war Narrenvater Bernd Rößler an der Reihe.

"Ein Jahr ist schnell vorbei"

Hermann habe jetzt ein paar schöne, freie Tage gehabt, aber "jetzt bist du wieder an der Reih’, mach dir nix draus, ein Jahr ist schnell vorbei", tröstete er ihn. Als Erinnerung an seine erste Fasent bekam Hermann von Rößler ein "Wässerchen". Für ihn selbst sei es merkwürdig, dass die Fastnacht schon nach drei Tagen vorbei sei. Rößler hatte den Anfang nämlich verpasst, weil er krank gewesen war. Prompt kam aus den Reihen der Narren der Vorschlag, dann eben die Fasent ein paar Tage zu verlängern.

Hermann selbst war froh, endlich ein mal wieder eine Rede halten zu können. "Ich bin es gar nicht gewohnt, so lange die Gosch zu halten", meinte er grinsend. Und er sei es auch nicht gewohnt, so viel Lob fürs Nichtstun zu bekommen. Dann hieß er "zum letzten Akt" willkommen. Auch er bedauerte, dass die schöne Zeit nun vorbei sei, in der jeder Tag für ihn ein "Überraschungsei" gewesen sei. Doch er habe die Fasentszeit lieb gewonnen.

Auch wenn einige Narren noch "der Burgis kriegt den Schlüssel nicht" protestierten, war es dann soweit: Rößler gab Hermann den Rathausschlüssel und damit die Macht zurück. Ein wenig traurig, aber auch glücklich über die Erinnerungen an die schönen Tage machten die Narren sich danach zu Fasentverbrennung auf dem Konstantinplatz auf (siehe Infokasten).

Im Anschluss an die Schlüsselrückgabe startet der Trauermarsch. Die Blauen tragen zu diesem Anlass anstatt des blauen Gewands, das sie sonst tragen, ein weißes Nachthemd mit schwarzem Kragen, ein Garbenseil um den Bauch, die schwarze Zipfelmütze und den Kälbermaulkorb als Kopfbedeckung. Ein Strohmann wird gefesselt vom Fahnenträger aus dem Rathaus geführt. Hinter ihm schreitet der Scharfrichter mit Fackel und Richtstab. Die Hästräger tragen einen Trauerflor an den Masken. Dieser Marsch bewegt sich vom Hausacher Rathaus über den Narrenbrunnen zurück über die Schloßstraße zum Konstantinplatz zur Verbrennung, wo der Strohmann dann hingerichtet wird.