Hausach Der Puppenkopf wird zum Teleskop

Der Kopf der Schaufensterpuppe, ein Requisit der Mostmaier Bühne, lag in der Gunst des Publikums ganz vorn. Foto: Jehle Foto: Schwarzwälder Bote

Der Mostmaierhof und Improvisationstheater sind wie füreinander geschaffen. "Theater haben wir seit drei Jahren ständig und improvisieren müssen wir auch immer", begrüßte Werner Hafner, Vorsitzender des gleichnamigen Vereins, ein großes Publikum am Donnerstag.

Hausach. Die Kinzigtäler Theatergruppe "ImproVision" weiß nie, was sie in ihrem abendfüllenden Format inszeniert. Sie probt zwar regelmäßig gemeinsam, aber was am Ende gespielt wird, bestimmt das Publikum.

Zum Aufwärmen des Ensembles wurde eine Requisite aus dem Umfeld der Bühne gewählt und mit dem Arbeitstitel "Freitags ging Herr Grau immer zum Schachspiel in das Café um die Ecke". Unter den Vorgaben verwandelte sich das Requisit, der Kopf einer Schaufensterpuppe, in einem atemberaubenden Marathon vom Kelch im Café zur Milchkanne bis hin zum runden Leder. "Das ist mein Fußball, gib ihn sofort wieder her", wurde gefordert und das Publikum kringelte sich vor Lachen, je absurder die Szene sich entwickelte. Konzentriert wurde durch das Puppenauge der Sternenhimmel betrachtet und letztendlich der Kopf beim Tanz eines indianischen "Pow Wow" geehrt.

In der nächsten Szene wurde das Alphabet interpretiert, nach Publikumswunsch beginnend mit "J" wie jodeln. Gekonnt tirilierte eine der drei Bettinas, ein lustiges Namenskuriosum im Ensemble, in den höchsten Tönen. Eine Besucherin war so angetan, dass sie mitjodelte und die Zuschauer aufforderte, einzustimmen. Die waren allerdings nicht ganz so gut bei Stimme und die spontane Aktion versandete wieder, wie das halt geschehen kann im Improvisationstheater.

Witzig meisterten die acht Akteure auch die Zielvorgabe des Publikums, die Geschichte des 50-jährigen Eduard zu erzählen. Sein Hobby ist Tauchen, allerdings ist er wasserscheu. Bei der Geschichtenerzählerin aus einem fremden Land mit Übersetzung ging die Zuschauerschaft kein Risiko ein. Schwyzerdütsch statt arabisch oder chinesisch sollte es sein. Das war schon eine Herausforderung, denn in der Region wird zumindest ansatzweise die Mundart verstanden. So musste die Darstellerin tatsächlich in Echtzeit dichten und die Übersetzerin findig in geistreiches Hochdeutsch übertragen.

Im Gespräch zwischen "Chef und Angestellte" wurden in das Spiel Begriffe eingebaut, die das Publikum zuvor auf Zettel geschrieben hatte. Der Schauspieler, der gerade sprach, musste auf ein Zeichen hin das Aufgeschriebene sofort in seinen Text einbauen. Dabei kam viel Unfug zustande wie beispielsweise: "Du brauchst neue Zähne", hauchte die Angestellte mitten im Liebesgeflüster dem Chef ins Ohr.

Mit ein Höhepunkt des Abends war sicherlich das "Genre Replay". Zunächst wurde im Auftritt die gewünschte Szene "Bauer und Hahn" relativ normal dargestellt, wobei der "Hahn" Martin schon für etliche Lacher sorgte. Ausgelassen wurde es dann aber mit dem gleichen Ablauf im Genre "Horror" und kein Halten mehr gab es bei "Bauer und Hahn" als Opernaufführung.

Mehr als zwei Stunden vergingen wie im Flug und weder Publikum noch Schauspielern war besondere Ermüdungserscheinungen anzumerken. Bei der Zugabe, einer Talk-Show unter der Vorgabe "Schaden die Männer der Volkswirtschaft?" lief die Szenekneipe noch einmal zur Hochform auf.

Beim Improvisationstheater gibt es kein festes Skript, Rollen oder Texte. Die Szenen entstehen auf der Bühne aus der Interaktion der Schauspieler untereinander und dem Publikum heraus. Ein Handlungsgerüst der jeweiligen Szene ist jedoch vorgegeben. Das Publikum bestimmt Charaktere oder Begriffe und die Schauspieler kreieren daraus eine unterhaltsame, meist absurde Geschichte.

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