Hausach Der "Mühlendoktor" ist im Tal gefragt

Wie im alten Volkslied klapperten auch im Einbachtal früher die Mühlen. Als Selbstversorger mahlte fast jeder Hof sein eigenes Mehl. Heute dreht sich nur noch auf dem Gutmannshof der Armbrusters das Mühlrad.

Hausach. Die Mühle ist in Eigenarbeit restauriert worden und Franz Armbruster seitdem als "Mühlendoktor" in der Region unterwegs. Wie so oft begann Armbrusters Karriere mit einer Erfahrung, die sein Leben veränderte. Eigentlich hatte der heute 69-jährige Zimmermann oder Schreiner werden wollen, aber nachdem keines seiner Geschwister den elterlichen Hof übernehmen wollte, tat er es und bearbeitete bis zum Rentenalter als Land- und Forstwirt das 64 Hektar große Anwesen.

Die Leidenschaft für den Werkstoff Holz blieb aber. Sie sollte ihm bald zugute kommen. 1982 wütete nämlich ein Unwetter, bei dem der kleine Neuenbach zu einem reißenden Wildwasser anschwoll. Die Mühle des Gutmannshofs, erbaut im Jahr 1846, erlitt dabei Schäden an Kamm- und Stockrad. Die Reparatur stellte Armbruster vor ein Problem. Denn von der Technik einer Mühle hatte er nicht viel Ahnung. Also holte er sich Rat bei dem pensionierten Mühlenbaumeister Karl Brüstle aus Tennenbronn.

Mit dieser Verbindung begann Armbrusters Karriere als "Mühlendoktor". Quasi als Azubi begleitete er Brüstle bei der Restaurierung einiger Mühlen und eignete sich so das Wissen an, um seine eigene wieder herzurichten. Und er fand Spaß an der Arbeit, die neben handwerklichen Geschick auch jede Menge Geduld erfordert. "Man hat einfach gemerkt, dass da eine Leidenschaft und ein Talent ist", erinnert sich seine Frau Adelheid, die ihn von Anfang an unterstützt hat und gerne die Werkstatt ihre Manns und das restaurierte Kleinod präsentiert, wenn ihr Mann nicht zugegen ist. Wie sie berichtet, dauerte es noch eine Weile, dann machte Franz Armbruster seine entdeckte Liebe zu den Mühlen offiziell: 1998 meldete er ein Nebengewerbe als Mühlenrestaurator an. Seine Frau übernahm die Bürotätigkeiten und das Management. Bis heute hilft sie ihm, wo sie kann.

Seitdem hat der Einbacher Mühlen in der gesamten Region instand gesetzt, zum Beispiel die Vögelemühle in Steinach, die Schillingerhofmühle in Freiamt oder die Bartleshofmühle in Breitnau. Manchmal tauscht er nur kaputte Teile aus, manchmal restauriert er eine Mühle komplett.

Wichtig ist ihm stets, dass der ursprüngliche Charakter erhalten bleibt. Auch wenn die meisten Objekte zwischen 150 und 200 Jahre alt sind und ein Großteil der damals verwendeten Schrauben, Nägel und Schindeln heute nicht mehr erhältlich sind, achtet Armbruster darauf, dass alle Teile den alten so ähnlich wie möglich sind. Einige stellt er in seiner Werkstatt am Hof auch selber her. Überhaupt erledigt er einen Großteil seiner Arbeit dort, nur an etwa zwei Tagen pro Woche ist er für sein Hobby in der Region unterwegs. Nachdem 2015 Sohn Roman den Hof übernommen hat, hat Armbruster sich ganz der Mühlenrestauration verschreiben.

Er ist sehr gefragt, Werbung musste er für sich noch nie machen. Sein Wissen und seine Expertise sind in der ganzen Region bekannt. Das für die Mühlen verwendete Holz – zumeist Lerche oder Eiche – hält nämlich maximal 30 bis 40 Jahre und muss dann ausgetauscht werden. Gerade die den Elementen ausgesetzten Teile wie das Wasserrad sind besonders anfällig. Wer nicht will, dass seine Mühle zerfällt, braucht irgendwann Franz Armbruster. Er ist sozusagen der letzte seiner Art. Der Mühlenbaumeister, bei dem er selbst lernte, ist mittlerweile verstorben. Dennoch oder gerade deswegen achtet seine Frau Adelheid darauf, dass er nicht zu viel arbeitet. Schließlich ist ihr Mann nun 69 Jahre alt und wenn er wie jetzt krank ist, müssen die Mühlen warten.

Manche davon erfordern etwas mehr Aufwand als andere. 2008 zum Beispiel restaurierte Armbruster die Hummelhofmühle in Siegelau. "Die hatte ein riesiges, sehr kunstvoll gearbeitetes Mühlrad", erinnert sich seine Frau.

Doch nicht nur Holzteile ersetzt Franz Armbruster, bei der eigenen Mühle hat er alle Sandsteine erneuert und auch bei anderen schon Steinarbeiten übernommen. Die Restauration ist eben eine sehr vielseitige Arbeit – und für die Besitzer kostspielig. Im Gegensatz zu früher ist es heute sehr schwer, an Fördermöglichkeiten, etwa im Rahmen des Denkmalschutzes, heranzukommen.

Die Arbeit geht ihm trotzdem nicht aus. Und er betreibt sie mit Leidenschaft. Deswegen gilt laut seiner Frau: "So lange es irgendwie geht, bleibt das Gewerbe angemeldet."

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