Notarzt-Versorgung beim DRK Hausach ist gut Bisher wurde jede Schicht besetzt

Manuel Abels (von links), Raphael, Martha, Bettina Siepe sowie Matthias und Paul Mörsdorf Foto: Reinhard

Hausach/Mittleres Kinzigtal - "Notärzte schlagen Alarm", "Zu wenige Retter", "Rettungsdienst kommt oft zu spät" – Schlagzeilen wie diese haben viele Menschen auch im Kinzigtal verunsichert. "Das ist hier kein Thema", versichert das DRK in Hausach.

Zu dem Notarztteam bei der DRK-Station Hausach gehören die Ehepaare Bettina und Raphael Siepe sowie Matthias Mörsdorf und Melanie Mörsdorf-Kroll. Beide Paare haben kleine Kinder. "Sie stehen exemplarisch für das feste, familiäre Team, das wir hier haben", sagt Manuel Abels, der ärztliche Leiter des Notarztstandortes Hausach.

In Hausach arbeiten ein fest angestellter und 26 freiberufliche Notärzte in einem Zwei-Schicht-System, jeweils von 6 bis 18 und von 18 bis 6 Uhr. "Momentan haben wir 69.000 Einwohner in unserem Einzugsgebiet", führt er aus, die Leitstelle Ortenau disponiert die Einsätze. Die nächsten Notarztstandorte seien in Offenburg und Lahr. Die meisten Notärzte, die in Hausach tätig sind, arbeiten sonst in Kliniken, zwei von ihnen sind Chef-, sechs Oberärzte. "Einige von ihnen sind auch in der Luftrettung tätig und wir haben auch niedergelassene Ärzte dabei. Das sind ausschließlich Fachärzte", führt Abels aus. Vor allem aber: "Viele sind schon seit Jahren bei uns tätig. Das zeigt, wie fest die Gruppe ist."

Viele sind schon seit Jahren in Hausach tätig

Als beispielsweise sein Vorgänger Ralf Greiner schwer erkrankte, seien alle sofort eingesprungen. Abels betont: "Wir haben noch nie eine Schicht nicht besetzen können." Das sei eine Seltenheit im Rettungswesen. Die meisten Stellen müssten sich mittlerweile mit Notarztbörsen behelfen, bei denen Mediziner aus ganz Deutschland zu den Standorten reisen, um eingesetzt zu werden.

Das feste Team biete aber nicht nur in Bezug auf die Besetzung der Schichten Vorteile: "Wir alle kennen die Topographie und Besonderheiten der Region." Wer den Schwarzwald und das Kinzigtal kennt, weiß um die Seiten- und Hintertäler, die nicht immer leicht zu finden sind. "Es ist eine große Stärke, dass wir uns hier so gut auskennen", findet Abels.

Seine Ausführungen bestätigen die Arztehepaare Siepe und Mörsdorf. "Es macht hier Spaß, keiner fühlt sich verpflichtet. Nur wenn man sich vertraut und versteht, kann man eine gute Qualität bei der Arbeit liefern", sagt Bettina Siepe.

Arztehepaare gerne gesehen

Macht es nicht aber auch manchmal organisatorische Probleme, Arztehepaare mit kleinen Kindern im Rettungswesen zu beschäftigen? Abels winkt ab: "Im Gegenteil. Ich würde am liebsten noch mehr solcher Paare hier haben. Einer von ihnen kann immer und es wird alles auf den Schultern von zwei Personen verteilt." "Auch aus unserer Sicht ist das vorteilhaft. So sind wir einfach flexibel", meint Bettine Siepe. Matthias Mörsdorf ergänzt lachend: "Es wird oft schon gar nicht mehr gefragt, wer von uns kommt. Man weiß, dass einer von uns da sein wird ."

Die Kinder, der 20 Monate alte Paul und die sieben Monate alte Martha kennen die DRK-Station auch schon und fühlen sich dort wohl. Immerhin müssen sie manchmal warten bis Mama oder Papa von ihrem Einsatz wieder da sind und die Betreuung übernimmt.

Diese Familienfreundlichkeit und das stabile Team seien auch der Grund, warum die Hausacher DRK-Station sich über keinen Ärztemangel beklagen muss, vermutet Abels. "Wir haben sogar eine Warteliste", sagt er und fasst zusammen: "Die notärztliche Versorgung hier ist gut aufgestellt und das, obwohl wir keine Klinikanbindung haben, die die Einteilung von Ärzten erleichtert."

Wenn es einmal gar nicht ginge, weil beispielsweise die ganze Arztfamilie erkrankt sei, spräche man sich eben ab. "Wir können alle recht schnell einspringen, wenn es nötig ist. Und wenn alle Stricke reißen, muss eben der Festangestellte kommen – also ich."

Anzahl der Einsätze der Station in Hausach: 1.211 Notarzteinsätze im Jahr 2020, 680 in der ersten Jahreshälfte von 2021

Einzugsbereich der Hausacher Stelle: 69.000 Einwohner

Zahl der Ärzte: 26 freiberufliche, ein fest angestellter Notfallmediziner

Rendez-Vous-System: Notfahrteinsatzfahrzeug und Rettungswagen treffen sich vor Ort

Vorausstezung für die Tätigkeit als Notarzt: eine mindestens zweijährige klinische Tätigkeit, davon mindestens sechs Monate in der Intensivmedizin, Teilnahme an 50 Notarzteinsätzen unter Anleitung eines praktizierenden Notarztes sowie der Erwerb der Zusatzbezeichnung "Notfallmedizin"

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