Hausach Anderes Land, andere Sicherheit

Die Hausacherin Charlotte Auel ist seit August vergangenen Jahres in Mexiko und arbeitet dort als Freiwillige des Roten Kreuzes im Casa del Àngeles in Puebla. Im neunten Teil ihres Auslandstagebuchs berichtet sie über die Sicherheit in Mexiko.

Hausach/Puebla. Sowohl von deutscher als auch von mexikanischer Seite wurde ich in Bezug auf die Sicherheitslage in Mexiko gewarnt und immer wieder gefragt, ob ich mich sicher fühle. Deswegen möchte ich in diesem Artikel über meine persönlichen Erfahrungen zu diesem Thema berichten.

In meinem Jahr begegneten mir neue Formen der Sicherheitsvorkehrungen. Schon auf unserem Vorbereitungsseminar wurden uns von Koordinatoren und ehemaligen Freiwilligen Ratschläge gegeben. So wurde zum Beispiel empfohlen, stets mindestens etwa 200 Pesos (etwa neun Euro) bei uns zu tragen. Mit dem Geld sind die Täter bei einem möglichen Überfall zufriedenzustellen. Ein weiterer Tipp: Den Haustürschlüssel nie direkt vor dem Eingang suchen, sondern besser schon vorher parat haben, um nicht vom Suchen abgelenkt zu sein. Zudem erhielten wir Freiwillige eine von der deutschen Botschaft angefertigte Liste mit einer Aufzählung aller mexikanischen "roten Bundesstaaten" (siehe Infokasten).

Ich fühlte mich in meinem Zuhause in Puebla nie unsicher und das Einhalten der Tipps gab mir zusätzlich Selbstsicherheit. Allerdings gibt es Vorkehrungen, die für Mexikaner völlig normal sind, an die ich mich aber nie gewöhnen konnte. Ein Beispiel ist das Wohnen in einem Fraccionamiento, einer abgesperrten Wohnanlage. Oft sitzt am Eingang ein Viligante (Wachmann), der kontrolliert, wer das Fraccionamiento betritt und verlässt. Obwohl mir bewusst war, dass diese Mauer mit Stacheldraht, die sich um die Häuser schlingt, zu meiner Sicherheit diente, fühlte ich mich eher eingesperrt und empfand das ständige Passieren am Vigiliante vorbei als sehr zeitaufwendig. All diese Sicherheitsvorkehrungen mindern das Risiko, Opfer einer Straftat zu werden, können aber keine komplette Sicherheit garantieren.

Ich hatte das Glück, nie direkt von einem Verbrechen betroffen zu sein. Eine Situation spielte sich in der Nähe meines Fraccionamientos ab. Mir kam eine Frau aus ihrem Laden entgegen gelaufen und bat mich, ihr mein Handy auszuleihen, um ihren Sohn und die Polizei zu verständigen. Denn kurz zuvor war sie überfallen worden und die Täter hatten ihren Computer, ihr Handy und das Geld aus der Kasse mitgenommen. Dieser Vorfall hat mir nicht direkt Angst gemacht, aber verdeutlicht, dass ich die Gefahrenlage nicht unterschätzen darf.

Meiner Meinung nach ist in Bezug auf die Sicherheit das Wichtigste, eine gute Balance zwischen völliger Unbekümmertheit und ständigem Misstrauen zu finden. Denn trotz der Zwischenfälle, die mir von Bekannten zu Ohren gekommen sind, sollte man sich nicht von einer ständigen Angst vor Überfallen einschränken lassen.

So beschloss ich, tagsüber, aber nicht am späten Abend den Bus zu nehmen. Ging ich von einer Feier nachts allein nach Hause, bestellte ich mir über die gleichnamige App ein sogenanntes Uber. Ein Uber ist wie ein Taxi, nur dass das Auto von einer Privatperson gefahren wird. So kommt man nachts sicher und für deutsche Verhältnisse immer noch preiswert nach Hause.

Sicherheit ist ein Thema, das uns alle betrifft. So würde ich auch in Deutschland nicht nach einer Feier mitten in der Nacht alleine nach Hause laufen oder mit offenem Rucksack herumspazieren, um all meine Wertsachen zu präsentieren.

Jeder Einzelne muss die richtige Balance für sich finden. Denn meistens ist neben allen möglichen Sicherheitsvorkehrungen die beste und präventivste das eigene Bauchgefühl.

Die "roten Bundesstaaten" sind für Touristen nicht empfehlenswert. Während die Sicherheitslage in den nördlichen Bundestaaten in den vergangen Jahren kritischer geworden ist, locken andere Orte wie die Halbinsel Yucatán in der Karibik immer mehr Touristen an. Die Sicherheit hängt somit stark vom Aufenthaltsort in Mexiko ab.

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