Haslach i. K. Zeichen für Dialog am Volkstrauertag

Was verbindet und trennt die Glaubensrichtungen? Vertreter von drei Religionen diskutieren diese Frage am Volkstrauertag in der Haslacher Moschee.

Haslach. In einem Pressegespräch zu "Religionen im Dialog" am Sonntag, 17. November, ab 17.30 Uhr in der Moschee sprachen die evangelischen Pfarrer Christian Meyer und Hans-Michael Uhl zusammen mit dem katholische Pfarrer Helmut Steidel und dem Vorsitzende des türkisch-islamischen Vereins Haslach, Nurullah Durmus, über die Inhalte, die am 17. November vermittelt werden sollen.

Als Figur der Einheit oder auch Trennung der Religionen wurde Moses ausgewählt. "Wir wollen uns über diesen Mann verständigen. Es geht aber nicht nur darum, freundlich miteinander Tee zu trinken. Diese oberflächliche Ebene wollen wir überwinden und inhaltlich arbeiten", machte Uhl im Gespräch klar. Moses sei geeignet dafür, als Figur deutlich zu machen, wie nah oder wie fremd sich die Religionen in manchen Bereichen seien.

Die Moschee sei für den evangelischen Pfarrer ein sehr spezieller Ort des Austauschs. "Jemanden in sein Wohnzimmer einzuladen, ist ein besonderes Zeichen", gab Uhl als Dank an Gastgeber Durmus weiter. Auch Imam Orhan Yilmaz wird am Volkstrauertag mit den Gläubigen reden. "Es freut mich, dass wir uns alle an einen Tisch setzen", so Yilmaz.

Am 17. November wird auch Rabbiner Yaakov Yosef Yudkowsky nach Haslach kommen. Da er in Frankreich wohnt, war er zum Vorgespräch noch nicht angereist, schrieb aber eine Presseerklärung. "Eine Veranstaltung, die unseren gemeinsamen Lehrer Moses ins Zentrum rückt, setzt in Zeiten, in denen wir bedauerlicherweise immer noch mit Hass und Vorurteilen konfrontiert sind, ein Zeichen zur gegenseitigen Verständigung", schreibt Yudkowsky. Er sei dankbar, ein Teil davon zu sein.

Der Umgangston zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen ist für Pfarrer Steidel "erschreckend". In den Gesprächen über Muslime und Juden sei viel Hass zu spüren. "Es ist wichtig, dass wir in Haslach schon seit Jahren ein Zeichen dagegen setzen", betonte Steidel. Aufgrund seines Glaubens musste auch Nurullah Durmus schon Angst haben. "Einmal klingelte das Telefon und ich bekam nur zu hören ›Muslime raus aus Deutschland‹. Ich habe Kinder, bin seit neun Jahren hier Vorsitzender und wohne seit 25 Jahren im Kinzigtal. Aber vielleicht können wir uns bald nicht mehr zusammensetzen, weil wir zu viel Angst haben", gab Durmus zu bedenken. Ein Arbeitskollege von ihm arbeite mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan zusammen und werde dafür angefeindet.

Angst findet Platz in den Sozialen Medien

Genau über solche negativen Erfahrungen sei es wichtig zu sprechen, meinte Uhl. "Das wird ein Gipfeltreffen am Volkstrauertag. Wir gehen einen wichtigen Schritt, brauchen aber auch einen langen Atem", ist sich der Pfarrer sicher.

Ein gutes Zeichen für Integration sei auch Hasan Keskin. Er war Schulsprecher im Robert-Gerwig-Gymnasium in Hausach und ist als Rettungssanitäter aktiv. Beim Pressegespräch übersetzte Keskin für den Imam aus dem Deutschen ins Türkische.

Yilmaz zeigte Verständnis für die Ängste der Muslime. "Gerade in den Sozialen Medien sind diese zu spüren. Ich kann aus meiner persönlichen Erfahrung jedoch sagen, dass das Miteinander in Haslach gut funktioniert", so der Imam. Er könne seiner Aufgabe ohne Probleme nachkommen und sein Team unterstütze die Veranstaltung.

Bevor "Religionen im Dialog" ab 17.30 Uhr offiziell beginnt, haben Gäste die Gelegenheit, ab 16.45 Uhr am Abendgebet der muslimischen Gemeinde teilzunehmen. Pfarrer Uhl hofft auf eine große Beteiligung, "damit wir gemeinsam Flagge zeigen."

"Mosche – Moses – Musa – Lehrer dreier Religionen", ist das Motto am Volkstrauertag in der Haslacher Moschee. Der Prophet spielt im Judentum, Christentum und Islam eine zentrale Rolle. Auf dem Berg Sinai erhielt Moses die Tora von Gott. Diese "Rechtsordnung" werde auch im Koran eingeordnet.

  • Bewertung
    0