Haslach i. K. "Wir trainieren die Wiederholbarkeit"

Sprachliche Feinheiten müssen noch besprochen werden, doch Bernd Valentin freut sich schon jetzt über den Fortschritt, den Wanjiao Xu innerhalb eines Tages gemacht hat. Foto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Ein junger Mann steht auf der Bühne und singt "Revenge Timotheus Cries". Im Zuschauerraum beobachten ihn weitere Gesangsschüler, einige interessierte Gäste und Bernd Valentin. Franz Schilling, der den Part einmal komplett singt, ist einer seiner Schüler im "Meisterkurs Gesang".

 

Als der letzte Ton von Schilling und Klaus B. Roth am Klavier verklungen ist, steht Valentin auf. "Deine Energie kommt bei den Phrasen nicht auf der Stimme an", stellt der Kursleiter, der am Salzburger Mozarteum lehrt, fest. Er erklärt Schilling, er müsse den Bereich am Brustbein lockern. Mit einigen Tipps zur Haltung und dazu, wie Schilling den fraglichen Bereich entspannen kann, lässt er ihn einen Part noch einmal singen. Als Valentin an Schillings Hinterkopf zieht, damit der sich gerade aufrichtet, lachen alle – der Schüler auch. Die Stimmung bei der öffentlichen Probe im Haus der Musik ist gelöst. Die Gruppe wirkt bereits gut aufeinander eingespielt.

Was aber nicht bedeutet, dass Valentin mit Kritik sparen würde – diese bringt er jedoch mit dem gebührenden Respekt vor den Fähigkeiten seiner Schüler an und hat sofort Möglichkeiten parat, wie sie sich verbessern können. So stellt er nach einigen Durchgängen derselben Stelle fest: "Wir trainieren ja die Wiederholbarkeit. Zufallstreffer sind gut, das zeigt, dass du das kannst – jetzt müssen die zur Regel werden."

Während Wanjiao Xu die Bühne betritt, wirft Valentin einen Blick in die Runde und stellt erfreut fest: "Wir haben ja noch mehr Gäste als gestern!" Er bittet die junge Frau, sich vorzustellen, was diese etwas schüchtern auf Deutsch macht. Der Rest der kleinen Übungseinheit vollzieht sich auf Englisch. Die Sopranistin hat die Arie "Sebben, crudele" mitgebracht. Ein Stück auf Italienisch, das sie mit viel Gefühl zu Gehör bringt.

Valentin lobt: "Das ist viel besser als gestern." Ihr sei anzumerken, dass sie den Text nicht mehr nur singe, sondern auch verstanden habe. Nun sei die Aussprache an der Reihe, befindet Valentin und geht auf einige Besonderheiten im Italienischen ein, wie den Unterschied zwischen "e" ("und") und "è" ("ist") oder den kurzen Pausen, die in der Aussprache vor dem Doppel-Z-Laut beispielsweise in "lunghezza" gemacht werden. Er bittet eine andere Schülerin, sich am Folgetag mit Xu zusammenzusetzen. Trotz des fast babylonisch anmutenden Unterrichts – eine Asiatin bekommt eine Gesangsstunde von einem Deutschen auf Englisch und hat dazu ein italienisches Lied ausgewählt –­ zeigt Xu eine bemerkenswerte Auffassungsgabe. Verbesserungen sind sofort, auch für das untrainierte Ohr, zu bemerken. Während Xu eine Passage noch einmal wiederholt, bleibt draußen ein Spaziergänger mit seinem Hund stehen und hört für einige Minuten fasziniert zu.

Svenja Gehrke beschäftigt sich mit Carl Maria von Webers "Freischütz", genauer dem Lied der Agathe. Ihr ausgewähltes Stück klingt schlicht, hat es mit diversen Koloraturen aber in sich. Valentin bemerkt, sie solle es nicht zu schlicht halten und auf deutliche Aussprache achten: "Du hast so eine schöne Stimme, lass das Publikum sie hören." Gehrke versucht’s, lauter diesmal und deutlicher. "War das zu viel?", fragt sie hinterher schüchtern. Die Zuschauer lächeln sie ebenso offen an wie Valentin. "War jetzt irgendjemand böse, dass er Svenja verstanden hat?", fragt er in die Runde. Kollektives Kopfschütteln. Die Sängerin freut sich sichtlich über das Lob.                  Lisa Kleinberger

Wer Lust bekommen hat, sich die Arbeit der Schüler und Leiter des laufenden "Meisterkurses Gesang" anzusehen, hat am heutigen Donnerstagabend noch einmal die Gelegenheit dazu. Ab 18 Uhr sind Interessierte eingeladen, die Probe zu besuchen. Seinen Abschluss findet der Kurs am Samstag, 8. September, mit einem Konzert im Haus der Musik. Bei diesem präsentieren die Teilnehmer, was sie im Intensivkurs gelernt haben.

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