Haslach i. K. Wenn Wasser über Straßen bestimmt

Der Bau der Haslacher B 33-Umfahrung im Kinzigvorland, das zum Schutz vor Hochwasser dient, ist umstritten. Noch zu Jahresbeginn war der Fluss über die Ufer getreten. Archivfoto: Kleinberger Foto: Schwarzwälder Bote

Beeinflusst der Hochwasserschutz Großprojekte wie den Straßenbau? Am Beispiel der Haslacher B 33-Umfahrung lässt sich dies nachvollziehen. In aktuellen Fragen tut sich indes recht wenig.

Haslach. Bekanntlich gärt es seit Jahrzehnten in der Hansjakobstadt. Das zähe Ringen um die B 33-Umfahrung und die möglichen Trassenführungen beschäftigt Bürger, Stadtverwaltung und andere Akteure seit langem.

Inzwischen ist als Lösung der Umfahrungsfrage eine Trasse anvisiert, die in Teilen durch das Überschwemmungsgebiet der Kinzig führen soll. Die Interessengemeinschaft (IG) B 33, die sich in Haslach für eine Tunnellösung ausspricht, hält das für grob fahrlässig. Auch die Dammverlegungen und andere Maßnahmen, wie der Abbruch des Schnellinger Wehrs, die im Zuge eines Baus der Umgehungsstraße nötig werden, kritisiert die Interessengemeinschaft.

"Die Dämme sind außerdem derzeit zu niedrig, um ausreichend Schutz zu bieten", kritisiert Wolfgang Schmid, Vorsitzender der BI. Allerdings werde mit Alternativplanungen auch in diesem Bereich auf Bewegung in Sachen Umfahrung gewartet. "Das ist gefährlich", sagt der Haslacher, der sich noch gut an die einschneidenden Ereignisse von 1990 und 1991 erinnern kann.

Das Regierungspräsidium (RP) Freiburg erklärt die Planung der Straße im Hochwassergebiet pragmatisch: "Der ebene Talgrund bei Haslach ist weitgehend besiedelt, sodass eine wirtschaftliche Trassenlage nur im Überschwemmungsbereich der Kinzig zu finden ist", beantwortet Matthias Henrich von der Pressestelle des RP eine Anfrage des Schwarzwälder Boten. Es sei zwar versucht worden, die Straße aus den Überflutungsflächen herauszuhalten, das "konnte jedoch nicht gänzlich vermieden werden".

Allerdings ist das RP optimistisch hinsichtlich des Hochwasserschutzes. Henrich schreibt, dass "sich die Hochwassergefahrenlage nach Realisierung beider Vorhaben sogar beträchtlich verbessern wird".

Henrich erklärt zudem, dass die betroffenen Referate im RP seit 2009 intensiv miteinander abstimmen, welche Maßnahmen zum Bau der Ortsumfahrung im Kinzigvorland erforderlich sind und wie in diesem Rahmen eine weitere Verbesserung des Hochwasserschutzgrads zu erreichen ist. Aktuell decke dieser ein etwa 35- bis 40-jähriges Hochwasser ab, zukünftig ein 100-jähriges (HQ 100). "Alle Varianten des Straßenbaus wurden stets auf ihre Verträglichkeit mit der Hochwasserschutzplanung geprüft."

Die Hochwassergefahrenkarten (HWGK), die online einzusehen sind, wurden laut Henrich zur Bauleitplanung angesetzt. "Dennoch wird auch ein HQ 100-Schutz keinen absoluten Hochwasserschutz darstellen." Denn bei einem Extremereignis hilft dieser Schutz auch laut HWGK nicht mehr.

Auch baulich wird sich rund um die Kinzig und die anvisierte Trasse einiges tun. So wird die ohnehin stark sanierungsbedürftige Archebrücke, die Haslach mit seinen Ortsteilen und Fischerbach verbindet, abgerissen und durch eine Brücke für Fußgänger und Radfahrer ersetzt. Gebäude der Schleifmattstraße sowie das Arche-Gebäude sind nicht betroffen. Der in Fließrichtung rechte Hochwasserdamm wird zurückverlegt und das Gewässerbett wie das Wiesenvorland höhenmäßig angepasst.

Während die IG den Wegfall des Schnellinger Wehrs kritisiert, sagt das RP: "Mit der Wehrentfernung und der Dammverlagerung können die Hochwasserabflussverhältnisse soweit verbessert werden, dass zukünftig ein HQ 100-Schutz möglich ist."

Naturschutz-Gutachten wird weiter im Spätjahr erwartet

Und wie geht es aktuell weiter? Für das Spätjahr 2018 wird das naturschutzrechtliche Gutachten hinsichtlich einer möglichen Troglösung für den Anschluss der B 33 Richtung Hausach erwartet. Bürgermeister Philipp Saar geht ebenso wie das RP davon aus, dass das Gutachten noch dieses Jahr vorliegt. Auf die Frage, ob die Verwaltung sich auf die lange Bank geschoben fühlt, antwortet er: "Hier gilt die Devise ›Gründlichkeit vor Schnelligkeit‹. Es braucht ja auch Zeit, um auf die Interessen vor Ort einzugehen und ein für alle Seiten zufriedenstellendes Ergebnis zu erzielen." Das RP arbeite in seinen Augen mit Hochdruck an einer konsensfähigen Lösung, die auch den Hochwasserschutz berücksichtige.

Die Haslacher Verwaltung favorisiert für den Anschluss der Umfahrung an die bestehende Strecke Richtung Hausach eine Troglösung, um einen weiteren Brückenneubau zu vermeiden. Die IG fordert einen Tunnel. Die geschätzten Baukosten sprechen eine eigene Sprache: Das RP geht aktuell davon aus, dass die oberirdische Lösung rund 40 Millionen Euro kosten wird. Dem stehen schätzungsweise mindestens 110 Millionen Euro Baukosten für den Tunnel gegenüber: "Diese Zahl stammt noch aus dem Jahr 2012 und ist überholt, eine aktuelle Aussage dazu gibt es nicht", so Henrich.

Mit dem am heutigen Samstag erscheinenden Teil der Serie "Unser Wasser im Kinzigtal" beendet die Redaktion ihren sommerlichen Überblick über das Leben mit und ohne Wasser in der Region. In 13 Teilen hatten wir uns mit dem Einfluss des Elements auf das Leben im Tal beschäftigt. Der Blick auf die Haslacher B 33-Umfahrung dient dabei als Abschluss.

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