Haslach i. K. Viel Lob für einen mutigen Schritt

Das Ausräumen der Spülmaschine gehört für Dennis (links) und Thorsten zu den täglichen Pflichten in ihrer Wohnung. Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

Die Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal ist mit Geldern des Haslacher Weihnachtsmarkts bedacht worden. 18 000 Euro flossen in die vereinsinterne Spendenaktion zum Schaffen von neuem Wohnraum.

Haslach. Jetzt sind Thorsten Himmelsbach und Dennis Gimenez-Lopez in der Haslacher Hebelstraße eingezogen.

Lebenshilfe-Vorstand Karl Burger und Wohnbereichs-Leiterin Jasmin Metzger hatten das Geld Anfang Februar entgegen genommen und damit den Ausbau zweier Wohnungen im Dachgeschoss des Haslacher Wohnhauses angekündigt.

Wo sich früher ein großer Raum für Gemeinschaftsangebote befand, wurden in den vergangenen Monaten Wände eingezogen, zwei kleine Bäder installiert, zwei geräumige Zimmer und eine kleine Gemeinschaftsküche eingebaut.

Beide sind sehr stolz auf die eigenen vier Wände

Beim Schwabo-Besuch sind die beiden jungen Männer sichtlich stolz auf ihr neues Zuhause. Thorsten Himmelsbach ist am 25. August eingezogen. Er wohnte davor bereits fünf Jahre in einer der Hausacher Wohngemeinschaften. "Zu zweit ist es aber viel besser, da hat man mehr Ruhe", erzählt der 28-Jährige. In Hausach habe er sich die ambulant betreute WG mit vier weiteren Bewohnern geteilt, da sei es umtriebiger gewesen. Dennis Gimenez-Lopez kommt frisch aus der Lebenshilfe-Wohnschule im Haslacher "Haus Ketterer" und ist am 1. September in die Hebelstraße umgezogen. Für den 27-Jährigen ist es die erste eigene Wohnung, auf die er sich schon sehr gefreut hat.

Für beide beginnt der Tag mit einem selbst gemachten Frühstück, dem Bettenmachen und dem anschließenden Weg zur Arbeit. Thorsten hat dabei etwas mehr Zeit, weil er nur quer über die Straße in die Haslacher Werkstatt der Lebenshilfe laufen muss. Dennis dagegen fährt schon früh mit dem Linienbus zur Steinacher Werkstatt und kommt erst am späten Nachmittag wieder nach Haslach zurück.

Nach der Arbeit geht für beide der erste Weg in den Wohntreff der Lebenshilfe, um "Hallo" zu sagen, sich mit anderen allein lebenden Menschen mit Behinderung auszutauschen, anstehende Fragen und Probleme mit dem Personal zu besprechen oder einen Kaffee zu trinken. "Ich mag gar keinen Kaffee, ich trinke dort lieber ein Wasser", erzählt Dennis lachend.

Zuhause in der Hebelstraße wartet dann das Abendprogramm mit Einkaufen, Kochen und Zimmerdiensten auf die beiden. Gekocht wird nach Lust und Laune, am Abend vor dem Schwabo-Besuch gab es leckere Tortellini Bolognese mit Tomatensalat.

Um Strukturen zu schaffen und den Alltag von Thorsten und Dennis gut zu gestalten, werden sie täglich von Mitarbeitern der Lebenshilfe begleitet. "Ich finde es ganz toll, dass ihr so mutig wart, es hier zu versuchen", lobt Wohnbereichs-Leiterin Jasmin Metzger die beiden jungen Männer. Beim abschließenden Blick in die Zimmer und den Erzählungen der Beiden wird deutlich, wie wohl sie sich bereits nach wenigen Tagen in den eigenen vier Wänden fühlen.

Die Arbeit in den Wohnhäusern und den ambulant betreuten Wohnbereichen ist auf die Weiterentwicklung der Persönlichkeit von Menschen mit Behinderung ausgerichtet. Wie die gesamte Tätigkeit der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal zielt sie auf die Teilhabe in allen gesellschaftlichen Bereichen ab. Damit ist das Wohnen bei der Lebenshilfe mehr als nur Unterkunft und Verpflegung zu haben. Es wird den jeweiligen persönlichen Bedürfnissen gerecht, ermöglicht eine individuelle Lebensgestaltung und bietet dabei die nötige Unterstützung und Begleitung. Beinahe 30 Personen, die in der Werkstatt arbeiten und noch zu Hause wohnen, haben Interesse an einem stationären Wohnplatz angemeldet. Im ambulant betreuten Wohnen werden die Fallzahlen ebenfalls weiter ansteigen und auch der Anteil der Senioren wird zunehmen. Weitere Wohnangebote im Kinzig- und Elztal sind dringend erforderlich.

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