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Haslach i. K. Verehrerin wird wieder lebendig

Gilia Skop schlüpft in die Rolle der Maria Hamminger. Foto: Schwendemann

Eine Premiere erlebt der Haslacher "Freihof" anlässlich des Museumstags am kommenden Sonntag, 21. Mai: Erstmals führt mit "Maria Hamminger" die Figur einer Hansjakob-Verehrerin durch das Haus des Dichterpfarrers.

 

Haslach. Unter der braunen Perücke und dem Originalkleid aus der Zeit um 1900 steckt Gilia Skop. Die Haslacherin freut sich auf ihre erste Führung im "Freihof", ist aber auch nervös, wie sie im Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten zugibt. Sie ist bei der Führung aber nicht allein: Begleitet wird sie von Stadtrat "Wilhelm Engelberg", dargestellt von Martin Schwendemann.

Sie beide hätten bei Peter Lohmann gewirkt, blickt Skop zurück. Außerdem seien sie ehemalige Nachbarskinder. Bei einer Gruppenreise vor zwei Jahren hätte Skop dann recht lebendig im Bus geredet. "Und dann dreht Martins Frau sich um und sagt zu ihm: Die brauchst du als Stadtführerin", erinnert Skop sich lachend. Schwendemann hätte sie damit tatsächlich "angefixt". Dann kam aber zunächst ein anderes Engagement dazwischen: Die Spielleitung des Märchens in Hornberg. "Das hat Zeit gebunden", erinnert sie sich – und ist froh, dass sie nun Zeit für ihre Rolle als Maria Hamminger hat.

Wie laufen die Vorbereitungen auf eine solche Rolle ab? Zunächst hat Skop viel gelesen. "Ich muss zugeben: Ich hätte anfangs nicht gedacht, dass Hansjakob auch heute noch etwas zu sagen hat", zeigt sie sich beeindruckt. Er sei eine vielschichtige, faszinierende Person gewesen. Zudem seien seine Ansichten nicht so überholt, wie es manchmal den Anschein erwecke. Hansjakob sei Ökologe gewesen, gegen die Industrialisierung, "absoluter Pazifist" – und habe bereits zu seiner Zeit die Völkermorde an den Armeniern und den Herero angeprangert. "Wir bräuchten mal wieder jemanden, der sich so aufregt", sagt Skop bewundernd.

Bewunderung ist durchaus Teil ihrer Rolle. Denn "die Hammingerin", eine Tochter aus einer wohlhabenden Industriellenfamilie, war eine solche Verehrerin Hansjakobs. Über sie selbst sei faktisch kaum etwas bekannt, sagt Skop. Aber die Familie seien "gescheite Leute" gewesen. Dass Hamminger, eine Frau, um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhunderts frei über ihr Vermögen verfügen durfte, sei "revolutionär". Sie stand in Briefkontakt mit Hansjakob, Anfang des 20. Jahrhunderts begegneten sich die beiden persönlich. Seine Anziehungskraft habe Hansjakob auf Hamminger aber sicher auch geistig ausgeübt, die Frau sei sehr gebildet gewesen, berichtet Skop. "Romantisierung gab es da aber schon manchmal. So einen Mann kann man vielleicht auch verehren: Intelligent, gebildet, integer und mit Humor – sowas sucht man doch heute noch", gerät sie kurz ins Schwärmen und lacht.

Dabei war die "Hammingerin" nicht Skops Idee, sondern Schwendemanns. "Es gibt nicht viele Möglichkeiten, sich als Frau im Umfeld Hansjakobs einzubringen", gibt sie zu.

Die Rolle auf die Beine gestellt, wurde ein Konzept erarbeitet, das Skop seit mehr als einer Woche allein im "Freihof" probt. "Ich gehe durch die Räume und rede mit imaginären Menschen", sagt Skop: Sie probt die Führungen für sich.

Am vergangenen Dienstag war dann zum ersten Mal "Wilhelm Engelberg" dabei, mit dem sie im Zusammenspiel durch den "Freihof" führt. Bis zum Sonntag ist dann noch Zeit für Verbesserungen. Und für die Maske: Um 8.30 Uhr beginnt die Verwandlung von Gilia Skop in Maria Hamminger. Durch den "Freihof" führt sie ab 10 Uhr.

INFO

Führungen

Der Haslacher Freihof in der Hansjakobstraße ist am Sonntag, 21. Mai, ab 10 Uhr durchgehend bis 17 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Die Bürgerwehr bewirtet mit Kaffee und Kuchen. Zudem gibt es zwei Führungen:

> Um 10 Uhr ist die Premiere von Gilia Skop als Hansjakob-Verehrerin Maria Hamminger, begleitet von Stadtrat "Wilhelm Engelberg" (Martin Schwendemann).

> Der Hausherr "Heinrich Hansjakob" (Alois Krafczyk) führt um 15 Uhr durch sein Domizil. Begleitet wird er von seiner Schwester "Philippine" (Billy Sum-Herrmann).