Haslach i. K. Tagesausflüge sind schwer im Trend

Herbert und Irene Reinpold (beide 74) schauten sich am Mittwoch in Haslachs Städtle um. Besonders beeindruckt waren sie von den vielen Fachwerkhäusern und der Klosterkirche. Foto: Steitz Foto: Schwarzwälder Bote

Die hiesige Region erlebt derzeit ihre touristische Hochsaison. Wie die Zahlen des Vereins Schwarzwald Tourismus Kinzigtal (STK) zeigen, sind Juni, Juli und August die übernachtungsstärksten Monate. Der Schwabo hat sich nach den Trends erkundigt.

Mittleres Kinzigtal . Herbert und Irene Reinpold sind am diesem Mittwoch in Haslachs Altstadt unterwegs. Sie schauen sich gerade die vielen Fachwerkhäuser an und sind wirklich beeindruckt. So schön ist das Städtle. Ihnen geht es mit ihrer Reisemotivation wie vielen anderen Urlaubern in der Region.

So "runden" laut STK-Geschäftsführerin Isabella Schmider "Fachwerkstädte und das vielfältige Kulturangebot" die touristische Offerte des Kinzigtals ab. Die hiesigen Gäste schätzten die gut ausgeschilderten Wanderwege, vielen Themen- und Erlebnispfade, Aussichtspunkte, Einkehrmöglichkeiten sowie eine "attraktive Tallandschaft", die zum Radfahren und Spazieren animiert.

Kürzere Aufenthalte

Die Vorliebe seiner Touristen für Altstädte kann Manfred Haas, Chef des renommierten Naturparkhotels Adler in St. Roman, nur bestätigen. Seine Urlauber seien hauptsächlich Paare und Wellnessgäste aus Baden-Württemberg, Frankreich, der Schweiz und Belgien. Das internationale Hotel beherbergt auch Geschäftsreisende, zum Beispiel Japaner und Chinesen.

Die Belegungsdauer hat im Vergleich zu früher abgenommen. Vier bis fünf Tage sind nun üblich, 14 Tage sind eher die Ausnahme. Die Kurzurlaube werden aber öfter und auch spontan gebucht, wenn es für das "Adler" in den Zimmerbelegungskalender passt.

Bei touristischen Übernachtungsgästen in Haslach stammt das Gros aus Baden-Württemberg und dem angrenzenden Rhein-Main-Gebiet, das sind circa 40 Prozent, sagt Martin Schwendemann von Haslachs Verwaltung.

Die Hansjakob-Stadt lebt touristisch aber vor allem von Tagesausflüglern. In diesem Bereich gibt es seit Jahren eine gute Entwicklung. "Bummeln, gut essen und einkaufen unter Fachwerk ist schon was Schönes", so Schwendemann. Dazu kommen Hansjakob, das Trachtenmuseum, die Klosterkirche, das Besucherbergwerk, die Gedenkstätte und der Urenkopfturm, zählt Schwendemann die Attraktionen auf. Zurzeit seien vermehrt niederländische und englischsprachige Gäste zu vermelden. Die Anzahl an Spaniern nimmt ebenfalls zu, teilt er mit.

Freibäder profitieren

Als Reisemotivation für einen Besuch ist für Gäste mittleren Alters, junge Paare und Familien die Natur mit dem Wander- und Aktivtourismus im Kinzigtal ausschlaggebend, betont Schmider von der STK. Viele Besucher seien Wiederkehrer.

Zu den am häufigsten besuchten Sehenswürdigkeiten im Einzugsgebiet zählen laut Schmider unter anderem das Schwarzwälder Freilichtmuseum Vogtsbauernhof in Gutach, die Dorotheenhütte Wolfach und die Schwarzwaldmodellbahn in Hausach. Auch Freibäder der Region profitierten aktuell vom Touristenandrang während des heißen Wetters.

Israelis reisen an

Das über Baden-Württemberg hinaus bekannte Freilichtmuseum Gutach besuchen beispielsweise im Durchschnitt 70 Prozent Deutsche, berichtet Pressesprecherin Svenja Janes. Unter 30 Prozent der ausländischen Gäste sind vor allem Franzosen, US-Amerikaner und Kanadier vertreten.

In den Sommermonaten kommen zudem viele Gäste aus Italien und Spanien. "Aber auch israelische Gäste sind seit ein paar Jahren stark vertreten", so Janes. Zu den Besucherscharen zählen überwiegend Familien, die auch die Hauptzielgruppe des Museums sind.

Auch viele Spanier

Der Großteil der Übernachtungsgäste im gesamten Kinzigtal stammt ebenfalls mit mehr als 70 Prozent aus Deutschland. Aber auch Niederländer, Spanier, Belgier, Schweizer und Franzosen suchen die Region auf. Die Tagesgäste reisen sogar aus den USA, Kanada sowie dem Elsass an. "Generell sind auch israelische Besucher seit ein paar Jahren stark im Kinzigtal vertreten" bestätigt Schmider.

Diesen Trend stellt auch Sonja Heizmann von der Tourist-Info Gutach fest. Unter den ausländischen (Tages-)Gästen, die sich dort mit Informationsmaterial eindecken und Fragen zu ihrer Urlaubsplanung stellen, zählen in diesem Sommer vor allem Spanier, Italiener und Israelis. Der größte Teil hierbei sind spanische Familien mit Kindern. Generell kamen 2017 die meisten Übernachtungsgäste aber nach wie vor aus Deutschland (24 000 Übernachtungen). Spitzenreiter sind die Reisenden Baden-Württembergs mit 8400 Übernachtungen in der Bollenhutgemeinde.

Millionen-Umsatz

Hartmut Märtin vom Kultur- und Tourismusbüro Hausach geht für die Stadt unter der Burg von rund 18 000 Übernachtungen und 5000 Gästeankünften aus. Der durch den Tourismus bedingte Umsatz pendelt sich bei drei Millionen Euro im Jahr ein.

Die meisten Urlauber kommen aus Baden-Württemberg und Frankreich und seien meist Tagesausflügler. "Wir reden hier in der Info fast den ganzen Tag französisch", erzählt er. Der Tourismus spiele in Hausach aber insgesamt eine eher untergeordnete Rolle. Beliebteste Ziele der Tagesausflügler seien die Schwarzwaldmodellbahn mit rund 50 000 Besuchen im Jahr, der Leselenz mit 4000 Gästen sowie der Muttertagsmarkt, der rund 7000 Besucher anzieht.

Das Heidelberger Ehepaar Reinpold findet das Kinzigtal schön. Der Schwarzwald sei, so das Fazit der 74-Jährigen, vor allem für seine alten Bauernhäuser bekannt. Diese Ecken gilt es, zu entdecken.

Die Heidelberger Herbert und Irene Reinpold (beide 74) haben sich am gestrigen Mittwoch in Haslachs Städtle umgeschaut. Das Ehepaar ist mit seinem Wohnmobil hergefahren. Die Heidelberger unternehmen gerade eine Rundreise. Vor ihrem Abstecher nach Haslach besuchten sie die Landesgartenschau in Lahr.

Besonders beeindruckt waren die Tagestouristen von Haslachs vielen Fachwerkhäusern, kleinen Cafés und der schönen Klosterkirche. Die Gebäude seien toll erhalten, so Herbert Reinpold.