Haslach i. K. Sparkassen-Fusion ist geglückt

Geglückte Fusion: Die Akteure um Thorsten Erny (vorne links) und Philipp Saar (vorne rechts) haben innerhalb weniger Monate die Fusion der Sparkassen Gengenbach und Haslach-Zell zur Sparkasse Kinzigtal ermöglicht. Foto: Kleinberger

Kinzigtal. Die Sparkasse Haslach-Zell und die Sparkasse Gengenbach fusionieren zur "Sparkasse Kinzigtal". Nachdem die Gespräche im Sommer aufgenommen worden waren, geht es jetzt schnell: Die Fusion tritt bereits zum 1. Januar 2021 in Kraft.

Darüber informierten die zukünftigen Vorstände und Vorsitzenden der Trägerversammlung am Freitagmittag in einem Pressegespräch. Anlass war die Vertragsunterzeichnung zur Fusion, über die sich Philipp Saar und Thorsten Erny sehr freuten. Sitz der Sparkasse Kinzigtal wird Haslach sein.

Die Bürgermeister von Haslach beziehungsweise Gengenbach als Verwaltungsratsvorsitzende "ihrer" jeweiligen Sparkassen sprachen von einem "historischen Tag", der die Region nachhaltig stärken werde. Natürlich habe man sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, betonte Erny. Immerhin war die Sparkasse Gengenbach 166 Jahre lang selbstständig – "aber es war das Gebot der Stunde, beide Häuser zusammenzuführen."

Nullzinspolitik, wachsende Bürokratie und andere Faktoren

Kleine Kreditinstitute stehen seit Jahren vor immensen Herausforderungen. Nullzinspolitik, wachsende Bürokratie und andere Faktoren sind für die kleineren Häuser naturgemäß schwierig zu stemmen. Die Fusion bedeute daher nicht nur eine Bündelung der Kräfte, sondern auch eine Stärkung der Position der Sparkasse. Im Geschäftsgebiet der Sparkasse Kinzigtal leben rund 62 000 Personen (Eckdaten siehe Infokasten).

Dass die Fusion bereits zum Jahreswechsel vollzogen werden kann, spreche für die harmonischen und zielorientierten Gespräche. Seinen besonderen Dank richtete er an Saar, den neuen Vorstandsvorsitzenden Martin Seidel und Vorstandsmitglied Carlo Carosi (bisher Sparkasse Haslach-Zell).

In den Gesprächen sei bereits viel an Vertrauen als Fundament gewachsen, auf dem der Vorstand jetzt aufbauen könne, um die Fusion voranzutreiben. "Hier ist zusammengewachsen, was zusammen gehört", befand Erny später im Gespräch.

Der Vorstand wird ab 2021 aus drei Personen bestehen. Bernd Jacobs, bisheriger Vorsitzender der Sparkasse Haslach-Zell, wird dem Gremium nicht mehr angehören. Im Sinne der Verschlankung habe er selbst angeboten, sein Amt niederzulegen.

Saar sparte nicht mit Lob für den scheidenden Vorstandsvorsitzenden, der sich einer neuen beruflichen Herausforderung zuwenden will. "Ich bin stolz, dass Bernd Jacobs das Haus so gut aufgestellt hat, wie es sich jetzt präsentiert". Beide Sparkassen würden aus starken Positionen heraus fusionieren.

Keine Schließung von Geschäftsstellen geplant

Vorstandsvorsitzender der neuen Sparkasse Kinzigtal wird Martin Seidel, der das Amt seit 1. Juli 2019 in Gengenbach bekleidet hat. Sein Stellvertreter ist Carlo Carosi, der bislang auch im Vorstand der Sparkasse Haslach-Zell wirkte.

Komplettiert wird das Dreierteam durch den 41-jährigen Sebastian Lebek, der derzeit noch stellvertretendes Vorstandsmitglied der Kreissparkasse Kusel in Rheinland-Pfalz ist. Den Vorsitz des Verwaltungsrats teilen sich im jährlichen Wechsel Saar – der 2021 den Anfang macht – und Erny.

Der Vorstand habe nun erst alle Hände voll zu tun, um die Fusion in den Häusern umzusetzen. Auf Nachfrage erklärte Saar, es sei grundsätzlich kein Stellenabbau geplant. Es gehe darum, zu sehen, wie die Standorte weiterentwickelt werden können. Das Konzept sei Aufgabe der Vorstände. Erny ergänzte, in gewissen Segmenten werde eine Bündelung der Kräfte vor Ort außerdem eine Stärkung bedeuten.

Ebenso sei mit aktuellem Stand keine Schließung von Geschäftsstellen geplant, sagte Saar. Auch das sei Ermessenssache des Vorstands. "Das liegt auch durchaus in Kundenhand", sagte Erny, der die Situation mit der im Einzelhandel verglich, wo Internethändler es den klassischen Geschäften in den Städten inzwischen schwer machen.

Der Fokus liegt jetzt erst einmal darauf, die Sparkasse Kinzigtal vernünftig aufzustellen. Für weitere "Zugänge" von Banken aus der Nachbarschaft sei man aber durchaus offen, hieß es.

Die Sparkasse Kinzigtal weist folgende Eckdaten auf

Bilanzsumme: etwa 1,6 Milliarden Euro

Mitarbeiter: circa 270

Geschäftsstellen: vier Beratungscenter, sieben Geschäftsstellen, acht SB-Geschäftsstellen

Geschäftsgebiet: von Ohlsbach bis Hornberg; rund 62 000 Einwohner

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