Haslach i. K. Neue Haslacher Umfahrung: Die Planungen im Detail

Haslach - Seit mehr als 40 Jahren wird sie diskutiert, jetzt schaffen die Planer Fakten: Die Haslacher Umfahrung der B 33 ist am Mittwochabend vorgestellt worden. Rund 800 Bürger waren zur Präsentation des Regierungspräsidiums in die Stadthalle gekommen.

Die Halle platzte schier aus allen Nähten. 500 Plätze im Saal und auf der Empore waren gestuhlt gewesen, doch das reichte bei weitem nicht aus. Hunderte Besucher standen zusätzlich an den Seiten und bis ins Foyer hinein in dichten Reihen.

Große Veränderungen und höhere Kosten

Bürgermeister Philipp Saar begrüßte die Bürger: "Heute schreiben wir hier Geschichte!", sagte er. Über das "ungeheuer große Interesse" freute sich auch Claus Walther, der Abteilungsleiter für Straßenbau im Regierungspräsidium, als Vertreter von Regierungspräsidentin Bärbel Schäfer.

Das Kinzigtal sei der Behörde sehr wichtig, man wisse um die Bedeutung der B 33 für Wirtschaft und Bürger. Es habe "maßgebliche Veränderungen" bei den Planungen der 3,7 Kilometer langen Trasse gegeben. Deshalb sei sie auch bei den Kosten von anfangs 45 auf nun knapp 80 Millionen Euro hochgeschnellt.

Zugleich habe man den Hochwasserschutz massiv optimiert. Das Vorhaben sei "auf einem guten Weg", aber ein "großes, komplexes Projekt".

Das ist der Hintergrund

Die B 33 ist eine wichtige Querachse zwischen der A 5 im Rheintal und der A 81 bei Villingen-Schwenningen. In und um Haslach kommt der Verkehr regelmäßig ins Stocken. Die heute rund 26 500 Autos und Laster, die Haslach täglich passieren, werden bis in 20 Jahren auf fast 32 000 anschwellen. Zwei Drittel dieser Menge soll die neue Umfahrung schlucken, hieß es.

So wurde informiert

Die Planung im Detail stellten verschiedene Fachleute vor. Ein Film nahm die Zuschauer bei einem Flug über die geplante neue Trasse mit.

Zudem gab es reichlich Schaukarten. Das ist der Zeitplan: Zwölf Jahre wird es wohl noch dauern, bis die Straße steht. Wenn keine rechtlichen Klagen dazwischenkommen.

Reine Bauzeit: fünf Jahre, inklusive Hochwasserschutz. 

Der Verlauf im Detail

Die Trasse folgt überwiegend der vor Jahren vorgestellten Variante, die als "Bündeltrasse" bekannt wurde: Im Westen ein neues Brückenbauwerk, das die B 33 auf Haslacher Seite auf den Hochwasserdamm legt, sie im Bereich des "Mühlegrün" an die Schwarzwaldbahn anlegt und hinter dem Ortsausgang Haslach im Osten wieder an die Bestandsstraße anschließt.

  • Das passiert im Westen: Von Offenburg her kommend teilt sich die Straße kurz vor Haslach. Nach links geht’s wie bisher Richtung Bollenbach und Schnellingen, rechts geht’s nach Haslach hinein. Die Umfahrung führt zwischen den beiden bestehenden Straßen hindurch und mündet in eine neue Brücke, die den Verkehr auf den Kinzigdamm führt.
  • Das passiert an der "Arche": Die "Arche"-Brücke verbindet heute Haslach mit seinen Ortsteilen auf der anderen Kinzigseite sowie Fischerbach. Sie ist marode und wird abgerissen. An gleicher Stelle wird eine Brücke für Fußgänger und Radler gebaut. Die Straße "Am Gewerbekanal" wird eine Fußgängerunterführung.
  • Das passiert im Osten:Keine weitere Brücken, um die B 33 an die bestehende Straße Richtung Hausach zu führen: Das hatte der Haslacher Stadtrat einst gefordert. 2019 gab es dann grünes Licht für die so genannte "Troglösung": Der Anschluss erfolgt mit einer Unterführung der neuen Trasse, unter der Bahn und dem Gewerbekanal hindurch.
  • Das sagt der Hochwasserschutz: Kritiker bemängeln, dass die vorgesehene Trasse im Kinzigvorland liegt – sie verschlechtere den Hochwasserschutz. Dieser wird jedoch jetzt gemeinsam mit der Straßenplanung ausgeführt. Ein Novum, wie es am Mittwoch hieß. Ergebnis: Anders als bisher wird Haslach größtenteils vor einem hundertjährigen Hochwasser geschützt sein. Das erreichen die Planer durch Begradigung und Verlegung der Hochwasserdämme sowie die Entfernung des Kinzigwehrs bei Schnellingen. Diese Verbesserung gibt es aber nur, wenn die Straße gebaut wird. Das ist mit dem Tunnel:  Der ist vom Tisch. Schon seit Jahren gibt es für diese 200-Millionen-Euro-Lösung keinen politischen Rückhalt. So geht’s weiter: Haslachs Bürgermeister Philipp Saar will das Eisen schmieden, so lange es heiß ist. Die Planung der oberirdischen Umfahrung soll in der nächstmöglichen Gemeinderatssitzung besprochen werden. Denn das Thema drängt. Als Saar am Ende der Veranstaltung betonte, dass die aktuelle Situation nicht zukunftsfähig sei und es endlich eine Grundsatzentscheidung brauche, erntete er riesigen Applaus.
  • So berichten wir weiter: Auf Details der Pläne gehen wir auf einer weiteren Lokalseite in dieser Ausgabe ein. Bilder von Mittwoch gibt es online unter www.lahrer-zeitung.de. Berichte über Diskussion, Fragen und Reaktionen folgen.