Haslach i. K. "Sie sind wie ein verlängerter Arm"

Tobias Haas (von links) begleitet die Gruppe als Arbeitserzieher des Berufsbildungsbereichs der Haslacher Lebenshilfe und wird von Timo Schwendemann unterstützt. Ramona Schmieder zerpflückt und wäscht Salat, Lukas Kühnhanss sieht zu. Foto: Störr Foto: Schwarzwälder Bote

16 Beschäftigte der Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal haben vier Wochen lang Praktika absolviert. Sie arbeiteten in der Mensa des Ettenheimer August-Ruf-Bildungszentrums.

Haslach . Wenn die Haslacher Schulmensa nach den Sommerferien durch die Kehler Firma Stöckel betrieben wird, soll es auch dort einen ausgelagerten Arbeitsplatz für Menschen mit Behinderung geben. Diese Stelle werden sich mehrere Beschäftigte teilen.

"Wir sind schon länger dabei, unseren Werkstatt-Beschäftigten auch Arbeitsplätze im Dienstleistungsbereich anzubieten", erklärt Martin Schmid als pädagogischer Leiter der Lebenshilfe-Werkstätten.

Um ein eigenes inklusives Café zu betreiben, wäre die Lebenshilfe im Kinzig- und Elztal jedoch schlichtweg zu klein. Außerdem wären beide Einrichtungen unterschiedlichen Landkreisen zugeordnet. Das erschwere ein eigenes Angebot. Mit dem Pächterwechsel in der Haslacher Mensa gebe es nun die günstige Gelegenheit, einen ausgelagerten Arbeitsplatz im Dienstleistungs-Sektor anzubieten.

Stadt Haslach befürwortet die Idee

Die grundsätzliche Idee sei zunächst an die Stadt Haslach herangetragen und befürwortet worden. Von dort aus sei auch der Kontakt zum neuen Betreiber hergestellt worden. Auf Einladung der Lebenshilfe wäre Christiane Stöckel dann in die Haslacher Werkstatt gekommen, habe sich für die Idee gewinnen lassen und die Rahmenbedingungen seien anschließend abgesprochen worden.

"Um herauszufinden, für wen eine Mitarbeit in der Schulmensa überhaupt in Frage kommt, haben wir einwöchige Praktika in der Ettenheimer Schulmensa vereinbart", erklärt Schmid. Diese werde ebenfalls von der Firma Stöckel betrieben und sei von deren Mensen die am nächsten gelegene. 16 Werkstatt-Beschäftigte hatten ihr Interesse bekundet und wurden jetzt in enger Begleitung durch die Lebenshilfe vier Wochen lang geschult und eingearbeitet.

Beim Praktikums-Besuch durch den Schwabo wurde fleißig in der Mensa-Küche gewerkelt. Ramona Schmieder putzte Salat für den Pausenverkauf, Samanta Boschert schnippelte die Zutaten für den Wurstsalat und Lukas Kühnhanss befüllte aufgeschnittene Brötchen mit Chicken-Nuggets. Eigentlich ist er der "Herr des schmutzigen Geschirrs" und begeistert sich für das Spülen – aber richtig viel zu tun gibt es da erst nach der Mittagspause.

Flammenkuchen, Burger und Brötchen gefragt

"Im morgendlichen Pausenverkauf sind Flammenkuchen, Burger und belegte Brötchen gefragt", weiß Mensa-Leiterin Andrea Schmitt aus Erfahrung. Sie ist für die Einarbeitung der Haslacher Lebenshilfe-Mitarbeiter zuständig und bescheinigt: "Sie sind wie ein verlängerter Arm." Zwar gelte es immer achtsam zu sein und unterstützend zur Seite zu stehen, doch sie könne sich die Zusammenarbeit in der Haslacher Schulmensa sehr gut vorstellen.

Ramona schaltet derweil den Ofen an, überprüft den Vorrat an Cocktailsoße und beginnt die Verkaufstheke einzurichten. Es ist kurz vor der zweiten Frühstückspause und in wenigen Minuten werden die Schüler erwartet.

Für Stöckel war die Zusage zu den Praktika und dem ausgelagerten Arbeitsplatz gar keine Frage. "In der Offenburger Schule haben wir immer wieder Praktikanten mit Handicap und seit Jahren haben wir über die Belieferung der Lebenshilfe Nordschwarzwald auch dorthin enge Kontakte." Als die Anfrage aus Haslach gekommen wäre, habe sie gerne zugestimmt und das Feedback der vergangenen Wochen bestätige ihre Entscheidung. "Die Menschen mit Behinderung bringen einen Mehrwert und leisten was", brachte sie es auf einen kurzen Nenner.

Mit dem neuen Schuljahr wird die Kehler Firma Stöckel die Mensa des Haslacher Bildungszentrums übernehmen. Dann werden sich sechs Menschen mit Behinderung einen ausgelagerten Arbeitsplatz teilen. Seitens der Lebenshilfe sind zwei Dreier-Teams geplant, von denen ein Team montags und dienstags, das andere Team mittwochs und donnerstags in der Mensa arbeitet. "Das ist vom Ablauf her einfacher und für alle Beteiligten ein Vorteil", waren sich Christiane Stöckel und Martin Schmid einig. Nach der Einarbeitung in Haslach wird jeder Beschäftigte einen festen Platz in der Küche zugeordnet bekommen – ganz nach den individuellen Fähigkeiten und Vorlieben.