Haslach i. K. Rat entscheidet sich gegen blaue Bahn

Das Haslacher Stadion wurde 1956 eröffnet. Inzwischen ist eine Sanierung dringend notwendig. Ist diese erfolgt, können in Haslach Wettbewerbe auf Landesebene ausgetragen werden – aber nicht auf einer blauen Tartanbahn. Archivfoto: Hättich Foto: Schwarzwälder Bote

Müssen schon jetzt Übungsplätze für den Haslacher Stadionneubau eingeplant werden? Ist eine blaue Tartanbahn als Alleinstellungsmerkmal die Mehrkosten wert? Inmitten der Corona-Krise hat der Stadtrat am Montag kontrovers diskutiert.

Haslach. Der begleitende Architekt Volker Harbauer und die Verwaltung stellten am Montagabend den Planungsstand vor. Bekanntlich soll aus der sanierungsbedürftigen, mehr als 60 Jahre alten Anlage ein Wettkampfstadion des Typs B entstehen. Der Bund hat fast 915 000 Euro an Fördermitteln zugesagt (wir berichteten). Der Sachstand: Im April 2019 hatte der Stadtrat auf Basis eines Vorentwurfs beschlossen, die Anlage Typ B weiter zu verfolgen. Der Entwurf wurde in Abstimmung mit dem Planer und den Nutzern des Stadions, TV und SV Haslach sowie Schulzentrum, weiter ausgearbeitet. Harbauer stellte das Ergebnis vor. In den aktuellen Plänen sind zudem eine Flutlichtanlage, zwei Übungsfelder, eine Zaunanlage und die Anschaffung leichtathletischer Sportgeräte enthalten. Der SV Haslach plant darüber hinaus eine Erweiterung seiner Garagenanlage und des Clubhauses mit Bewirtungsareal, der TV will das Kunstturn- und Kletterzentrum erweitern. Die Kosten: Die aktuellste Kostenberechnung stammt laut Kämmerin Gisela Ringwald aus dem November. Diese wurde für die Diskussionsgrundlage um drei Prozent angepasst und geht aktuell von insgesamt rund 2,5 Millionen Euro aus. Darin enthalten waren 36 800 Euro Mehrkosten für eine blaue Tartanbahn, die als "Alleinstellungsmerkmal" einen deutlichen Mehrwert hätte, heißt es in der Beschlussvorlage. Die zwei zusätzlichen Übungsfelder schlagen mit 75 700 beziehungsweise 61 100 Euro zu Buche, die Flutlichtanlage kostet laut Schätzung 79 700 Euro. Die Förderung: Neben der Bundesförderung ist es laut Verwaltung möglich, für einen Teil der Infrastruktur und Geräte Fördermittel über den Badischen Sportbund zu erhalten. Bedingung ist, dass die Vereine dafür in Vorleistung gehen. Auf Nachfrage von Martin Schaeffer (Grüne) informierte Ringwald darüber, dass es dazu noch keine verbindliche Aussage gebe. Die Vereine: Gegen Ende der Diskussion lobte Bürgermeister Saar die Zusammenarbeit aller Beteiligten bei der Neuplanung. "Die Entscheidungsfindung war hart, aber konstruktiv", sagte er.

An anderer Stelle wurde noch kein Ergebnis erreicht: Bei der finanziellen Beteiligung der Vereine an der Umsetzung. Der SV würde laut Beschlussvorlage die Flutlichtanlage, Zaun und Übungsplätze abwickeln, allerdings steht auch dort noch die finanzielle Beteiligung der Stadt aus. Der TV wäre bereit gewesen, sich zu einem Drittel an den Kosten für die blaue Bahn zu beteiligen sowie die BSB-Förderung für Sportgeräte in Anspruch zu nehmen und die übrigen Kosten zur Hälfte zu tragen. Weder SV noch TV sehen allerdings eine finanzielle Beteiligung ihrerseits am Stadionneubau an sich. Der Stadtrat ermächtigte die Verwaltung einstimmig dazu, weitere Gespräche zu führen. Die Diskussion: Anhand der Übungsplätze und der Tartanbahn zeigte sich, dass die wirtschaftliche Entwicklung in der Corona-Krise einem Teil des Gremiums deutliche Kopfschmerzen bereitete. Andreas Isenmann (CDU) mahnte, das Gremium müsse aufpassen, "die richtigen Dinge zur richtigen Zeit zu entscheiden" und fragte, ob die Übungsplätze jetzt schon nötig seien. Im weiteren Verlauf wurde deutlich, dass er sich sorgte, die Plätze könnten Mittel binden, die später – beim Ausbau des Clubheims etwa – fehlen, wenn die Krise sich verschärft. Schlussendlich wurde über die Felder getrennt abgestimmt – der Gemeinderat entschied sich mehrheitlich dafür, dass sie gebaut werden.

Deutlichen Gegenwind erhielt das Blau der Tartanbahn. Schaeffer stimmte David Eisenmann (CDU) zu, der meinte, das Gremium müsse vorsichtig sein und die Entscheidung vertagen. "Wir tun so, als hätte die Krise bei uns keine Auswirkungen", mahnte Schaeffer mit Blick auf die finanzielle Situation mancher Nachbargemeinden. Saar entgegnete, das sei tatsächlich nicht vergleichbar.

Joachim Prinzbach (FW) rief dem Stadtrat in Erinnerung, dass dieser 2008 und 2009, inmitten der Finanzkrise, einen deutlich höheren Millionenbetrag in die Hand genommen hatte, um das Schulzentrum zu modernisieren. "Antizyklische Investitionen sind dazu da, einen Mehrwert zu bieten", entgegnete Eisenmann. "Damit hat eine blaue Tartanbahn nichts zu tun."

Joachim Allgaier (FW) kritisierte die Zaghaftigkeit der Kollegen am Ratstisch: "Vorsicht ist doch genau ein Grund für das Dilemma!", meinte er: "Es wurde 64 Jahre lang nichts gemacht. Aus dem modernsten Stadion wurde der letzte Schandfleck in der Ortenau."

Ein Antrag von Herbert Himmelsbach (SPD), die Bahn von der Tagesordnung zu nehmen, scheiterte. Die Ausführung der Bahn in Blau wurde vom Rat schlussendlich mehrheitlich abgelehnt. Dafür erfolgte der wohl wichtigste Beschluss einstimmig: Das Gremium bewilligte die Planung des Stadions. Geht alles gut, soll es im Mai 2022 fertig sein.

Bevor die Sanierung des Stadions beginnt, muss der Verbandssammler zwischen Stadion und Schwimmbad erweitert werden. Der Generalentwässerungsplan hatte gezeigt, dass der vorhandene Mischwasserkanal hydraulisch überlastet ist. Der Haslacher Stadtrat beschloss am Montagabend einstimmig, die Vergabe der Arbeiten über ein Umlaufverfahren Ende August vorzunehmen. Grund ist der straffe Zeitplan: Die Arbeiten müssen spätestens am 30. April 2021 beendet sein, damit das Freibad pünktlich öffnen kann. Das bedeutet, dass der Baubeginn Mitte September erfolgen muss – die nächste Sitzung des Stadtrats fände aber erst am Dienstag, 22. September, statt. Sind die Arbeiten am Verbandssammler abgeschlossen, geht’s mit der Sanierung des Stadions weiter.

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